Path:
Zur inneren Ortskunde

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

» I <= 
stellte. Damals fing man an, die Fremdwörter aus der Sprache und die 
fremde Sitte aus dem Familienleben auszumerzen, wozu Männer wie Wolke, 
Jahn und Zeune vas ihrige trefflich beitrugen. 
Tn höherem Sinne wirkten an unserer Universität . damals. Fichte, 
Schleiermacher, de Wette und die übrigen ausgezeichneten Lehrer der ver- 
schiedenen Fakultäten. 
Daneben erfreute sich auch die schöne Literatur bedeutender Verireter 
in Berlin. Zuerst dürfen wir Ludwig Tie> vorzugsweise ven Unsrigen 
nennen, da er am 31. Mai 1773 hier geboren wurde, seine Jugend und einige 
Jahre nach ver Studienzeit hier verlebte. Er hat die romantische Schule in 
ver Voesie mitbegründet, treffliche Mährchen gedichtet und andere in drama- 
tischer Form auf die originellste Weise humoristisch dargestellt. Später hat 
er vorzüglich durch seine Novellen die Lesewelt wieder sinnig beschäftigt. Er 
war nach Presden übergesiedelt und sächsischer Hofrath geworden, kehrte aber 
auf Vermittelung Sr. Majestät des jetzt regierenden Königs zu uns zurück 
und hat hier in feiner Vaterstadt vor zwei Jahren auch sein Haupt zur 
Ruhe gelegt. Bis zum Jahre 1814 schrieb Iffland unter uns seine bürger» 
lichen, durc< ihre Charakteristik bedeutenden Schäuspiele. In dieselbe Zeit 
fällt vie Blüthe ves gemüthlichen Lyrikers Carl Müchler. Seine poeti- 
schen Almanache fanden großen Beifall und er ist mit Ehren unter uns zu 
dem höhen Alter von 23 Jahren gelangt, in welchem er erst vor Kurzem 
verstarb. Bald nach Iffland's Tode hat unter uns der Kammergerichtsrath 
E. T. A. Hoffmann seine Erzählungen, Nomane-und Mährchen geschrieben; 
sie haben in ' weiten Kreisen durch ihre wilde Romantik und phantastischen 
Humor das lebhafteste Interesse errezt. Am bekanntesten sind seine Phan- 
tastestücke in Callot's Manier: „Die Elixire ves Teufels", „Kater Murr" 
und die Mährchen „Klein Zaches" und „Meister Floh“. Er starb bei uns 
im Jahre 1222. Nicht wenig Ruhm genoß zu seiner Zeit unter uns auch 
ver Romantiker Friedrich Baron de [la Motte Fouqus. Seine Ge- 
dichte und Romane, besonders „Der Zauberring“, wurden mit Begierde ge- 
lesen; das aber wissen Wenige, daß er in seinem Alter auch wahrhaft schöne 
geistliche Gedichte gemacht hat, die in Erbauungstaschenbüchern abgedruckt 
sind. Sein Leben war in den lezten Jahren ein sehr zurükgezogenes. Er 
starb 1843, von seinem Könige noc< im Tove hochgeehrt. 
In niedrigeren Regionen machte sich das Talent unseres Mitbürgers 
August Langbein geltend, der durch komische Nomane und Gedichte 
manchen Leser des Mittelstandes erheitert und den Humor munterer Gesell- 
schaften erhöht hat. Er war lange Zeit Censor der poetischen Erzeugnisse in 
unserer Provinz und hat in dieser Beziehung, als er im Jahre 1835 starb, 
ven Ruhm liebenswürdiger Milde hinterlassen. Sein Zeitgenosse H. Clauren 
(Carl Heun), schrieb zur selben Zeit für die zahlreichste Klasse ver Lesewelt 
vie nur unterhalten sein will, mit vem glücklichsten Erfolge, venn seine Ro- 
mane, wie „Mimili“, und seine Taschenbücher unter vem Namen „Vergiß-
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.