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Zur inneren Ortskunde

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

Zur inneren Ortskunde. 
Kirchliches Leben. 
4,2 5 
„«Zerlin ist zuweilen eine fromme Stadt genannt worden und hat das in 
bestimmten Perioden auc< wohl verdient. 
In alten Zeiten bethätigte sich die Frömmigkeit vurc< Beiträge zum 
Bau von Kirchen, Errichtung"von Altären in denselben, auch schon, wie jezt, 
vurc< Stiftung frommer Vereine, die jedoch eine mehr abgesonderte Stellung 
zur übrigen Gemeinde einnahmen als heute. In dem Allen blieb Berlin 
hinter andern Städten nicht zurück. 
Die Reformation ist bei uns mit herzlichster Beistimmung angenommen 
worden und hat zunächst ein reges kirchliches Leben zur Folge gehabt. 
Joachim Il. hatte noh manche katholische Ceremonien im Gottesdienste bei- 
behalten, die seine nächsten Nachfolger mehr und mehr beschränkten und dafür 
auc< Anflang bei vem ernsten Sinne unsrer Bürgerschaft gefunden zu haben 
scheinen. Diese blieb indeß streng lutherisch gesinnt, und der Uebertritt Kur- 
fürst Joh. Sigismunds zur reformirten Religion fachte den confessionellen 
Eifer gewaltig an, der leiver auc) Verfolgung und Schmähsucht im Geleite 
hatte. Während des 30jährigen Krieges war unter den schwersten Dräng- 
salen viel Sittenlosigkeit in ven meisten deutschen Städten, doch gefiel es 
Gott , bald nach dieser Zeit und gegen Ende des Jahrhunderts Berlin mit 
trefflichen Geistlichen zu segnen. Vom Jahre" 1657--1667 hat Paulus 
Gerhatvt als Diakonus an der Nikolaikirche hier gewirkt und seine schönsten 
geistlichen Lieb*r gedichtet. 1691 kam Philiny Jakob Spener als 
Propst an dieselbe Kirche, und sein Fleiß in Predigt und Seelsorge war 
um so heilsamer für vie Stadt, als die Regierung des ersten Königs und 
das Leben an seinem Hofe nicht besonders im Stande war, die Bürger Fröm- 
migkeit zu lehren. Sein Nachfolger hielt auf strenge Kirc<hlichkeit, aber unter 
vem großen Könige nahm durch dessen Beispiel der Kirc<henbesuch sehr ab 
und das Wöllner'sche Religionsedict unter Friedrich Wilhelm Il. war 
A.
	        
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