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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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Altenstein, amter welchem die meisten der hier ruhenden Notabilitäten 
ver Wissenschaft gelehrt und gewirkt, Schuß und Anerkennung gefunden 
haben. Nur Einem von ihnen ist vas weniger gelungen, Es ist Friedrich 
Eduard Veneke, außerordentlicher Nrofessor an der hiesigen Universität, 
Seine Psychologie wollte weder in das Hegelsche System, noc< unter <rist- 
liche Principien' sich bringen lassen ; sie hatte allerdings eine materialistische 
Färbung. Deshalb blieb er 32 Jahre ohne Beförderung und zog sich das 
zulezt so zu Gemüthe, daß er seinem Leben am 1, März 1854 im Wasser 
ein Ende machte. Man fand seinen Leichnam nicht, wohl aber war sein 
Hut und Velz vom Ufer entwendet worden. Das Ereigniß machte unge- 
meines Aufsehen; man hielt ihn für ermordet, schließlich für verschollen, bis 
unverkennbare Ueberreste seiner Leiche im vergangenen Herbst an der Schleuse 
des Fluthgrabens hinter dem Thiergarten entdeckt wurden. Diese hat sein 
Bruder, der Consistorialrath Beneke, in einem. Gitter vor der Reihe ver 
gedachten Erbbegräbnisse bestatten lassen. 
Dicht unterhalb Schleiermacher liegt der gelehrte Sprachforscher 
Lach maun begraben, dessen broncenes NReliefbild in ven Marmorcippus zu 
seinen Häupten eingelassen ist. Wiederum gleich darunter finden wir das 
granitne Denkmal des Dichters Ludwig Tie>, der bei uns im Früh- 
jahr 1853 starb. 
Ein kleiner Sandstein steht unfern davon zu Häupten eines Grabhü- 
gels, welcher die irdischen Ueberreste des Landschaftsmalers Blechen dect, 
Ex verstand es, unsere nordische Landschaft ebenso naturgetreu als poetisch 
wirksam darzustellen. Auf vor rechten Seite des Kirchhofs von oben her 
finden wir no< das Grab des frommen Naturphilosophen, Heiurich 
Steffens, Cin Cippus yon vwolirtem Granit mit seinem Bilde en me- 
daillon innerbalb eines s*önen eisernen Gitters bildet szin Denkmal. Er 
ist auch in der schönen Literatur durch: seine Romane Walseth und Leith 
und die vier Norweger, bekannt und lehrte in seinen letzten Lebensjahren 
an unserer Universität mit hinreißender "eredsamkeit, wiewohl er das Deutsche 
nie correct gesprochen hat, da er von Geburt ein Norw“ rx war. Er war 
auch ein begeisterter Kämpfer in den Freiheitsfriegen, lehrte vorher an der 
Universität Breslau , forderte nach dem Aufrufe des Königs seine Zuhörer 
im Collegium selbst zur Theilnahme am Feldzuge auf, und in der nächsten 
Vorlesung sollen Alle schon in Uniform anwesend gewesen sein. 
Unfern von ihm in einem niedrigen schmalen Gitter an der östlichen 
Mauer liegt der gemüthliche Dichter Kopisc<h bestattet, dessen Weinlied; 
„Als Noah aus dem Kasten war," noch in jever Gesellschaft Heiterkeit ver- 
breitet. 
Neben dem Dreifaltigkeitskir<hofe liegt östlich die neue Begräbnißstätte 
der Friedrich-Werderschen Gemeinde und auf ihr in einem kapellenartig er- 
bauten Erbbegräbniß die irdische Hülle ves berühmten Arztes und Opera- 
teurs Dr. Dieffenbach. Sein Tod war merkwürdig, da er in der Klinik 
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