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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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senschaften wie ' der Petersburgischen. Er starb im Jahre 1811, und aaf 
sein Grab ward von den Angehörigen eine Sandsteinplatte mit einfacher 
Inschrift gelegt. Später aber entspann sich ein Streit zwischen den gedachten 
Akademien darüber, daß jenes Grabmal vem Ruhme des großen Gelehrten 
nicht entsprechend sei; und beide Gesellschaften haben vereint erst vor drei 
Jahren ihrem Mitgliede ein anderes prachtvolles Denkmal von polirtem 
Granit errichtet, welches sein Neliesbild in weißem Marmor und eine latei- 
nische goldene Inschrift enthält, die er selbst verlangt haben muß, da sie 
folgendermaßen lautet: 
P. S. P, Per multas terras jactatus ut naturam rerum indagaret 
hie tandem requiescit. Cippum titulumque ab ipso jussum academiae 
berolinensis et petropolitana posuerunt MDCCCLIV. 
An ver östlichen Mauer des Kirc<hhof-8 finden wir zweitens eine Ge- 
venktafel für den trefflichen Musiker, den Stifter der hiesigen Singakademie, 
Carl Fas<. Er starb schon im Jahre 1800. Das Denkmal besorgten 
seine Freunde und bezeichneten die Marmortafel mit den schönen, für ihn so 
passenden Worten aus Psalm 49: I< harrte ves Herrn und er neigte sich 
zu mir und hat mir ein neu Lied in meinen Mund gegeben, zu loben un- 
sern Gott.“ 
Wir finden auf diesem Kirc<hofe ferner aus neuerer Zeit das Grab des 
ehrwürdigen Theologen August Neander. Er war bis zu seinem 1850 
erfolgten Tode 30 Jahre lang eine Zierde der hiesigen Universität, und sein 
Buch über vie Kirc<hengeschichte ist ebenso ein Werk eifrigsten Forscherfleißes, 
als innigster Frömmigkeit.“ Der Mann war die Liebe selbst, gab, was er 
um und. an sich hatte, an Bedürftige. Die Stadt Hamburg, aus welcher 
er gebürtig war, haite ihm einige Wohlthaten erwiesen, und nach dem großen 
Brande derselben, im Jahre 1842, schenkte er 1000 Thaler dahin. Uriprünglid) 
Israelit, hatte er das neue Testament zu studiren angefangen, um es zu wi- 
verlegen, aber ergriffen von vem Wort der Wahrheit und des Lebens, ward 
er Christ und hat zur Chre des Herrn gewirkt wie ein Johannes. Sein 
Grabmal ist eine aufrechtstehende Marmortafel mit seinem Meliefbilde von 
Drake. Neben ihm ruht seine Schwester, die ihm treulic) zur Seite stand 
und die äußeren Verhältnisse des Bruders, welche diesem über seinen Studien 
und seinem Leben in Gott etwas fremd waren, verständig ordnete. 
Auf einem zweiten Kirc<hhofe ruhen die irdischen Ueberreste ver Schau- 
spieler Fle> und Iffland, sowie ver Schauspielerinnen Bethmann und 
S<rö>. Sie alle nahmen es mit ihrer Kunst ernst und hielten noch va- 
für, daß sie im Stande sei, vem Leben einen Spiegel vorzuhalten, darin es 
sich selbst erkennen und verbessern könne. Iffland ist außerdem als drama- 
tischer Schriftsteller im Fache des bürgerlichen Schauspiels bekannt und be- 
liebt. Er starb im Jahre 1814, Fleck schon 1801. Diesem Letzteren dient 
ein Würfel von Marmor, auf dem eine Urne mit ven Masken ver tragi- 
schen und komischen Muse steht, zum Grabmal. Eine Inschrift anjenem
	        
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