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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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stet, "„ monnaie fait tout*, gilt 'no<Mm heute in ven Zelten sowohl, wie 
anderswo. 
Zwischen ven Zelten und der Stadt lag der Erercierplatz mit reinem 
Sandboden, von 2000 Schritt im Umfange, auf welchem Pferde getummelt 
und kleine Manoeuvres abgehalten wurden. Auf Befehl Sr. jetzt regierenden 
Majestät hat der Gartendireetor Lenns6 denselben in große Rasenstücke ver- 
wandeln, und im Westen und Osten mit Bäumen und Gebüschen verzieren 
lassen. Gegen die Zelte hin nimmt das große Kroll'sche Bergnügungs- 
[lokal vie ganze Breite des Platzes ein. Vor einigen Jahren brannte das- 
selbe ab, ist aber vollständig wieder hergestellt. (Es enthält ven größten 
Gesellschaftssaal, der für die reiche Berliner Welt vorhanden ist. Ihm gegen- 
über, parallel mit der Stadtmauer, erheben sich drei Gebäude, durch Bogen- 
lauben verbunden. In dem einen wohnt der Maler, Professor von Cor- 
nelius, in einem andern befindet sich eine schöne Gemäldegallerie. Die 
prächtigen Häuser im Nord-Osten des Plaßes, so wie die ver Schifferstraße, 
sind auch erst während der Regierung Sr. Majestät des Königs Friedrich 
Wilhelm 17. entstanden. Auf der Südseite des Thiergartens hatte schon zur 
Zeit Friedrich des Großen der Hofjäger sein Gehöft zu einem Vergnü- 
gungslofal für die Berliner eingerichtet; ebenso war an der Stelle des heutigen 
Kemperhofs der Richard'sche Garten vem Publikum geöffnet. Zwischen diesem 
und dem Hofjäger ist seitvem eine Reihe ver herrlichsten Landhäuser von 
reichen Berlinern erbaut worden. Eins derselben in der Nähe des Hofjägers 
gehörte dem berühmten Schauspieler Iffland, der als königl. Theater- 
director im Jahre 1814 starb. Ein anderes, näher an der Stadt, bot vor 
wenigen Jahren dem Vorübergehenden einen durchaus wüsten Anbli>k var. 
Die Fenster waren bis auf eins mit Läden verschlossen; auf dem sandigen 
Vorplate durfte kein Hälmc<hen keimen, an den Seiten starrten vie weißen 
Wände von Stallgebäuden empor. In dem sonst stattlichen Hause wohnte 
eine unglüliche, sc<wermüthige Frau, welche diese Umgebung ver Wohnung 
ihrem Gemüthszustande entsprechend fand. 
Der Park zwischen diesen Häusern und der Charlottenburger Chaussee 
ist von Gräben durchzogen, welche an mehreren Stellen überbrückt sind und 
Inseln. bilden. Das Mitgefühl ver Berliner mit dem Schisale ves be- 
rühmien französischen Philosophen Rousseau, ver im Jahre 1778 auf einer 
Insel zu Ermenonville bestattet wurde, weil man ihm in geweihter Erde kein 
Grab vergönnen wollte, hat die eine Insel Rousseau's-Insel benannt, 
Eine andere erweckt in uns theure Erinnerungen. Sie liegt am Wege nach 
vem Hofjäger ,' heißt Louiseninsel und trägt ein bescheidenes Marmor- 
venkmal zu Ehren der am 19. Juli 1810 verstorbenen unvergeßlichen Königin. 
Dasselbe ist auf Kosten der Thiergartenbewohner errichtet, und die Insel er- 
scheint jährlich nach der Jahreszeit im schönsten Blumenschmuck. 
Hinter derselben im Walde erhebt sich auf einem Fußgestell in Säulen- 
form das Standbild Sr. Majestät des hochseligen "Königs
	        
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