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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August (Public Domain)

zu Genua starb. Sein Leichnam wurde durc< Berlin, wo Verehrer und 
Freunde den Sarg empfingen und geleiteten, nach dem Gute Neu-Harden- 
berg gebracht, das ihm der König nebst vem Fürstentitel nach den Freiheits- 
friegen verliehen hatte. In der Kirche der Dorotheenstadt aber haben ihm 
Freunde das gedachte Denkmal errichtet. Auf einem Würfel von schwarzem 
Marmor mit einfacher Inschrift steht die Marmorbüste des Staatsmannes, 
in deren Zügen Weisheit und Entschlossenheit zu lesen. sind, wie sie nur 
durch tiefe Studien und lange Erfahrung erworben werden. Er war auch 
ein Freund der Wissenschaften und Künste und hat durc< Unterstüßung von 
Gelehrten und Künstlern sich mittelbar auch um unsere Stadt verdient gemacht. 
Das Brandenburger Thor, durch welches man nach dem Thier- 
garten gelangt, ist eins der schönsten Bauwerke Berlins und der Welt. 
Leider macht es den früheren, großartigen Eindru> nicht mehr, seitdem zu 
beiden Seiten von Privatleuten Gebäude aufgeführt sind, die dasselbe über- 
ragen. Sonst hatten um den Pariser Platz her alle Häuser nur zwei Sto>- 
werke- und Mansarven-Dächer. Das Thor ist in den Jahren 1789--1793 
vom Baumeister Langhans mit einem Kostenaufwanve von einer halben 
Million erbaut, 195 Fuß breit, und besteht nach dem "orbilde der Propy- 
läen bei Athen aus fünf hohen Portalen, die durch gewaltige, dorische Säulen 
von 44 Fuß Höhe und zwischen denselben aufgeführte Mauern getrennt sind. 
Diese tragen einen prächtigen Oberbau, dessen Mitte in Stufen emporsteigt; 
zu beiden Seiten des Thores befinden sich Wache und Zollhaus mit niedri- 
geren Säulengängen, an deren Enden zur Rechten und Linken der äußern 
Durchgänge in Nischen die Bildsäulen des Mars und der Minerva stehen. Die 
Zwischenwände des Thors sind mit Reliefs geschmückt, welche die Thaten des 
Herkules vorstellen; am Gesims aber sieht man Centauren mit ven Lapithen 
im Kampfe. Die schönste Zierde des ganzen Baues bildet jedoch ein Vier- 
gespann vor einem antiken Kriegswagen, auf dem eine kolossale Victoria steht. 
„Liebeken, können Se mich nich sagen, was des da uf des Dor vor ene 
Puppe 18?“ fragte jene Landfrau eine Berliner Obsthändlerin unter den 
Linden. „Na, wat wird et sind!“ antwortete diese; „alte römische Geschichten, 
siebenjähriger Krieg, Kurfürsten von Brandenburg, des is es.“ =- Es ist 
aber, wie gesagt, eine Siegesgöttin, welche König Friedrich Wilhelm Il. nach 
zwei gegen die französische Republik gewonnenen Schlachten im Jahre 1794 
nebst der Quadriga auf das neu erbaute Thor setzen ließ. Das plastische 
Kunstwerk ist von vem Bildhauer Schadow modellirt und aus Kupfer ge- 
trieben. Im Jahre 1807 ließ ver Kaiser Napoleon, da er sich als Sieger 
in Berlin befand, dasselbe herabnehmen und nach Paris bringen. Kurz vor 
vem Freiheitskriege kam der Professor Jahn auf einem Spaziergange durch 
dies Thor herein und sah einen Knaben gleichgültig nach demselben hinauf- 
sc<auen. = „Was hat da oben gestanden ?“ fragte er. „Ein Siegeswagen“, 
war die -Antiwort. „Was denkst Du Dir dabei?" = „Nichts“. =="'Der 
Professor gab ihm eine Ohrfeige und spra<: „Du sollst Dir dabei denken
	        
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