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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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die Figur des jüngeren Fürsten von Anhalt-Dessau. Die Gruppe nach den 
Linden wird die Gelehrtengruppe genannt. In ihrer Mitte sizt auf einem 
Stuhle der Kanzler Carmer, ein Buch auf vem Schooße, das vie von ihm 
herrührende Gesezsammlung enthält; hinter ihm steht ver Kapellmeister Graun, 
eine Nolle in der Hand, auf dex man die Worte: „Der Tov Jesu“ liest. 
Zu seiner Linken sind die Philoswyhen Lessing und Kant im Gespräch be- 
griffen; zur Rechten stehn zwei Minister Friedrich des Großen, die Grafen 
von Finkenstein und von Schlaberndorf. 
Am 31. Mai 1851 wurde dies herrliche Denkmal feierlich enthüllt. Eine 
schöne Draperie umgab dasselbe; vom Brandenburger Thore bis zum Schlosse 
waren die Garderegimenter in Parade aufgestellt. . In der Nähe ves Denk- 
mals erhoben sich Tribunen, von Zuschauern und Zuschauerinnen dicht be- 
seat. Um 19 Uhr bewegte sich vom Schlosse ber ein feierlicher Zug sämmt- 
licher in 'Verlin anwesender höheren Beamten, Künstler und Gelehrten, den 
Meister Nauch an der Spike, gegen das Denkmal hinz; vor demselben 
standen die Minister und die Häupter ver Verwaltung. Als Alles vorbe- 
reitet war, erschien Se. Maj. ver König mit den Prinzen des Hauses, vielen 
hohen Gästen und einem zahlreichen Gefolge zu Pferde. Der Premier- 
Minister van Manteuff-l las eine kurze „Anrede an Se. Majestät, an 
deren Schluß er Allerhöchstdieselben ersuchte, den Befehl zur Enthüllung des 
Monuments 21 aeben. Der König wandte sein Pferd, zog den Degen, 
kommandir:2 je1bst: „Achtung!“ nach ihm die einzelnen Befehlshaber; die 
Trupyen vrägentirten, die Mustk<öre spielten den vom großen Könige.com- 
ponirten *arsh, Kanonen donnerten. darein, die Verhüllung fiel,. und. das 
herrliche Standbild strahlte im Goldglanz des Erzes der bewundernden Menge 
entgegen. Nach Beendigung der militairischen Ehrenbezeugungen sang der 
in der Nähe aufgestellte Domc<or unter Instrumentalbegleitung und dem 
fortwährenden Donner ver Kanonen das nac< der. Schlacht bei Leuthen für 
Preußen historisch gewordene Lied: „Nun danket alle Gott,“ und alle An- 
wesenden stimmten ein. Darauf folgte eine Parade der Truppen, die an dem 
Standbilde vorüberzogen, während welcher ver Nachbar ves Verfassers. dieses 
Buches auf der Universitäts-Tribüne, ein Fremder-aus Hannover, mehr als 
einmal ausrief: „Preußen kann doch. stolz sein auf sein Militair.“ Nach 
ven Truppen zogen die Gewerke an dem Könige vorüber, doch machte dieser 
Aufzug leider den bedeutenden Eindruck nicht, den ein ähnlicher bei dem Ein- 
zuge des regierenden Königs nach seiner Huldigung in Königsberg gemacht 
haite. Damals war jede Innung vollständig vertreten und zog in schönstem 
Schmucke einher. Jetzt aber hatte ein leidiger Zwist die meisten Handwerks- 
genossen abwendig gemacht und die, welche erschienen waren, stachen gegen 
vie. herrlichen Truppenmassen bedeutend ab. Dicht um das Denkmal hatte 
man noch eine Anzahl Veteranen aus den Zeiten .des großen Königs ver- 
sammelt und den Vedürftigen unter ihnen eine neue.anständige Kleidung 
geschenkt. Cin wohihabenver Berliner, ehemaliger Ziethen'scher Husar war
	        
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