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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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bie metallne Reiterstatue König Friedrich ves Großen auf 
22 Fuß hohem, gleichfalls ehernem Fußgestell, das wiederum no< auf brei 
mächtigen Stufen von polirtem Granit ruht. 
Man mußte sich länge Zeit wundern, daß dem größten Könige Preußens 
in seiner Hauptstadt kein Denkmal gesezt wurde, selbst nachdem andere 
Städte, z. B. Stettin, mit gutem Beispiel vorangegangen waren. König 
Friedrich Wilhelm U1. hatte schon früh ven Entschluß gefaßt, vem Ahnherrn 
vie gebührende Ehre zu erweisen, aber erst sieben Tage vor seinem Tode, 
am 1. Juni 1220 wurde der Grundstein gelegt: Der Tag vorher war ver 
hundertste Gedächtnißtag ver Thronbesteigung Friedrich ves Großen; aber 
der König ordnete den folgenden Tag für die Grundsteinlegung an, weil er 
den Sterbetag eines Vorfahren nicht festlich begehn wollte. Was lange 
währt, wird gut. Die Statue selbst ist auf das Herrlichste gelungen. Sie 
stellt auf einem starken edlen Rosse ven Monarchen als den alten Fritz, wie 
er noch hin und her .in der Erinnerung der Aeltesten im Volke lebt, mit 
vem bekannten dreieckigen Hute dar. Weisheit und Heldenkühnheit strahlt 
aus der edlen Stirn und den großen Augen, der aebeugte Nacken ist durch 
ven übergeworfenen Fürstenmantel in genialer Weise bede>t. Darunter trägt 
der König eine prächtig gestickte Uniform, aber an seiner linken Seite hängt 
neben dem Degen der Krücksto>, dessen er sich in seinem Alter bediente, 
Das Fußgestell besteht aus drei Theilen, einem Sockel, auf dessen broncenen 
Tafeln viele Namen der berühmtesten Zeitgenossen des Königs eingegraben 
sind, einem hohen Unterbau mit Reliefs aus der Kriegsgeschichte ves Mo- 
narchen, und einem zweiten. Absatz darüber, an dessen E>en die vier Cardinal- 
tugenden der Alten: die Wahrheit, Gerechtigkeit, Mäßigkeit und Tapferkeit, 
in allegorischen Figuren, sitzend dargestellt sind. Dazwischen sieht man in 
je drei Abtheilungen zu beiden Seiten Scenen aus dem Leben des Königs 
en relief abgebildet; vorn den besiegten Helden von Kollin auf der Brunnen- 
röhre sizend und Tiguren im Sande zeichnend. Eine vorzügliche und in 
ihrer Art einzige Zierde verleihen dem Ganzen die 25 freistehenden lebens- 
großen Figuren zu Roß und zu Fuß, welche den mittleren Theil des Fuß- 
gestelles umgeben. An ven Eden springen vier Reiterstatuen hervor, vorn 
nach ver Seite des Opernplaßzes die des Prinzen Heinrich, Bruders des 
Königs, nach der Universität zu die des Herzogs Ferdinand von Braunschweig, 
ves Schwagers des Königs, der als Feldherr im 7jährigen Kriege, wie der 
Monarch sagte, allein keinen Fehler gemacht hat. Nach ven Linden zu reitet 
gegen die Akademie hin ver Reiterfelbherr Seidlit, und auf der andern Seite 
ver Husarengeneral Ziethen hervor. An der vordern Seite des Denkmals 
steht in der Mitte der älteste Bruver ves Königs, Prinz August Wilhelm, 
zu beiden Seiten je zwei hohe Officiere, die in näherer Beziehung zum Könige 
gestanden haben. Die mittlere Figur auf ver Seite der Universität ist vie 
ves Generallieutenant8 von Winterfeld, der ven Operationsplan zum 7jährigen 
Kriege in der Hany hält. Auf der entgegengeseßten Seite steht in ver Mitte
	        
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