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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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stimmung gehabt, vem SchiFfale Preußens zur Zeit vie 'entscheibende Wen- 
dung zu geben. | 
Hans David Ludwig von York, Graf von Wartenbürg, aus 
einem altadligen Geschlec<te Englands, war zu Königsberg in Preußen am 
26. September 1759 geboren, trat sehr jung in die Dienste Friedrich des 
Großen, mußte aber wegen Insubordination diese verlassen und in holländische 
treten, die ihn nach Ostindien und dann nach dem Cap der guten Hoffnung 
führten, welches er verließ, um ein Mädchen, das ihn liebte, einem begü- 
terten Gatten zu überlassen. Erst nach Friebrich des Großen Tode durfte 
er wieder in das preußische Heer eintreten und diente im unglücklichen Kriege 
von 1806 und 1807 als Oberst. 1812 führte 2x als Generalmajor vie 
preußischen Hülfstruppen unter Napoleons Oberbefehl gegen die Russen än, 
und schloß den 30. December nach dem unglücklichen Rükzuge der großen 
Armee auf eigene Gefahr die denkwürdige Convention zu Tauroggen mit 
ven Russen ab, wodurch vem Vaterlande zwanzig tausend bewaffnete Krieger 
erhalten blieben und ver Bruch mit ven Franzosen vorbereitet wurde. Im 
Freiheitskriege kämpfte er unter Blücher, bewirkte am 3, October 1813 
glücklich ven. blutigen Uebergang über die Elbe bei Wartenburg und stegte 
am 16. October bei Leipzig. Auch in Frankreich kämpfte er tapfer und er- 
folgreich und zo0g als Sieger mit in Paris ein. Den zweiten Feldzug hat 
er nicht mitgemacht, sich später mit vem Range eines Felbmarschalls auf 
seine Güter zurückgezogen und ist am 4, October 1830 gestorben. 
Das Standbild des Generals Grafen von Gneisenau zeigt in 
merkwürdiger Uebereinstimmung mit demjenigen des Generals Seiblitz auf 
vem Wilhelmsplae die Haltung eines kommandirenden Feldherrn; er ist 
jedoch im Freiheitsfriege mehr der taktische Rathgeber Blüdrers gewesen, 
nachdem er sich schon im Jahre 1807 bei der Vertheidigung der Festung 
Colberz auspezeichnet“ hatte. Blücher erkannte sein Verdienst in Anord- 
nung ver Schlachtpläne so vollkommen an, daß er einst in einer Gesellschaft, 
in welcher Beide zugegen waren, die räthselhafte Frage aufwarf, wer von 
ven Anwesenden seinen Kopf küssen könne, dann auf Gneisenau zuging 
und ihn umarmte. In einer andern Gesellschaft zu Hamburg, wo man den 
Fürsten wegen seiner Verdienste in den Freiheitskriegen überschwänglich lobte, 
sagte dieser: „Was hat's denn gethan ? Gneisenau's Klugheit, meine Ver- 
wegenheit und des großen Gottes Barmherzigkeit." Gneisenau war es 
auch, der im Kriegsrathe 1814 vorzüglich zu dem Entschlusse getrieben hatte, 
troß ver gefährlichen Operationen Napoleons, im Rücken der Verbündeten 
kühn auf Paris loszugehn. Er wurde später Gouverneur von Berlin, erhielt 
von dem hochseligen Könige, der ihm freundschaftlich zugethan war, die 
Würde eines Feldmarschalls und starb an der Cholera am 23. August 1831 
im 71. Jahre seines Alters, an der Grenze von Polen, wohin er zur Beobach- 
tung ver damaligen Insurrection' in diesem Lande gesandt worden wär. 
Vor den Linden steht vas großartigste Denkmal Berlins und der Welt,
	        
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