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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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Der Garten war im holländisch - französtschen Geschmac> mit Blümen- 
beeten ,"verschnittenen Hecken, Statuen mit Springbrunnen geziert, welche 
letztere aus einer Wasserleitung gespeist wurden, deren Reservoirs sich auf 
dem erwähnten Münzthurme und später auf vem Schloßdache befanden. 
In diesem Garten hat der große Kurfürst mit seinem Hofe manche Kurz- 
weil gehabt und sein Nachfolger ihn gleichfalls in gutem Stande erhalten. 
Friedrich Wilhelm I. aber, nach seiner Sparsamkeit und seiner Freude an 
militairischen Uebungen, ließ ven Garten in einen Parade“'aß verwandeln, 
so daß er nichts als eine Sandebene bot, vie gegen das "asser hin mit 
Reihen von Kastanienbäumen, nach vem Schlosse und vem Dome zu aber 
mit Vaypeln umgeben war. Die lebenskräftigsten dieser Pappeln sind vor 
&D9 ahren an vie Seite ver Domkirche verpflanzt worden, aus welcher Zeit 
gleichfalls die drei Platanenreihen vor der Schloßapotheke herrühren. Da- 
mals mußte auch die Marmorstatue ves Feldmarschalls Fürsten Leopold 
von Anhalt-Dessau , welche ver hochselize König in seinen ersten Regie- 
rungsjahren unter den Pappeln des Lustgartens , vem mittleren Portal des 
Schlosses gegenüber, hatte errichten lassen, nach vem Wilhelmsplatze aus- 
wandern. 
In den unglücklichen" Jahren zwischen 1807 und 1812 ist ver Luüst- 
garten auch einmal ein Kornfeld gewesen. Ein ökonomisch gesinnter Kom- 
mandant ließ ihn bedüngen und Roggen darauf säen, so daß man von der 
Pomeranzen- nach der Hundebrüe quer durch den Lustgarten, der seinen 
Namen nicht abgelegt hatte, zwischen wallenden Kornähren dahin wandeln 
konnte. 
Als das Museum erbaut war, erhielt der Lustgarten seine Zegenwär- 
tige Gestalt. Er ist rings mit Kugelakazien umgeben und in sieben Rasen- 
plätze getheilt, die mit Rosenhecken eingefaßt sind. In der Mitte befindet 
sich ein großartiger Springbrunnen, der bei stillem Wetter einen einzigen 
mächtigen Wasserstrahl hoch empor sendet, bei unruhiger Luft aber in man- 
nichfaltigen Fächergestalten springt. Sein Wasser und seine Steigkraft er- 
hält er durch eine Dampf-Druckmaschine, die in einem kleinen Hause, nahe 
der Friedrichsbrücke am Wasser aufgestellt ist. Dicht vor der Freitreppe 
ves -Museums ist eine ungeheure Granitschale aufgestellt, die aus einem 
großen Granitblocke, welcher bei Fürstenwalde in ven sogenannten Rauen- 
schen Bergen lag, gefertigt und mit großer Kunst polirt worden. No< 
liegt ein "ähnlicher Stein dort, und wurden die beiden die Markgrafensteine 
genannt. Schade, daß die Schale bei der Bearbeitung einen Riß bekom- 
men; sie würde sonst nicht von vier Granitblöcken gestüßt zu werden brauchen, 
sondern auf einem einfachen Untersaze stehen können und wirklich den An- 
blik einer Niesentrinkschale darbieten. 
Wir treten, ehe wir über die Schloßbrücke gehen, noch in die Doi 
kirche ein, um am nördlichen Ende ves Hauptschiffes das in Erz" ge- 
gossene Denkmal des Kurfürsten Johann Cicero zu bewundern,
	        
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