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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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sie erst vor nicht langer Zeit zugemauert sind. Ein Burgverließ mag hier 
vielleicht gewesen sein, aber die eiserne Jungfrau hat nicht existirt. 
No< ein anderer dieser alten Thürme hat indeß bestimmt zum Ge, 
fängniß gedient und wegen der Farbe seines Daches der grüne Hut ge- 
heißen. Erst der große Kurfurst hat dies Gefängniß aufheben lassen, da er 
nicht mit Verbrechern in einem Gebäude wohnen wollte. 
Die zweite Sage ist die von der weißen Frau, einem Gespenst, 
vas beim Tode unserer Fürsten auf dem Schlosse erscheinen soll. Zuerst 
ist von ihr die Reve beim Ableben des Kurfürsten Johann Georg. Dieser 
hatte eine Freundin seines Vaters, die schöne Gießerin genannt, weil ihr 
Mann ein Metallgießer war, nach dem Heimgange Joachim 71, auf die 
Festung bringen lassen, und nun meinte das Volk, ihr Geist habe den Kur- 
fürsten in seinen letzten Lebenstagen durch Umgehen auf dem Schlosse zu 
sc<re>en gesucht. Da die weiße Frau aber beim Tode des Kurfürsten Jo- 
hann € igismund, so wie des großen Kurfürsten und ersten Königs, auch 
wohl später wieder gesehen worden, so hat man eine andere abergläubische 
Vermuthung: Eine verwittwete Gräfin von Orlamünde liebte ven Burg- 
grafen Albrecht den Schönen von Nürnberg und wünschte seine Gattin'zu 
werden, glaubte aber, daß ihre beiden Söhne aus der frühern Ehe ein 
Hinderniß für die Erfüllung ihres Wunsches wären, und tödtete die armen 
Kinder. Tor Burggraf verschmähte ihre Liebe nun um so mehr und sie 
starb in Verzweiflung. Deshalb, meint man, sei es ihr Geist, der bei dem 
Tode "ohenzollernscher Fürsten im Schlosse als weiße Frau spuke. Viel- 
leicht ist die weißgekleidete Westalt eines Frauenzimmers, das in Folge eines 
Liebeshandels die Gänge ves Schlosses bei nächtlicher Weile zu einer Zeit 
durchstrich, wo ein Fürst sterben sollte , vie Veranlassung zu vem Mährchen 
geworden. 
Der Lustgarten hat seine eigenthümliche Geschichte. Da, wo er 
zwischen dem untern Theile ver beiden Spreearme liegt, war bis zum 
Jahre 1573 ein wüster Sumpf. Kurfürst Johann Georg ließ diesen aus- 
tronen und einen Küchengarten hier anlegen. Im 30jährigen Kriege ward 
dieser zerstört und erst der große Kurfürst machte einen schönen Lustgarten 
aus dem, mit Gestrüpp wild überwachsenen Fle>e. Es wurde ein Graben 
von dem einen zum andern Spreearm als nördliche Grenze des Gartens 
gezogen, ein halbkreisförmiges Haus, davon jeßt nur noch ein Theil steht, 
der bald abgebrochen werden wird, zur winterlichen Aufbewahrung von 
Orangenbäumen und ein geräumiges Lusthaus erbaut, an dessen Stelle 
später vie Börse trat. Dicht bei derselben führte über vas Wasser eine 
Brücke, die Pomeranzenbrücke genannt, weil die Orangenbäume über sie 
hingefahren wurden; Graben unv Brücke sind erst seit etwa dreißig Jahren 
verschwunden. In der letzten Zeit hatte an der Sübseite verselben der 
neue Packhof gelegen und das Orangenhaus zur Aufbewahrung von Kauf- 
mannsgütern gedient.
	        
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