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Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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3) sie sollen schaffen , daß der Altar, das Kreuz und das Licht bereit 
sei de8 anderen Tages nach unserer Frauentag Wurzmesse, (also 'am 
16. August), und sollen an demselben Tage das Andenken des Propstes 
begehen , überall in Verlin und in Kölln mit Vigilien und Seelen- 
messen ; 
1? ber Bischof soll die ganze Angelegenheit, den Propst betreffend, auf 
sich nehmen, und die Bürger ihm dafür geben 750 Mark, das sind 
nach unserem Gelde 16.3124 Thlr. 
So konnte denn am 16. August, das ist am Tage nach Mariä Himmel- 
fahrt des Jahres 1335, nach zehnjähriger Buße zuerst wieder öffentlicher 
Gottesdienst in Berlin und Kölln gehalten werden, und unsere liebe Stadt 
scheint dadurc< in einen wahren Freudentaumel versezt worden zu sein, denn 
wir hören von den ausschweifendsten kirchlichen und öffentlichen Festen, welche 
darauf folgten. Die päpstliche Absolution ist jedoch nach der oben theilweis 
angeführten Urfunde erst 1344 ertheilt worden. 
Das Kreuz mit der Lampe hat ursprünglic< auf ver Stelle gestanden, 
wo im Jahr 1725 das jetzige Küsterhaus erbaut worden. Damals wurde 
es ungefähr 15 Schritte von der Kirc<thür, grave vor den Eingang der 
kleinen Gasse, gesetzt, die zu diesem Portal der Kirche führt, und ist erst in 
neuerer Zeit dicht an die Thurmwand gerückt worden. . Einige Autoren sind 
der Meinung, daß dasselbe an der Spandauer - und Papenstraßene>e ge- 
standen habe, wo bis vor 25 Jahren sich eine Schmiede befand, deren In- 
haber allerdings vom Volke der Lampenschmidt genannt wurde, auch ist beim 
Neubau des EK>hauses im Jahre 1794 eine alte Lampe, tief im Keller ver- 
borgen, gefunden worden. Das muß aber eine andere Lampe gewesen sein, 
als jene, welche an dem gedachten Kreuze Jebrannt hat. Es standen vor 
Alters mehrere Klausen, Altäre und Heiligenbilder mit ewigen Lampen in 
unserer Stadt, und kann eine solche auc) wohl vor vem E>hause mit der 
Schmiede sich befunden haben. 
Wenn der ermordete Propst auch» Cyriacus genannt wird, so ist für 
diesen Namen gar keine urkundliche Begründung vorhanden. 
Treten wir nun in die Kirche noc< einmal ein, um uns nach Denk- 
mälern umzusehen, so finden wir deren daselbst nicht wenige von berühmten 
Verstorbenen, betrachten jedoch nur folgende näher: 
An der einen Seitenwand des hohen Chor8, vom Altar aus links, 
zeigen sich zwei mächtige Bildnisse von geharnischten Feldherren, deren jün- 
gerer der Marienkirche und unserer Stadt einen eigenthümlichen Dienst ge- 
leistet hat. (Es ist der kaiserliche und kurfürstlich brandenburgische Feld- 
marschall Graf Otto Christoph von Sparre, der im Jahre 1668 
verstarb, nachdem er das seinem Bilde gegenüberliegende Erbbegräbniß für 
seine Familie gestiftet. Als im Jahre 1661 ein Blitstrahl ven Marienthurm 
getroffen und dieser in hellen Flammen stand, ließ er ihn mit großer Kühn-
	        
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