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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August (Public Domain)

- 1411 
Aber so lautet es in ver Urkunde, welche nach 19 Jahren die Berliner, 
die so schwere Schuld auf sich geladen hatten, von vem päpstlichen Zorn 
lossprach : „Clemens, Bischof, Knecht ver Knechte Gottes, vem ehrwürdigen 
Bruder, Bischofe von Brandenburg, heiligen und apostolischen Segen! Es 
ist uns von Seiten der Gemeinheit aller Männer und Weiber ver Städte 
Berlin und Kölln Deiner Brandenburgischen Didcese eine Bittschrift über- 
reicht worden, enthaltend, daß, da sie weiland schwere Kriege und Zwietracht 
mit verschiedenen Fürsten und andern Edlen von deren Partei gehabt haben, 
auch ein gewisser Priester, Propst der Kirche in Bernau, besagter Divcese, 
in die Wohnung ves Propstes der vorgenannten Stadt Berlin gekommen 
sei. Viele aus besagter Gemeinheit und einige andere fremde Menschen, 
welche daselbst wegen des Jahrmarktes zusammen waren, da sie den Propst 
Nicolaus wegen dieser Kriege und Zwietrachten gar sehr in Verbacht hatten- 
daß er ihre Feinde begünstige, wälzten sich anschwellend , von einem teufli- 
schen Geiste befeuert, mit bewaffneter Hand feindlich gegen die besagte Woh- 
nung, zogen den genannten Nicolaus gewaltsam daraus hervor, und ver- 
brannten ihn im Ungestüm der Wuth öffentlich in der Brunst des Feuers.“ 
Die Städte Berlin und Kölln waren bald nach der entsetzlichen That 
von dem Bischofe zu Brandenburg, zu dessen Sprengel ste, wie auch die 
Stadt Bernau gehörten, mit Bann und Interdict belegt worden. Das war 
eine schreckliche Strafe für eine <ristliche Gemeinde. Wo sie verhängt war, 
hörte alles GloFengeläut, aller kirchlicher Gesang, aller öffentlicher Gottes- 
dienst auf. Es ward außer Taufe und Firmelung kein Sacrament verwaltet, 
fein Todter in geweihter Erde bestattet. Das würden unsere frommen Vor- 
fahren gar nicht ertragen haben, zumal der Bruder des Ermordeten, Pfarrer 
Heinrich zu Eberswald2, den Bischof fortwährend zu größerer Strenge an- 
trieb, wenn nicht zur Zeit ven bedeutenderen Mönchsorden Invdulgenzen ver- 
stattet gewesen wären. So mögen wohl die Franziskaner in Berlin Messen 
gelesen, Ehen eingesegnet und andere geistliche Handlungen verrichtet haben. 
Allein der Bann drückte doch schwer auf dem Gewissen, und Nath und 
Bürgerschaft der beiden verbundenen Städte thaten alles Mögliche, um ven 
Zorn ves Bischofs zu Brandenburg und des Papstes »u beschwichtigen. 
Dieser Letztere residirte damals zu Avignon, und der Rath zu Berlin und 
Kölln ließ es sich große Summen kosten, dort einen Gesandten, ven edlen 
Berndt von Zudven zu erhalten, der wiederum durch Geldspenden die 
hohe Geistlichkeit bewegen sollte, den Städten zur Lossprechung behülflich 
zu sein. Endlich kam mit dem Bischof zu Brandenburg am 1. Juli 1335 
ein Vergleich zu Stande, nach welchem die Berliner und Köllner Bürger- 
schaft sich zu folgenden schweren Bußen verpflichtete : 
1) Sie sollen für des Propstes Seele einen Altar in der Marienkirche 
errichten ; 
2) sie sollen ein fteinernes Kreuz, zweier Faden hoch, an vie Stelle 
sezen, da er getödtet ward, und sollen darauf ein ewiges Licht halten;
	        
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