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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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betasten lassen, weil daran noch eine Verbesserung nöthig sei. Da hätte er 
venn mit einem Dru das Werk zerstört und seitdem schwiegen die Löwen. 
Die Jüdenstraße, sowie der große und kleine Jüdenhof haben ihren 
Namen daher, daß früher dort allein Juden wohnen durften. 
Wenden wir uns von der Klosterstraße nach der Marienkirche, um 
durch die Thür unter dem Thurme noch einmal in dieselbe einzutreten, so 
bemerken wir, außen an der Thurmwand links, ein freistehendes etwa 5 Fuß 
hohes aus Granit gehauenes altes Kreuz, in welchem da, wo der Stamm 
und die Arme sich kreuzen, fünf Löcher sich befinden. In denselben war 
früher ein Gestell befestigt, das eine Lampe trug. Dieses Kreuz ist das 
älteste Denkmal in Berlin, und die geschichtliche Begebenheit, an welche es 
erinnert, war zu ihrer Zeit höc<st unheilvoll für die Stadt. Die verschie- 
vensten Schriftsteller baben die Sache verschieden dargestellt. Es sei hier 
gewagt, das Bewährteste festzustellen. 
Nach vem Iove des letzten Markgrafen von Brandenburg aus dem 
Hause *lscanien, Heinrich, vem Vetter des trefflichen Waldemar, 1320, hatte 
Kaiser Ludwig von Deutschland seinen gleichnamigen Sohn mit der Mark 
Brandenburg belehnt und die Märker, auch Berlin und Kölln, hatten ihm 
gehuldigt. Aber >er ränkevolle Herzog Rudolf von Sachsen gedachte die 
Mark mit seinem “rzogthume zu vereinigen und hatte eine Partei in unsern 
Marken, „die Welfische“ genannt, besonders unter den Geistlichen, weil 
Kaiser Ludwig zu jener Zeit im Banne war. Sonst war diese Partei nur 
klein und das Volk haßte Rudolph, ven man sogar in Verdacht hatte er 
hetze die Polen auf, welche im Jahre 1325 einen schrecklichen Raubeinfall 
in tie Länder an der Oder machten, so daß auch viele von den armen, aus- 
geplünderten Flüchtlingen sich nach Berlin retteten. Die kamen am 13. Juni, 
als am Jahrmarktstage nac) vem Frohnleichnamsfeste, in unserer Stadt an 
und erregten im Volke tiefes Mitleid, zugleich aber auch großen Zorn gegen 
Herzog Rudolvh und seine Anhänger. Nun war einer derselben, der Propst 
Nicolaus von Bernau, bei seinem Berliner Amtsgenossen eben zu Gast 
und das aufgeregte Volk ward zur Wuth gegen ihn erhitzt, indem man wehl 
gar andeutete, der Nicolaus sei mit schuld an dem Raubanfalle der Polen. 
Da drang ein wilder Haufe in die Berliner Propstei ein, die damals in 
ver Nähe dos neuen Marktes, in der Papenstraße, gelegen haben muß, riß 
ven unc lücklichen Nicolaus auf den Markt hinaus, und mißhändelte ihn 
sc<wer, ja die Wuth steigerte sich so, daß ver Mann erschlagen und sein 
Leichnam auf einem Scheiterhaufen von zusammengeschleppten Brettern ver- 
brannt ward. 
Einige Schriftsteller sagen, er habe in ver Marienkirche gegen den bai- 
rischen Markgrafen gepredigt; andere, er habe eine alte Schuld zurückgefor- 
vert, darüber sei Streit entstanden und ein unglücklicher Schlag habe ihn 
in der Kirche oder unter der Vorhalle ves Thurmes getroffen, worauf sein 
Leichnam auf dem Markte verbrannt worden sei.
	        
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