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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August (Public Domain)

Nachfolger Markgraf Otto's II]. ven Mönchen dazu schenkte. Es bieß nach 
ver Farbe der Kleidung jener Mönche das graue Kloster. Die Kirche ist 
vom Jahre 120 an erbaut, und schenkte ein Nitter Jacob von Nybede, 
der in der Nähe des Tempelhofer Berges eine Ziegelei und Feld mit guter 
Thonervde besaß, beides zur Errichtung derselben. In dem Gewölbe wurden 
Leichen. ver brandenburgischen Fürsten aus dem askanischen und dem bairi- 
schen Hause beigeseßt. In der Kirche finden wir als ältestes Denkmal 
einen Schild aufgehängt, zum Gedächtniß des Grafen von Hohenlohe, 
welcher im Jahre 1412 in einer Schlacht auf vem Cremmer-Damm gegen 
die Pommern und aufrührerischen märkischen Edelleute in Vertheidigung der 
Rechte des ersten hohenzollernschen Kurfürsten fiel. Ein anderes Denkmal 
und zwar vom Jahre 1575 ist das der zweiten Gattin des zu jener Zeit be- 
rühmten Gelehrten, Chemikers und Alchymisten, des Leibarztes Kurfürst 
Johann Georg's, Leonhardt Thurneisser. Er wohnte in dem Gebäude 
des Klosters, das damals schon aufgehoben war, und no< finden wir über 
einer Thür im Erdgeschoß des, dem Berlinischen Gymnasium gehörigen, 
Hauses eine Tafel zu seinem Gedächtniß, das schon darum nicht untergehen 
varf, weil er die erste große Buchdruckerei in Berlin angelegt hat. In dem 
gedachten Hause sehen wir auch den Speisesaal und andere Näume des Klosters 
no< erhalten. Sie werden seit 1826 zu Schulzwe>en benutzt und sind 
vamals auf Befehl König Friedrich Wilhelm 111. erneuert worden. 
Von dem Lagerhause wissen wir schon, daß es früher eine mark- 
gräfliche Residenz war; doch haben wir uns darunter keinen Prachtbau zu 
denken, welchen die älteren Markgrafen für sich in Berlin aufzuführen keine 
Veranlassung hatten, da sie nicht oft hier wohnten, sondern meist in der 
Altmark residirten. Dort hatten ste besonder8 in Stendal und Salzwedel 
ihre Wohnsitze, bis Kaiser Karl IV., bekanntlich zugleich Markgraf von 
Brandenburg, ein schönes Schloß in Tangermünde aufführen ließ, in welchem 
er wie seine Söhne, ja später auch Kurfürst Friedrich 1. gern wohnten. 
Der markgräfliche Wohnsitz in Berlin hieß „das hohe Haus". Ihm gegen- 
über lagen, Klosterstraße Nr. 35, die zum Schlojse gehörigen Wirthschafts- 
gebäude, der Marstall, die Küche u. f. w. Das Ganze hieß „ver alte mark- 
gräfliche Hof.“ Im Lagerhause befinden sich jezt mehrere Kassen - und 
Steuerbüreaus , aber auch im Hintergebäude, nach der neuen Friedrichstraße 
zu, das Atelier des berühmten Bildhauers Professor Rauch, der seit vierzig 
Jahren unsere Stadt mit den schönsten Bilbwerken, welche wir noch kennen 
lernen werden, geschmückt hat. 
An das Gebäude der Parochialkir<e knüpft sich eine eigenthümliche 
Sage. Die Spitze des Thurmes wird nämlich von vier ehernen Löwen ge- 
tragen und im Volke erzählt man sich, diese hätten Anfangs gebrüllt, wenn 
die Uhr die volle Stunde geschlagen. Man habe den Künstler, ver dies 
Wunderwerk verfertigt, geblendet, damit er ven Mechanismus desselben nicht 
verrathe; er habe darauf gebeten, man möge ihn nur noch einmal seine Arbeit
	        
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