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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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franke bestimmt waren. Der Geistliche an diesem Hospital hieß deshalb 
der Pestilenziarius, ebenso wie der vom St. Gertraudten-Hospital , welches 
ehemals dieselbe Bestimmung hatte. Diese beiden Geistlichen waren ur» 
sprünglich allein verpflichtet, die Pestkranken der Stadt mit dem Troste der 
Religion zu versehen, welcher Umstand im Jahre 1831, als die Cholera auch 
die Stadt Verlin heimsuchte, no< ein Mal, doch mehr im Scherze, zur 
Sprache kam, da unsere Geistlichen damals wie früher sämmtlich Glaubens- 
muth genug besaßen, um in ihren Parochien den an der Seuche Erkrankten 
den geistlichen Beistand zu gewähren. Die ehemals hölzerne Königsbrücke 
wurde erst unter König Friedrich dem Großen von Stein erbaut. Die 
schönen Säulengänge zu beiden Seiten der Brücke in der Königstraße rühren 
aus derselben Peit her. 
Im 16. Jahrhundert erstreckte sich die Stadt noch nicht bis zur heutigen 
Königsbrüce, sondern nur bis zur Klosterstraße, die zu den ältesten gehört 
und viel Merkwürdiges darbietet. Gehen wir von der Königösstraße rechts 
hina“". » kommen wir an die Kalandsgasse, deren C&haus noc< zu Anfang 
dieses ahrhunderts „der Kalandshof“ genannt wurde. Derselbe gehörte 
vom Anfange des 14. Jahrhunderts einer frommen Brüderschaft, „der Ka» 
landsgilde“, welche zu wohlthätigen Zwecken vereinigt war und sich zuerst 
besonders der heimathlosen Priester annahm. Man mag, um heutige Ver- 
hältnisse vergleichen zu können, etwa an den evangelischen Verein und dessen 
Haus in ver Oranienstraße denken. Jene alte Brüderschaft hatte ihren 
Namen daher, daß sie am Ersten jedes Monats, ver bei den Römern 
»Calendae“ hieß, feierliche Versammlungen hielt. Die Mitglieder müssen 
früh mit diesen auch Schmausereien verbunden haben, da schon zur Zeit 
der bairischen Markgrafen sich auf dem Kalandshofe auch ein Wirthshaus 
befand. Mit dor Reformation löste sich ver Orden auf und das Haus kam 
in den Besitz der Marienkirche, von welcher es im Jahre 1698 der Magistrat 
erkaufte und zum Stadtgefängniß bestimmte, das erst 1797 nach der Stadt- 
voigtei avf dem Molkenmarkt verlegt wurde. Seitvem befindet sich der 
Kalandshof im VNrivatbesitz. 
Tie Käuzer von Nr. 87--90 waren früher theils in geistlichem, theils 
in kurfürttlichem Besik. Nr. 90 war das Wohnhaus des Bischofs von 
Brandenbura , wenn derselbe hier anwesend war, und hieß seit 1458 „der 
bischöfliche Hof.“ Nr. 87--89 bewohnte zu Zeiten ver Bischof von Lebus. 
Nach der Reformation ward Nr. 87 kurfürstliche Kanzlei. Von jenen 
Bischoffizen heißt die Straße, welche von der Spandauerstraße auf sie zU- 
führt, die Bischofstraße. 
Links von der Königstraße haben wir schon beschriebene, alterthümliche 
Gebäude näher zu betrachten. Die Klosterkirc<e war früher nur ein Theil 
ver großen Klosterzebäude, welche den Franziskanermönchen gehörten. Schon 
50 Jahre nach Stiftung dieses Orbens, die im Jahre 1223 erfolgte, hatte 
verselbe auch in unserer Stadt ein"Kloster auf der bekannten Stelle, die der
	        
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