Path:
Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

fit 
vergleichen mehr gewürfelt wird. Hinter vem Hause selbst befindet sich ein 
Garten zum Vergnügen der Mitglieder und dient das Haus zu Mahlzeiten 
und Festen. 
Wer den Plaßz besucht, möge nicht versäumen die schöne einsame Linde 
zu betrachten, welche hinter der hohen Mauer steht, vie zum Auffangen der 
Kugeln bestimmt ist. Sie ist einer der schönsten Bäume in ven Mauern 
Verlins. 
Auf vas Schüßenhaus zu führt, parallel mit der neuen Königstraße, 
vie alte Schießgasse, an deren westlichem Ende Friedrich Il. im Jahre 1769 
ein großes hölzernes Erercierhaus bauen ließ, das noch steht, aber schon 
lange zu einem Waarenlager benußt wird. Bis zum Jahre 1727 lag dort 
ver Schüßzenplaß, der erst damals nach seiner jezigen Stelle verlegt wurde. 
Weiter gelangen wir durch die Linienstraße nac) Westen zwischen dieser 
und der Auguststraße auf den Koppenschen Platz. Dies war no< vor 
Kurzem ver sogenannte Armenkirch<hof, auf welchem namentlich unglückliche 
Selbstmörder bestattet wurden. Gegen die Auguststraße hin, die deshalb 
sonst Hospitalstraße hieß, lag ein einstöciges Haus mit einem kleinen Thurm, 
wonach das Ganze gewöhnlich „das Thürmehen“ genannt wurde. Im Hause 
waren auc< Wohnungen für alte, unbemittelte Leute, die dort verpflegt 
wurden. Die Anstalt war eine Stiftung der Koppen'sc<en Eheleute, denen 
neuerlich an der Seite jenes Platzes ein sehr modernes Denkmal geseßt 
worden ist. Dasselbe bildet eine kleine korinthische Säulenhalle, an deren 
Rückwand eine Inschrift angebracht ist, welche das Andenken des Wohl- 
thäters erhalten soll. 
Wir kehren nun wieder in die neue Königstraße zurück und verfolgen 
vieselbe bis zum Alexanderplatz». Dort finden wir ein Haus zwischen den 
Mündungen der neuen Königstraße und der Landsbergerstraße, an der Stelle 
ves ehemaligen Stelzenkruges, das hat unter dem Dache einen eigen» 
thümlichen Zierrath, nämlich eine Anzahl von Schafsköpfen; es sollen 99 
gewesen sein. Dieses Haus hat König Friedrich der Große einem Beamten 
erbauen lassen, der, als dasselbe bald vollendet war, ven König bat, vem 
Gebäude doch einen passenden Schmuck zu geben, worauf Se. Majestät vie 
gedachten Köpfe am Gesims auszuführen befahl. Als nun der Vesitzer fragte, 
„warum neun und neunzig?“ soll ver König geantwortet haben: „Weil Er 
ver hundertste ist.“ An der Königsbrücke lag sonst das Stadtthor, es hieß 
in ältester Zeit vas Oderberger-, später Georgenthor und die Straße, zu der 
es führte, die Georgenstraße. Als aber der, am 18. Januar 1701 zu Königs- 
berg gekrönte, erste König in Preußen, Friedrich, in seine Hauptstadt einzog 
und ihn die Bürger feierlich empfangen hatten, wurde ver Name der Vrücke, 
des“Thor8 und der Straße, dem bedeutsamen Ereigniß gemäß, umgeändert. 
Der ältere Name rührte von vem Hospital und der Kapelle des heiligen 
Geor3 her, welche an der Stelle der jetzigen Georgenkirche standen, außer 
der Stadt lagen, zuerst für- aussätige Pilger, und dann überhaupt für Pest-
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.