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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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sische Dienste getreten war und Ortskunde von - Berlin besaß. Von diesem 
Gefecht fanden sich in einzelnen Häusern der alten, wie ver neuen Königs- 
straße noc< Kugeln eingemauert, so im obern Stockwerke des E>hauses der 
neuen Friedrichstraße. 
Machen wir gleich vom Thore aus einen Abstecher in eine Gegend, in 
vie wir, um Denkmäler aufzusuchen, nicht leicht wieder kommen würden, so 
finden wir beim Eintritt in die Linienstraße ven Berliner Schüßen- 
platz. Die Bürger der deutschen Städte sind noch bis vor 200 Jahren alle 
wehrhaft gewesen. Damals mußte Jeder für ven Fall eines feindlichen An- 
griffes einen Helm und Brustharnisch bereit haben; Spieße und Schwerter 
lieferte der Magistrat. Aber die Bürger übten sic) auch in den Waffen, 
namentlich im Schießen mit der Armbrust, woraus später ein Büchsen» 
schießen wurde. Es bildeten sich dazu Schükengilden, deren viele noch be» 
stehen und von Fürsten und Herren in Ehren gehalten werden, also, daß 
dieselben ihnen Fahnen, Becher, Medaillen und andere Ehrengaben schenken, 
wenn bei dem Königschießen glückliche Schüsse für sie gethan werden. Jährlich 
zu Pfingsten kommen die Herren von ver Gilde mehrere Tage nach einander 
zu einem solennen Scheibenschießen zusammen; am letzten Tage wird nach 
einem hölzernen Vogel auf hoher Stange geschossen und später im Jahre 
giebt es ein feierliches Königschießen. 
Auch unser Schützenhaus, wie es sich in der Linienstraße vor vem großen 
Plaße befindet , bewahrt viele fürstliche Geschenke und eine große Anzahl 
funstvoll gemalter Scheiben, welche bei Königschießen zum Ziele dienten. 
Die Berliner Schükengilde war von König Friedricy) Wilhelm 1. aufgehoben 
worden, weil derselbe meinte, es gäben ihre Feste und Zusammenkünfte nux 
zu Verschwendung und Müßiggang -Anlaß. Allein die Genossenschaft trat 
später wieder zusammen und heißt seitdem Schützencorps, ist uniformirt, 
militairisch eingerichtet, und hat hernach in Zeiten des Krieges und der Un- 
ruhen der Stadt noch manche gute Dienste gethan, wie in den Jahren 1806 
und 1807, wo die Franzosen als Feinde in Berlin waren. Danach sank die 
Herrlichkeit des Corps einigermaßen wieder, so daß beispiel8weise keine Uni- 
formen vorhanden waren, als dasselbe am 1, Juni 1840 bei der Grundstein- 
legung zu vem Denkmal Friedrich des Großen mitwirken sollte. Die Herren 
erschienen daher in schwarzen Leibröken mit grünen Schärpen. Es war 
sieben Tage vor dem Tode des hochseligen Königs, der sich von seinem 
Krankenlager an das Fenster tragen ließ, um der Festlichkeit zuzusehen. „Die 
trauern wohl schon" sagte er damals, als er die Schübengilde aufziehen sah, 
indem er auf seinen baldigen Tod gefaßt war. 
Der große Schüßzenplaß, welcher von der Linienstraße bis zur Stadt- 
mauer reicht, ist zum Theil ein weites Sand- und Grasfeld, auf vem sich 
in den Tagen nach Pfingsten, während des Scheiben- und “ogelschießens, 
vas Dolk belustigt, indem vort Buden aufgestellt sind, wo allerlei Eßwaaren 
feilgeboten werden und um kleine Gewinne an Glas-5 Vorzellanwaaren und
	        
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