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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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stand nur aus dem Grafen Brandenburg, den Ministern von Ladenberg, 
von Manteuffel und von Strotha; die übrigen Ministerien. sollten interi- 
mistisch verwaltet werden. In Berlin zog am 10. der General Wrangel 
mit 15,000 Mann Truppen aller Waffengattungen ein; der König befahl 
zugleich die Verlegung der National-Versammlung nach Brandenburg. Ein 
großer Theil derselben erklärte, nicht Folge leisten zu können. Diese wurden 
aus dem Schauspielhause und später auch aus dem Saale des Schüßen- 
hauses vertrieben, wo sie weiter hatten tagen wollen. Am 12. November 
ward Berlin in Belagerungszustand erklärt; in den folgenden Tagen ließ 
ver General Wrangel ven Bürgerwehrmännern die Gewehre abfordern. Die 
gewaltige Gährung im Volke an den ersten Tagen nac dem Einmarsch 
der Truppen legte sich allmälig; man gewöhnte sich an das milde Mili- 
tairregiment, das vom Hauptquartier des Generals Wrangel auf vem könig- 
lichen Schlohe ausging. 
Da die getheilte Kammer nicht mehr im Stande war, einen Verfas- 
frügsentwurf zu vollenden, so octroyirte Se. Majestät am“ 3. December 
eine Constitution von der freiesten Art. Neue Wahlen versammelten zum 
Frühjahr 1849 eine erste und zweite Kammer; die letztere mußte aber, va 
die Elemente darin noch zu wenig besonnen waren, wieder aufgelöst werden, 
wobei wie am Jahrestage des 18. März einige Unruhen vorfielen, die je- 
doch durch Militairgewalt leicht gedämpft wurden. Das Murren der Demo- 
kraten darüber fand wenig Sympathien. Die damalige erste Kammer hat 
bis zur Zusammensetzung eines Herrenhauses durch Se. Majestät ven König 
im Jahre 1855 bestanden; eine zweite. Kammer wurde nach einem neuen 
Wahlgesetz einberufen. Sie heißt jezt das Haus der Abgeordneten. Die 
neue Constitution war durch die geseßgebenden Gewalten am 31. Januar 
1850 festgestellt, von Sr. Majestät unterzeichnet und wurde von Allerhöchst- 
demselben am 3. Februar, später von sämmtlichen Beamten, feierlich be- 
schworen. Berlin befindet sich unter den Segnungen derselben wohl. 
Am 3. April 1849 trug eine Deputation der Frankfurter National- 
Versammlung unserm Könige in feierlicher Audienz die erbliche Kaiserwürde 
von Deutschland an, welche von demselben mit frommem Hinbli> auf den 
König der Könige abgelehnt wurde. In eben diesem Jahre hatten preußische 
Truppen in Dresden und im Großherzogthum Baden Aufstand und Revo- 
lution zu dämpfen und führte in letzterem Lande Se. Königliche Hoheit der 
Prinz von Preußen ruhmvoll den Oberbefehl. 
Im Jahre 1850 hatten wir ein zweites Attentat auf das Leben Sr. 
Majestät des Königs zu beklagen, indem ein wahnwißiger Soldat, Namens 
Sefelo>-; auf dem Potsdamer Bahnhofe nach dem Könige schoß, glück- 
licher Weire aber nur den Arm traf. Muthig und besonnen leisteten Ihre 
Majestät die Königin dem Hohen Gemahl ven ersten Beistand. Der Thäter 
ward in ein Irrenhaus gebracht. 
Seitdem ist unsere Stadt durch Gottes Gnade von sc<werer Trübsal
	        
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