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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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müssen deshalb in die Häuser dringen und durch Einfangen diejenigen un- 
schädlich machen, von welchen sie Feindseligkeiten erfahren haben oder be- 
fürchten. 
Das war eine schreliche Nacht, hell wie jene, welche Hogarth gemalt 
hat. Der Mond schien voll und klar vom Himmel herab, die Gaslaternen 
brannten, aus allen Fenstern leuchteten brennende Lichter, und im Osten 
und Norden der Stadt flammten Feuersbrünste empor. Auf dem Alexander- 
platz verbrannte man eine Kunstreiter = Bude und auf der königlichen Eisen- 
gießerei legte eine räuberische Notte Feuer an die Arbeitsgebäude. Die 
lezten Spuren von der Verwüstung daselbst verschwanden erst in unseren 
Tagen. 
Von einer Barrikade zur andern erscholl das Prasseln und Knallen 
des Gewehr - und Kanonenfeuers die Nacht hindurch. Am Morgen hatten 
die Truppen gegen das Brandenburger =, Potsdämer = und Hallische Thor 
hin freie Bahn gemacht; in der mittleren Stadt aber, so wie in den Vor- 
städten außer der Friedrichstadt, standen die Barrikaden no< und die dort 
befindlichen Krieger waren erschöpft von ver Arbeit ver Nacht. Se. Ma- 
jestät hätten inmitten der vorhandenen Bataillone die Stadt verlassen können; 
es ijt auch ein Rath der Art ertheilt worden; Sie zogen es aber vor, in 
verselben zu verbleiben, befahlen den Rückzug der Truppen, ertheilten ven 
Gefangenen vom Civil, die schon auf dem Transport nach Spandau sich 
befunden hatten, Verzeihung und willigten sogar endlich in ven Abzug der 
Truppen aus “x Stadt. Jetzt wurden die Gewehre aus vem Zeughause 
ven Bürgern 2'r Bewachung und Beschüßung derselben ausgeliefert, am 
andern Tage tie Polen, welche wegen einer Insurrektion im Zellengefäng- 
nisse aesessen hatten, freigegeben; unruhige Volksmassen trieben sich auf den 
Straßen und VNläken umher. Am Dienstag Mittags ritten Se. Majestät 
mit geringer Tegleitung unter Vortragung einer dreifarbigen Fahne durch 
die Stadt und wurden an den meisten Orten mit Jubel begrüßt. Das 
Volk glaubte in seinem Könige den Wiederhersteller ver Einheit Deutsch- 
lands zu erblicken, wozu einige Allerhöchste Verkündigungen ver letzten Tage 
es veranlassen konnten, aber der König protestirte überall ausdrücklich gegen 
die Zurufe, die ihn hie und da als Kaiser von Deutschland begrüßen 
wollten; dennoch schmückten fich alsbald fast alle Häuser“ von Berlin mit 
sc<warzrothgoldenen Fahnen, die Hüte ver Männer mit dergleichen Kokarden. 
Am folgenden Tage wurden die 185 Todten vom Civil, welche in 'der Nacht 
vom 13. März unter den Waffen oder durch einen unglücklichen Zufall 
umgekommen waren, mit großem Pomp bestattet. Sämmtliche Särge waren 
in der nördlichen Halle des deutschen Thurmes auf dem Gensvarmenmarkt 
und auf ver Irepye vor derselben unter einer Decoration aufgestellt. Nach 
einer religiösen Feierlichkeit wurden ste in langer Reihe und in Abthei- 
lungen, einer nach dem andern, einher getragen, begleitet von Verwandten 
und den Genossen der Gemeinschaft, welcher sie angehört hatten. So folgte
	        
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