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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August (Public Domain)

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das Glück, vie lebhaften und energischen Geberden wahrzunehmen, mit 
welchen Se. Majestät Dero Worte begleiteten. Der gedachte Regen hatte 
leider auch den Vorbereitungen zur Illumination Schaden gethan, welche 
am Abend die Stadt prächtig erhellte. In den nächsten Tagen folgten noch 
herrliche Feste, welche zum Theil vie Stadt, zum Theil die Provinzial- 
Stände Sr. Majestät gaben und wozu das O'pernhaus durch einen mäch- 
tigen, auf dem Platze bei demselben erbauten Saal, erweitert worden war. 
Der hochselige Vater des jezigen Königs hatte in seinen leßten Jahren 
vie öffentlichen Aeußerungen der freien Meinung einigermaßen beschränkt: 
vie Censur ver Bücher und Zeitblätter war ziemlich streng. Der neue 
Monarch zog die Zügel in dieser Veziehung weniger straff anz; er erlaubte 
vie öffentliche Besprechung, auch bescheidenen Tadel bestehender Einrichtungen, 
ver früher verboten war. Er forderte durch seine Minister zur Bildung 
von Vereinen für wissenschaftliche und gemeinnüßige Zwecke auf und sind 
vergleichen seitdem in großer Anzahl entstanden, zum Theil auch schon wieder 
eingegangen. Er befahl die Errichtung von Turnanstalten bei ven Gym- 
nasien und höheren Schulen, während der Hochselige seit Jahn nicht gern 
vom Turnen hören mochte. Durch jene Befreiung der Meinungsäußerungen 
bildeten sich aber bald, wiewohl zunächst nur für die Tagesliteratur, poli- 
tische Parteiungen. Man sprach von Servilen und Liberalen und ver Volks- 
witz sagte: Die Serviles wollen sehr Vieles, die Liberales wollen lieber Alles. 
Was zunächst Entseßzliches geschah, daß nämlich im Jahre 1844 ein abge- 
sezter Bürgermeister Tschec< ein Pistol auf Se. Majestät abschoß, als Die- 
selben sich eben mit Dero Gemahlin auf eine Reise begaben, stand zwar 
mit jenen politischen Meinungskämpfen durchaus in keiner Verbindung, da 
ver Tschech im unbegrenzten Hochmuth sich von vem Könige zurückgesetzt 
glaubte, indem Derselbe ihn keiner Beförderung würdigte, aber der Fall 
wurde doch von mehr als einer Seite ausgebeuter und nur der hochherzige 
Monarch selbst, dessen Brust die Kugel berührt, aber durch Mantel und 
Kleid o "gehalten, unter vem Schuße ver Vorsehung nicht verletzt hatte, ver- 
stattete dieser traurigen Erfahrung auf seine Handlungsweise keinen Einfluß. 
Die Stadt empfing den König bei seiner Rückkehr von der Reise , die ver- 
selbe unbehindert angetreten, mit frommen Gesängen und hatte mit dem 
ganzen Lande vorher schon ein kirchliches Dankfest für die Erhaltung Sr: 
Majestät gefeiert. Der Tsch e< ist später, da sein verstocktes Herz nicht dazu 
zu bewegen war, die Gnade des Königs anzuflehen, bei Spandau hinge- 
richtet worden. 
In demselben Jahre noch zeigte der König, wie sehr ihm auch 
an vem immer herrlicheren Aufblühen ves Gewerbefleißes gelegen sei, 
indem er für eine große allgemeine deutsche Gewerbeausstellung, die da- 
mals zu Stande kam, die Räume seines Zeughauses in Berlin hergab, 
welches denn dadurch auf mehrere Wochen aus einem Waffengelaß in einen 
Tempel ver Künste des Friedens umgewandelt wurde. Der König war der
	        
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