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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

- 1594 
Sumpf und Wiese, durch welche vie Panke floß. Jeßt finden wir vaselbst 
vie Karlstraße, die Marien- und Luisenstraße und am Ende der letzteren 
das Neue Thor. In der Karlstraße erhebt sich die Kaserne des zweiten 
Garvderegiments und gegenüber verselben das große Erercierhaus. Vor den 
nördlichen I horen ver Stadt hat der hochselige König: die Elisabeth - und 
vie Nazarethkirche, auf dem Gesundbrunnen die Paulskirc<e und in Moabit 
vie Oohannis dos Täufers erbauen lassen. Es entstand auch zu seiner Zeit 
schon das Anhaltische Thor, so wie ver Eisenbahnhof und die Vorstadt vor 
vemselben. Endlich haben unter ihm das Palais Ihrer Königlichen Hoheiten 
des Prinzen von Preußen, der Prinzen Karl und Albrecht ihre jetzige Ge- 
stalt erhalten. Fast alle diese Prachtbauten sind nach den Plänen und Angaben, 
so wie unter oberster Leitung des genialen Baumeisters Schinkel erbaut, dessen 
Standbild wir gegenwärtig unter der Halle des Museums aufgestellt sehn. 
König Triedrich Wilhelm IV. begann seine Regierung unter dem 
tiefen Schmerz über den Tov des Vaters. Wenn irgend Etwas ihn auf- 
richten konnte, so mußte es die Liebe und Hoffnung des Volkes sein, welche 
ihm entaegenkam. Nachpem sich Se. Majestät zu Königsberg hatte hul- 
vigen laysen und dort shon durch eine freie Anrede an das Volk dasselbe 
entzückt hatten, wurden Sie bei ver Rückkehr zu Berlin am 21. September 
von der Stadt Jlänzend empfangen. Am Frankfurter Thore und jenseits 
ver Königsbrücke waren Ehrenpforten aufgestellt und alle Gewerke beeiferten 
sich , im Schmucke alter Herrlichkeit ven König und seine Gemahlin zu be- 
grüßen. Die Schlächter, Bäer und Kaufleute zu Pferde, die übrigen Ge- 
werke zu Fuß mit Musik, Fahnen und mannichfaltigen Emblemen, standen 
von Friedrichsfelde bis zum Schlosse in unabsehbaren Reihen aufgestellt und 
zogen hernach in Varade an vem Königspaare vorüber. " Am Abend war 
die Stadt herrlich erleuchtet. Ein ähnliches, wahrhaft imposantes Sc<hau- 
spiel wiederholte sich für unsre Stadt am Geburtstage Sr. Majestät, an 
welchem Sie die Huldigung der übrigen Provinzen Ihrer Monarchie entge- 
gennahmen. Ein prachtvolles Throngezelt war dazu über dem mittleren 
Schlopvortal nach dem Lustgarten zu errichtet; viele Stufen führten zu dem- 
selben hinauf; nachdem der König und die Stände im Dom ver kirchlichen 
Feierlichkeit beigewohnt hatten, erschien Derselbe auf jenem Balkon und redete 
auch biox * 'e Stände in wahrhaft königlicher und herzlicher Weise an. Ein 
endloyer Jubel erfolgte, hierauf die Huldigung in vorgeschriebener Weise 
und zulebt tie Tbsingung des Liedes: „Nun danket alle Gott," unter In- 
strumental-Pogleitung, Glo>enklang und Kanonendonner. Schade, daß vie 
Feier vurch gewaltige Regengüsse zwar nicht unterbrochen, aber doch ge- 
trübt wurde, wiewohl einer von ven Abgeordneten der Stadt, der an der 
untersten Stufe des Thrones so glücklich gewesen war, die königlichen Worte 
zu vernehmen, hernach sagte: +4 wollte gern noch viele Stunden in solchem 
Regen stehn, wenn ich meinen König noc< einmal könnte s9 sprechen hören. 
Viele von den wohl 50,000 Versammelten im Lustgarten hatten freilich nur
	        
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