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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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jeht regierende Königin, als Braut des damaligen Kronprinzen hier ein- 
ziehen zu sehen. Dieselbe wurde prächtig eingeholt, vom Magistrate ehr- 
furchtsvoll empfangen, von Hohen und Niedern im Volke, vie an den 
Fenstern unter den Linden, vor welchen der Zug vorüberging, auf Tribünen 
und auf den Straßen zu vielen Tausenden versammelt waren, her?'ich be- 
grüßt. Am Abend brachten die Studenten einen Fackelzug, der Theologe 
Sternberg hatte die Ehre, die Glückwünsche der studirenden Jugend darzu- 
bringen. Ihre Königliche Hoheit antwortete: „I< fühle mich. von Freude 
durchdrungen und danke Ihnen herzlich.“ Nachvem der Zug seine Fackeln 
im Lustgarten verbrannt hatte, wälzte sich ein starker Menschenstrom über 
die Nothbrücke, die während des Baues der Schloßbrücke von dort nach 
vem Zeughause geschlagen war, und hier trug sich das schreliche Unglück 
zu, daß mehrere Menschen erdrückt wurden, andere in's Wasser stürzten, ein 
Ereigniß, das die Freude des Tages, die sich auch durc< eine herrliche Illu- 
mination kund gab, einigermaßen trübte. 
Im Jahre 1825 verheirathete sich der König zum zweiten Male und 
zwar morganatisch mit der Gräfin Auguste von Harrach, welche er zur 
Fürstin von Liegnitz erhob. Die treffliche Frau fand bald Gelegenheit, ihrem 
hohen Gemahl die Liebe zu beweisen, mit welcher sie ihm zugethan war: 
venn im folgenden Jahre hatte Derselbe das Unglück, bei einem Falle 
von der engen Treppe, die von seinem Schlafgemach in das untere Geschoß 
führte, sich das Bein zu brechen. Da hat die Fürstin den Gatten Tag und 
Nacht mit der aufopferndsten Treue und Sorgfalt gepflegt und sich dadurch 
die Liebe der Königlichen Familie in hohem Grade erworben. Als nach 
seiner Wiederherstellung der König zum ersten Male wieder in seiner Seiten- 
loge im Theater erschien, welches er in gesunden Tagen gern und oft be- 
suchte, empfing ihn das hocherfreute Publikum mit außerordentlichem Jubel 
und sang das Volkslied. 
Am 235. Juni des Jahres 1830 feierten wir in Berlin, wie im übrigen 
evangelischen Deutschland, vas 300jährige Erinnerungsfest ver Uebergabe ver 
Augsburgischen Confession. Vier Wochen darauf wurde die europäische Welt 
durch die Nachricht von der Pariser Julirevolution erschüttert, durch welche 
ver König Karl X. vertrieben und sein Vetter Louis Philipp auf den fran- 
zöbsischen Thron erhoben ward. Es waren insbesondere die Bemühungen 
unseres Königs, welche damals den Frieden in Europa erhalten haben. 
Einige Aufläufe in Berlin an verschiedenen Abenden, die sogenannte „Schnei- 
verrevolution“, wurden durch aufgestelltes Militair rasch unterdrückt und die 
auf der That Ergriffenen durch leichte Züchtigungen summarisch abgestraft. 
Fünf Jahre darauf ereignete sich am Geburtstage des Königs, den 3. Au- 
gust, der stets allgemein und herzlich gefeiert wurde, aus zufälligen Ursachen 
ein ähnlicher Tumult am Brandenburger Thore und unter den Linden, »essen 
Urheber man auf dieselbe Weise bestrafte und ver eben so wenig Folgen 
hatte.
	        
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