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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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von den geistvollen Männern des Vaterlandes ausgingen, gehört die Städte- 
ordnung vom 19. November 1808, nach welcher noch jezt auch unser Berlin 
mit wenigen Modificationen, die durch das Jahr 1848 herbeigeführt sind, 
verwaltet wird; ebenso ist die Gewerbefreiheit, die Entbindung ves Gewerbe- 
fleißes vom Zunftzwange, damals ausgesprochen und seitdem eine Quelle 
unermeßlicher Kraftentwickelung und allgemeinen Wohlstandes geworden. 
Verlin ist in dieser Zeit von 180,099 Einwohnern auf 330,000 gewachsen, 
eine Vermehrung, von welcher die Geschichte sonst fast kein Beispiel hat. 
Auch war Sitte und Leben der Einwohner besser geworden, in das 
eheliche und Familienleben Zucht und Friede zurückgekehrt. Ein frommer 
Sinn durchdrang das Volk. Wenn früher die Kirchen von Hunderten von 
Zuhörern b-fncyt wurden, so konnte man jetzt deren Tausende zählen und 
vie Herzen ' "lügen in erhöhter Andacht. 
Diese Ztimmung benutzten der König und die Häupter der evangeli- 
schen Kirche seines Landes und brachten eine Vereinigung der lutherischen 
und reformirten Confession zu Stande, welche seit dem Kurfürsten Johann 
Sigismund alle hohenzollernschen Fürsten gewünscht hatten. Am 31ten Oc- 
tober 1817, als der dritten hundertjährigen Erinnerungsfeier des Anfangs 
ver Reformation, wurde auch die Stiftung dieser Union in den Kirchen ves 
preußischen Vaterlandes festlich begangen. Damals sagte ver Oberhofpre- 
viger Ehrenberg in der Domkirche zu Berlin von der Kanzel: „Ob Du 
beten sollst: Unser Vater over Vater unser, vas mußt Du nicht die heiligen 
Lehren der Kirche, sondern die deutsche Sprachlehre fragen“ und deutete da- 
mit an, daß die Vereinigung der Lehren beider Confessionen auf vem Wege 
ver Wissenschaft gesucht werden müsse, im Volksbewußtsein aber dieser Un- 
terschied keineswegs scharf genug vorhanden sei, um ferner eine Trennung 
festzuhalten. Seitdem haben hier und vort Geistliche sich ermüßigt gesehen, 
im Volke diesen Unterschied wieder lebendiger hervorzurufen. 
Dem aobildeten Theile unseres Volkes wurden die nächsten Jahre der 
Regierung Friedrich Wilhelm 111. einigermaßen durch die Ereignisse getrübt, 
welche aus Verirrungen unter den studirenden Jünglingen hervorgingen. 
Diese träumten von einer Einheit Deutschlands und einige Lehrer und 
Schüler waren thöricht genug, eine solche durch geheime Verbindungen auf 
ven Universitäten herbeiführen zu wollen. Nachdem der Studiosus Sand 
den Dichter Kokebue am 23. März 1819 zu Mannheim ermordet hatte, weil 
er Deutschland an Rußland verrathen, wie ver Mörder meinte, brachte man 
diese That in Zusammenhang mit ven Absichten jener Geheimbündnisse; vie 
Häupter und Theilnehmer derselben wurden verhaftet und es erfolgten Ver- 
urtheilungen, welche viele Jünglinge und ihre Eltern unglücklich machen 
mußten. In Berlin war der Turnlehrer Professor Jahn gefänglich einge- 
zogen, später zwar freigesprochen, aber do< aus unsrer Stadt verbannt 
worden. 
Am 23. November 1823 hatte Berlin die Freude, Ihre Majestät, die
	        
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