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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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sich zwei hohe Säulen, mit Siegestrophäen geschmückt; die Fenster des 
Zeughauses waren geöffnet; Pyramiden mit Waffenschmuc zeigten sich im 
Innern und eroberte Fahnen flatterten heraus; vor vem Schlosse, gegen den 
Lustgarten war, auf mehreren Stufen erhöht, ein geschmückter Altar errichtet. 
Am 5. verbreitete sich das Gerücht, der König sei schon angekommen. Alles 
strömte nach seinem Palais. Der Plaß. zwischen den Linden und der da- 
maligen Hundebrücke war Kopf an Kopf mit Menschen gefüllt. Der hohe 
Herr war in unzufriedener Stimmung zurückgekehrt. „Man wisse nicht, 
hatte er gesagt, was noch kommen könne." Napoleon saß ja nur auf Elba. 
Auf königlichen Befehl sollten nun jene Obelisken von Trophäen unvollendet 
bleiben, die Fenster >28 Zeughauses waren schon verschlossen. Das Volk 
zeigte sich darüber natürlich ungehalten; man hörte Murmeln und Murren. 
va öffnete sich vas Fenster des Königs, das lezte am Palais gegen das 
Opernhaus hin, und der Herr neigte sich, wiewohl ernsten Angesichts, doch 
mit mehrmaliger tiefer Verbeugung gegen seine Bürger heraus. Da erscholl 
ein Jubelruf, wie er weder vor- no< nachher jemals in Berlin gehört 
worden. Die da mit gejauchzt haben, werden das nicht vergessen. 
Am zweiten Tage darauf erfolgte der Triumpheinzug. Der Wagen der 
Victoria stand wieder auf vem Brandenburger Thore, die Göttin erhob auf 
ihrer Lanze das eiserne Kreuz, das der König für Verdienste in diesem 
Kriege gestiftet hatte. Im Lustgarten wurde ein öffentlicher Gottesvienst in 
Gegenwart des Königs, seines Hofes, seiner Generale und aller in Parade 
aufgestellten Truppen durch den Feldpropst Offelsmeyer abgehalten; am 
Abend war die Stadt kunstvoll und prächtig erleuchtet. 
Es folgten andere herrliche Siegesfeste, später auch ein Friedensdanfkfest, 
das im Jahre 1815 noch ein Mal wiederholt werden konnte, nachvem Na- 
poleon von Elba entflohen, in Paris wieder als Kaiser aufgenommen, dann 
aber durch“ die Schlacht bei Belle-Alliance am 18. Juni 1813 von Wel- 
lington und Blücher auf immer besiegt worden war. 
Zu ven Festen, durch welche man die Verbindung zwischen Preußen 
und. Rußland 'und tie glorreichen Erfolge derselben feierte, gehörte auch ein 
Besuch der russischen Garden in Berlin, die hier in Gemeinschaft mit der 
Garnison öffentlich cim Lustgarten und unter den Linden an ungeheuren 
Tafeln mit angemessenem Aufwande gespeist wurden. 
Die Zeit nach diesem Frieden bis zum Tode Friedrich Wilhelm 1I1. 
ist wohl die glücklichste, die Berlin gesehen hat. Cine außerordentliche 
Entwickelung in Gewerbe, Handel, Kunst und Wissenschaft begann von da 
ab. Die großen Kosten ves Krieges wurden zum Theil durch französische 
Kontributionen gede>t. Preußen hatte seine volle Ausdehnung und Bedeu 
tung wieder erlangt und vervankte dies Glück nächst Gott seinem Könige, 
ven großen Männern, die ihm zur Seite standen, und der Kraftanstrengung 
seiner alten Provinzen. 
Zu den trefflichen Schöpfungen, die grade in der unglücklichen Zeit
	        
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