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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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ergehen ließ, vurch welches der freie Ausdruck ver religiösen Meinungen ge- 
hemmt wurde. Es ist zwar -gewißz ganz heilsam, daß vie Diener der Kirche 
wissen , wie sie die reine evangelische Lehre derselben, und nicht ihre eigene 
abweichende Ansicht zu predigen haben; aber Verordnungen der Art müßten 
wohl von geistlichen Norgesetzten ausgehen. 
Der Urheber des gebachten Evdiets war aber ver Minister Wöllner, ein 
Mann, der ais Mitgli2d gewisser Ordensgesellschaften, der Rosenkreuzer und 
Illuminaten, welche geheimnißvolle Religionslehren in ihrer Müte" pflegten 
und verbreiteten, keineswegs ein ungetrübtes Auge für die Bedürfnisse der 
Kirche baben konnte. Wenn or nun in jenem Evicte gebot, daß die Pre- 
diger, 1 3 e an die Wunder der göttlichen Offenbarungen nicht glaubten, 
dennoch * '- e lehren sollten, so unterlag er vem Vorwurfe, daß er die Lehrer 
zu Heu“ lern machen wollte, und indem der König, den der Minister, bei 
der Echwäche seines Characters, sehr in der Gewalt hatte, jenes Edict unter- 
zeichnete und ihm beistimmte , verlor er die Achtung eines großen Theils 
seiner gebildeten Unterthanen; vem Volke aber konnten außerdem die Schatten- 
seiten seines Familienlebens nicht verborgen bleiben, und er hat vurc<h viel- 
fache Uebertretung des sechsten Gebotes leiver ein sehr übles Beispiel 
gegeben. 
Um unsere Stadt hat er sich durc; manche treffliche Einrichtung, durch 
Wohlthaten, wie durch Verschönerung derselben, den größten Dank verdient. 
Unter seiner Legierung stieg die Einwohnerzahl auf 165,726, worunter 
eiwa 27,077 Militairpersonen. 
Er hat das Rosenthaler-, vas Hamburger-, Oranienburger-, vas präch- 
tige Brandenburger Thor, die Herkulesbrücke, die Säulengänge ver Mohren- 
brücke erbauen und die Statüe ves Generals von Ziethen errichten lassen. 
Für seine Verson hielt or sich am liebsten bei Potsdam, im Marmorpalais 
auf, welc<*3 auf seinen "fehl hergestellt ward und wo er auch gestorben ist. 
Friedrich Wilhelm I1l., vom 16. November 1797 bis 7. Juni 1840. 
Seine ersten Terfügungen zeigten, daß er die Fehler seines Vaters, vurch 
welche derselve ein öffentliches Aergerniß gegeben hatte, ernstlich mißbilligte; 
aber tie Wirkungen ves bösen Beispiels waren nicht so leicht auszutilgen; 
es fand sich damals viel unordentliches Wesen in den Familien, besonders 
ver höheren Stände. Dagegen lebte der junge König mit seiner schönen, 
höchst liebenswürdioen Gemahlin Louise in ver glücklichsten Ehe und war 
ein musterhafter Gatte und Vater. 
Er hob auch das Wöllner'sche Religionsediet auf und suchte der 
Unordnung zu steuern, welche durch die vorige schlaffe Regierung in vas 
Verwaltungswesen gekommen war. Eben so war er bemüht, die Schuldenlast 
von “I Millionen Thalern abzutragen, welche sein Vorgänger über das 
Land gebracht hatte. In acht Friedensjahren gelang dies beinahe ganz, aber 
nun fam eine Zeit des Unglücks über das Vaterland, wie sie kaum jemals 
früher dagewesen war.
	        
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