Path:
Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August (Public Domain)

= 11 07002 
Und Thränen stürzen von den Blicken 
Auf unsern grauen Bart herab. 
Von ven Bürgern sind ihm nicht sowohl Thränen nachgeweint worden, 
als ste vielmehr von einem betäubenden Schrecken über das Erlöschen dieser 
Sonne ergriffen waren. Der König hatte bis zwei Tage vor seinem Ende 
noch fast alle ihm obliegenden Regierungsgeschäfte besorgt. Am 16. August 
1786 waren sämmtliche Minister in Sanssouci anwesend , um seine Befehle 
zu vernehmen,- die er nicht mehr ertheilen konnte. Am Morgen des 17., 
um 1% Uhr, starb er in ven Armen seines Kammervdieners. Von seiner 
Familie hat er Niemand um sich zu sehen begehrt. Früher war zuweilen 
sein Großneffe, ver nachherige König Friedrich Wilhelm Il]. in seiner Nähe 
und er hatte seine Freude an dem muntern Wesen des Knaben. Seine 
gewöhnliche Gesellschaft bildeten in den letzten Jahren einige Jagdhunde, die 
auf der Terrasse von Sanssouci begraben liegen. Seine Gemahlin wohnte 
entfernt von ihm in Berlin over Schönhausen; nur an ihrem Geburtstage 
pflegte er sie mit "einem gewissen Pomp zu besuchen. Er hatte gewünscht 
in der Stille begraben zu werden, daher wurde die königliche Leiche, nur 
von den männlichen Familiengliedern und einigen Hofleuten begleitet, in der 
Garnisonkirhe zu Potsdam unter der Kanzel neben dem Sarge seines 
Vaters beigese"t. 
König Friedrich Wilhelm Il., von 1786--1797 , hieß der Viel- 
geliebte. Er hatte sich diesen Namen alsbald durch Abschaffung der verhaßten 
Besteuerungsmaßregeln seines Oheims erworben und durch eine große, ihm 
eigene Leutseligkeit erhalten. Er hielt häufig offene Tafel, ließ sich gern 
unter seinem Volke erblicken, ging oft, nur von einem einzigen Diener be- 
gleitet, im Thiergarten oder an anderen öffentlichen Orten spazieren und 
unterhielt sic) herablassend mit manchem Beamten oder Bürger, der ihm 
auffiel. Seine schöne Gestalt und sein freundliches Angesicht trugen aber 
auch viel dazu bei, ihm die Liebe des Volkes zuzuwenden. Auf ihn zunächst 
beziehen sich in dem Volksliede: „Heil Dir im Siegerkranz“, das zu seiner 
Zeit entstand, die Verse: 
„Sei Friedrich Wilhelm hier 
Lange des Volkes Zier, 
Der Menschheit Stolz. 
Fühl' in des Thrones Glanz 
Die hohe Wonne ganz, 
Liebling des Volks zu seinz 
Heil König Dir! 
Das preußische Volk ist allerdings so glücklich , daß es diese Strophe 
von seinen späteren Beherrschern , welche denselben Namen trugen, ohne 
Heuchelei singen konnte und kann. 
Handel und Wissenschaften hoben auch unter diesem Könige ihr Haupt 
empor, denn durch Aufhebung der Regie öffneten sich die Thore für mancherlei
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.