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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

„us 
Am 16. October 1757 vrang eine österreichische Freischaar von 7000 Mann 
unfer vem General Haddi> bis Berlin vor, hatte am Schlesischen Thore 
ein Scharmüßel mit einigen Bataillonen der schwachen Garnison, bedang 
sich vom Magistrat eine Contribution von 777 "2% Thalern und verließ noch 
in der folgenden Nacht Berlin wieder, weil Entsatz von einem nahen preu- 
ßischen Heere kam. Schlimmer erging es der Ttoht im "re 1760. Am 
2. Oetober erschien der russische General Tottleben gleichfalls vor dem 
Schlesischen Thore und griff die ihm entgegen gesandte T<haar an, beschoß 
auch vom Kreuzber>e (damals Tempelhofer Tora) die Stadt mit Bomben 
ur? Kugeln, würde jedoch, da er zuerst nur 27290 Mann kommandirte, haben 
abzi'hen müssen, wenn nicht andere Truppen vom russischen Hauptheere hin- 
zugefommen wären, und auch der österreichische Weneral 3Tas-9 mit einer 
bedeutenden € haar sirh mit ihm vereinigt hätte. Nun kapitulirte die Stadt 
mit dem russischen Feldherrn und ließ die Feinde ein. Jener benahm sich 
großmüthig. Man kann sagen, die Russen verleugneten ihre Natur, die 
sie früher im Kriege gezeigt hatten. Kein Privatmann wurde beraubt; nur 
die Oesterreicher, welche die Wachen am Vrandenburger Thor und auf der 
Friedrichstadt besezt hatten, verübten einige Ercesse. Das Zeughaus wurde 
freilich ausgeräumt und an Kriegsbedarf, was vorhanden war, mitgenommen; 
aber das königliche Eigenthum im Schlosse und in anderen Palästen blieb 
unangetastet. Die Stadt mußte dafür, daß sie von Plünderung verschont 
blieb, ! Millionen Thaler Brandschazung zahlen. Im Uebrigen kamen also 
die Berliner mit vem Schre davon, den ihnen die Bärte ver Kosaken aller- 
dings eingeflönt hatten. Ein junger französischer Geistlicher wollte doch gern 
einen solchen 2?oskowiten sehen, schaute neugierig in das Jenster der Haupt- 
wache am Zeughause und fiel ohnmächtig zurü, als sich ein solches bärtiges 
Angesicht gegen ihn erhob. Noch zwei anderen Männern war ein Toves- 
schre> bereitet. E8 waren die Redacteure der Vossischen und Spenerschen 
Heituna, die Herren Krause und Kretschmar, die wohl manchen Ariikel 
geliefert hatten, welcher von den Russen nicht eben mit Nücksicht sprach, 
Sie sollten dafür Spießruthen laufen und standen auf tem Neuen Markte 
schon vor der Gasse, als ihnen Pardon angekündigt wur*. Den hatte" der 
treffliche Kaufmann Got kfowsky ausgewirkt, der für Tc<onung der Ver- 
liner Bürgor und ihres Eigenthums mit patriotischem Sinne damals vie 
größten Opfer brachte. Es hatte der Stadt und hm "he Douceurgelder 
an die feindlichen Generale gekostet, daß Alles im Ganzen noch so glimpflich 
ablief. Am 14. October verließen die ungebetenen Gäste Berlin schon wieder, 
venn der Nuf: „ver König kommt!“ vertrieb sie alsbald. 
In Charlottenburg hatten die Oesterreicher und Sachsen übler gehaus 
und die herrlichen Kunstschäße im königlichen Schlosse auf vandalische Weise 
zerstört. Als der König später den Greuel der Verwüstung sahe, sprach er 
nur mit Verachtung, nicht mit Zorn, von den Urhebern. Er mochte sich
	        
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