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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August (Public Domain)

ven Harnisch getrieben. Die nunmehrige Kaiserin Maria Theresia konnte 
den Verlust von Schlesien nicht verschmerzen. Die Thränen kamen ihr in 
die Augen, wenn sie einen Einwohner dieses Landes sah, und sie äußerte, 
sie wolle ihren lezten No> vom Leibe verkaufen, um Schlesien wieder zu 
gewinnen. Ein großes Staatenbündniß zwischen ihr, Rußland, Frankreich, 
Sachsen und Sweden 2c., zu dem Zwee, Friedrich Il. nicht nur Schlesien 
wieder 21 entreißen, sondern ihn zum Markgrafen zu degravdiren, kam ge- 
heimninvoll genug zu Stande, aber der König erfuhr durch Bestechung recht- 
zeitig von dem Ansc<hlage und beschloß, vem Angriff zuvor zu kommen. 
Im Jahre 1756 fiel er, ye die Feinde völlig gerüstet waren, mit 
160,“ | Mann in Sachsen und Böhmen ein und machte, nachdem er die 
Schl? : bei Lowosiz gegen den österreichischen General Brown gewonnen, 
14,000 Mann im verschanzten Lager bei Pirna zu Gefangenen. . 
Im folgenden Jahre standen alle die gedachten Feinde wider ihn unter 
ven Waffen, zusammen 420,000 Mann an vier verschiedenen Grenzen seines 
Reichs. Nur 210,000 Mann konnte Friedrich mit ver höchsten Anstrengung 
ihnen entgegenstellen; sie haben unter ihm Wunder der Tapferkeit gethan. 
Wenn man bedenkt, daß es größtentheils geworbene Leute waren, muß man 
ihre Siege, ihre Ausdauer um so mehr bewundern. Aber der Feldherr ist 
die Seele des Heeres; im Kriege kommt auf die Führung Alles an, und 
Friedrich hat sich ven Ruhm des größten Felbherrn seines Jahrhunderts 
erworben. 
Er drang alsbald in Böhmen ein, siegte mit höchster Anstrengung und 
dem Verluste des Feldmarschalls S< werin bei Prag, verlor aber darauf die 
Schlacht bei Collin und sein Bruder August Wilhelm brachte nur schwache 
Reste der Armee über die Grenze nach Schlesien. Dennoch konnte Friedrich 
noc< in demselben Jahre die Franzosen bei Noßbach und sväter bei Leuthen 
die Oesterreicher schlagen, 2wei Siege, durch welche sein Feldherrntalent be- 
reits in ganz Europa berühmt wurde; aber die Schaaren seiner Feinde 
wuchyen, wie tie Häupter der Hydra; im Jahr 1758 mußte er die Russen 
bei Zorndorf besiegen und alsbald wieder gegen den österreichischen Feld- 
herrn Daun in Schlesien im Felde sein. Leider achtete er diesen nicht genug, 
versäumte bei Hochkirch die nöthigen Vorsichtsmaßregeln, wiewohl seine 
Generale ihn fußfällig gebeten hatten, die Leute über Nacht in Waffen zu 
lassen und ward am Morgen des 14. October vor Tagesanbruch über= 
fallen. Tausende seiner Soldaten wurden im Schlafe ermordet, die treff- 
lichsten Tenerale ihm getödtet; vennoch wußte er mit dem schnell gesammelten 
Reste tor Truppen vem Feinde Furcht einzuflößen, und der österreichische 
Feldherr 229 sich vor ihm zurück. Das folgende Jahr 1759 brachte den 
Feinden Friedrichs Siea. Russen und Oesterreicher standen vereinigt 12 Meilen 
öftiich von unserer Hauptstadt bei Kunersvorf furchtbar verschanzt. Der 
König griff ste an und hatte bereits den linken Flügel zum Weichen ge- 
bracht, das ganze Heer würde gefolgt sein; aber Friedrich wollte es ver-
	        
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