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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

ZB: 
fallen müsse. De38 Königs Lage war bevenklich genug, aber seine Umsicht 
und seines Heeres Tapferkeit halfen ihm. Die Schlachten von Hohenfried- 
berg und Sorr glänzen als helle Sterne in dem Ruhmesfkranze der preußi- 
schen Waffenthaten. Maria Theresia mußte abermals im Jahre 1746 durch 
ven Frieden zu Dresden die Provinz Schlesien förmlich an Preußen abtreten. 
Nun hatte unser Land 10 Jahre Ruhe. Diese Zeit wendete der König 
an, um die Verwaltung desselben nach seinen Grundsätzen zu ordnen, vor- 
züglich aber das Heer zu vermehren, da er wohl ahnte, daß er seine Erobe- 
rung noch in einem blutigen Kampfe würde behaupten müssen. Er gab sich 
indeß keiner Sorge hin, sondern lebte außer“ seinen Regierungs8geschäften 
ver Kunst und Literatur, stellte die Akademien ver Künste und Wissenschaften 
zu Verlin in ihren Nechten wieder her und eröffnete ven Forschungen und 
Studien auf Universitäten freiere Bahnen. Schon gleich nach seinem Re- 
gierungsantritte hatte er den Philosophen Christian Wolf auf die Univer- 
sität Halle zurückberufen , von welcher derselbe unter Friedrich Wilhelm I., 
weil 'man ihn der Keßerei- beschuldigte, verwiesen worden war. Friedrich 
hatte an seinen Minister geschrieben: „Er soll sich persuadirt halten, vaß er 
eine Conquete im Reiche der Wahrheit gemacht hat, wenn er ven Wolf 
wieder in unsere Staaten zurückbringt.“ 
Leiver war der große König mehr der fertigen Literatur und Kunst- 
anschauung der Franzosen ergeben, als der noc< in der Entwickelung be- 
grifsenen deutschen Bildung, die freilich an Feinheit hinter der französischen 
zurückstand, und was damals von deutschen Dichtern und Schriftstellern ge- 
leistet wurd», war nicht eben anziehend für Friedrichs Geist. Wir sehen 
daher in diejer “"eit französische Gelehrte am Hofe des Königs und selbst 
an dor Svike unsrer Akademien. Vom Jahre 1750--1753 war ver frän- 
zösischye "ahilmorh gltaire der hochgeschäßte Gast Friedrichs und wurde 
mit Ehren- und Gnadenbezeugungen von ihm überhäuft, was der Monarch 
später bitter: »ux- bereuen hatte, da der Franzyse die königliche Freundschaft 
schlecht vorgalt. - Der König sprach und schrieb fast nur französisch , dichtete 
in dieser Syrache und las die Werke der Alten in französischen Ueber- 
sezunaen; arch af den Theatern, die er errichtete und besuchte, wurden nur 
frar“ . '“ Vieles, französische und. italienische Opern aufgeführt. Er 
stellte 1“ usifer, Sänger und Sängerinnen an und soldete sie nach 
den < „ny it ziemlich hoch, behandelte sie jedoch in einer Weise, 
vie “+ "wer % Deifall/ finden würde. Als die berühmte Mara, freilich 
erst in seinen wätern Jahren, sich ihm zuerst vorstellte, fragte er sie blos: 
„Kann Cie singen 2% ra, Ew. Vajestät! „S9 singe Sie.“ Es stand ein 
Klavier daz ein Kapellmeister mußte begleiten und die Künstlerin sang sowohl 
eine Arie, als eine sehr schwere Oyernpiece mit höchster Virtuosität, worauf 
der König nichts weiter äußerte als: „Nun, Cie kann singen." Er war aber 
Kenner in diesem Fach, componirte und spielte die Flöte meisterhaft. 
Von ver Beschäftigung mit den Musen wurde der Held bald wieder in
	        
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