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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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beschränken wollte. Auch hatten vie Vergnügungen schon einen feineren 
Anstrich und bestanden nicht mehr bloß im Essen und Trinken; die schönen 
Künste sc<mücten schon das Leben, besonders am Hofe. Man gab Bälle, 
Concerte, französische Schauspiele, auch Opern; da jedoch ordentliche Leute 
von FaH nur selten vorhanden waren, so spielten junge Herren und Damen 
von Adel auf der königlichen Tühne, besonders zu Charlottenburg vor der 
Königin. Die Kosten des Hafhaltes wurden noc< durch die Anwesenheit 
vornehmer Gäste vermehrt. 5 waren damals nach einander in Berlin: 
der berühmte Feldherr Prinz Tugen vn Savoyen, desgleichen der Herzog 
von Marlborouah, im Jahre 1729 die beiden Könige von Dänemark und 
Polen zugleich, 1717 selbst rox rar Peter der Große von Rußland, an 
dessen origineller Unbefangenheit sich die Berliner sehr ergößten. Er kam 
den Empfangsfeierlichkeiten zuvor, indem er sich incognito unter seine eigene 
Dienerschaft gemischt hatte und dem Könige in Berlin seinen Besuch machte, 
als noch die Brüder desselben, die Markgrafen Albrecht und Christian Ludwig, 
ihn in Friedrichsfelde erwarteten. 
Alle diese Herrlichkeiten kosteten der Stadt schwere Abgaben, die sic 
jedoch nicht arm machten, vielmehr floß viel Geld auf Gewerbe und Ver- 
fehr wieder zurück. Man befand sich in ziemlichem Wohlstande und die 
Bevölkerung von Berlin war vom Anfang bis zum Ende der Regierung 
Friedrichs von 17,099 Einwohnern auf 61,000 mit dem Militair gestiegen. 
Darunter waren freilich einige Tausend neue Flüchtlinge aus Frankreich, so 
wie viele Eingewanderte aus Flandern, der Schweiz und anderen Ländern. 
Der Fürst that überdies viel für seine Hauptstadt; er vereinigte im Jahre 1709 
Verlin und Kölln, dazu den Stavditheil Werder, die Dorotheenstadt und was 
von Porstädten vorhanden war, unauflöslich unter einem Magistrat. Es 
heißt in der Urkunde vom 17. Januar des genannten Jahres: „Und gehet 
Unsere allergnädigste Intention dahin, daß von nun an und hinführo in 
Unsern hiesigen Residenzien Verlin ,“ Kölln , Friedrichs-Werder, Dorotheen- 
und Friedrichsstadt und allen denen Vorstädten nur ein Stadt-Rath seyn, 
und daß derselbe die Administration aller vorbenannter Unsrer Nesidenzien, 
so hinführo sämmtlich ven Nahmen von Berlin tragen sollen, unweigerlich 
über sich nehmen sollen." 
T x zweite König datirte Briefe und Verordnungen nicht mehr von 
Kölln an der + wree, sondern von Berlin. 
Dor Magistrat bestand nach jener Verordnung aus vier Bürgermeistern 
zwei Syndicis, einem Deconomiedirector, einem Kämmerer und zwölf Rath- 
männern, die fämmtlich von der Bürgerschaft auf ein Jahr gewählt wurden, 
wobei gleichmäßige Berücksichtigung der beiven evangelischen Confessionen 
eingeschärft ward. Der König mußte sämmtliche Stellen bestätigen. 
C9 waren denn Berlin und Kölln wieder vereinigt, wie sie 28 von 
1307 bis 1448 gewesen waren; aber um wie viel hatten sie sich seit dem 
großen Kurfürsten im Innern und noch viel mehr nach Außen durch die
	        
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