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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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und späterhin durch seine eigene dritte Vermählung mit der Herzogin Louise 
Dorothea von Meclenburg-Schwerin für seine Zerstreuung. Diese dritte 
Gemahlin wurde nach einigen Jahren gemüthskrank und bewohnte in der 
lezten > it ver Megierung König Friedrichs den kleineren Kapellenthurm im 
inneren Tloßhofe hinter dem Palais ver Herzoginnen. Sie wurde dort 
gewöhnlich bewacht; aber einst, als Niemand in der Nähe war, verließ sie 
ihr Gemach, durchirrte die Gänge des Schlosses am Wasser und gerieth in 
vas P?immer des Königs, der krank in seinem Stuhle saß. Der Anblick der 
geistesverwirrten Frau machte einen so furchtbaren Eindruck auf ihn, daß er 
wenige Wochen darauf, am 24. Februar 1713, starb. Er sagte vor seinem 
Tode, „er habe die weiße Frau gesehen“. 
In seiner Volitik gegen Frankreich, so wie in seinem Streben nach ver 
Königswürde handelte er selbständig; in Angelegenheiten der Landesregierung, 
namentlich in Beschaffung der Mittel für seine verschwenderischen Ausgaben, 
ließ ex sich von seinen Ministern leiten, welche die Geschichte Günstlinge 
nennt, da sie nicht sowohl dem Lande, als der Person ves Fürsten verant- 
wortlich waren, der sie schalten ließ. Der erste dieser Minister und Günst- 
linge war ein edler Mann, des Fürsten früherer Erzieher, Eberhard von 
Dankelmann. Ihn liebte das Volk, da er den Kurfürsten von zu großer 
Verschwendung abzuhalten und dem Lande Abgaben zu ersparen suchte. Es 
geschah aus viesem Grunde, daß er die Annahme der Königswürde wider- 
rieth; aber d18 zog ihm die Ungnade seines Herrn zu, der ihn fogar auf 
vie Festung € pandau bringen ließ. Wohlhabende Bürger von Berlin sorgten 
vort für seinen anständigen Unterhalt. Nach ihm lenkte das Ruder des 
Staatsschiffes zwei Jahre lang bis zu seinem Tode der Minister von Bar- 
fuß, welchem der Graf von Wartenberg in der königlichen Gunst folgte. 
In dem Maße wie er hat keiner dieselbe genossen, or hatte Macht, ohne 
Nechenschaft mit ven königlichen Geldern zu wirthschaften. Das gerieth, 
wiewohl man ihm keine eigentliche Unredlichfeit Schuld geben kann, zum 
Nachth-.l des Landes, und da ein Herr von Wartensleben und einer 
von Wittgenstein mit dem ersten Minister nur danach strebten, ver 
Prachtliebe des Königs zu dienen, klagte das Volk über das breifache „W“. 
Auch Wartenberg ward im Jahre 1710 seines Amtes entseßt, aber die nach- 
folgenden Herren von Kamecke konnten sich das volle Vertrauen des Königs 
nicht erwerben, der oft ihren Vorgänger zurückwünschte. 
Der Hofhalt des Königs war überaus glänzend, die Zahl ver Hof- 
bevienten unverhältnißmäßig groß und ihre Kleivung prächtig. Der König 
selbft sah sic) gern im Schmu. Sein Ro> bei der Krönung war von 
scharlächrothem Sammet und jeder Knopf daran ein Diamant von 3000 Thlr. 
Werth. Die Feste am Hofe lösten eins das andere ab. Das brachte den 
königlichen Haushalt in Schulden, gab aber auch den Unterthanen ein übles 
Beispiel. Der Luxus 'in Berlin war zur Zeit des ersten Königs außer- 
ordentlich groß. Es half da natürlich nichts, daß man ihn durch Gesetze
	        
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