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und falscher Consequenzien aus ihren Lehren enthalten sollten. Mehrere,
auc) Paul Gerhard, verweigerten diese Unterschrift. Für ihn kamen
ver Magistrat, die Innungen von Berlin und Kölln, endlich selbst die kurmärkischen
Stände ein, ver Kurfürst möge mit diesem frommen Dichter eine
Ausnahme machen. Jener gewährte die Bitte, der Diakonus sollte nur einem
Gerrn von Wallmoden, als Abgeordneten des Kurfürsten, mit Handschlag
versprechen, daß er sich seiner gewohnten Moderation in Glaubenssachen
ferner befleißigen wolle. Paul Gerhard versprach dies, trat wieder
in sein Amt ein und hielt noch eine Predigt und Traurede. Dann bat er,
aus ängstlicher Gewissenhaftigkeit, ver Kurfürst möge ihm sein Versprechen
zurückgeben, er könne mit vemselben nicht Prediger sein. Darauf mochte der
Kurfürst nicht einaehen und erklärte ihn für abgesetzt. Er hat noch zwei
Jahre ruhig in Berlin gewohnt, seinen Gehalt und viel Liebe ver Bürger
genossen und ist dann als Prediger nach Lübben berufen worden, das damals
dem Herzog von Sachsen-Weißenfels gehörte. Den großen Kurfürsten trifft
alfo in dieser Sache kein Vorwurf.
Dor helvenmüthige Herr erlebte auf seine alten Tage noch vielen Kummer
in seiner Familie. Seine zweite Gemahlin wünschte ihren leiblichen
Söhnen gleichen Antheil an ver Ländererbschaft mit den Prinzen erster Ehe,
und *1 dies durch eine feste Erklärung des rechten Bruders des Kurprinzen,
so wie vurH geheime iZerhandlungen mit dem Kaiser von Deutschland vereitelt
wurde, soll sie ihren Stiefsöhnen sogar nach vem Leben getrachtet haben.
Dor Erbprinz wurde eines Tages von einem Mittagsmahl bei seiner Mutter
für tot nach Hause gebracht und nur durch Anwendung eines für solc<en
Fall schon vorhandenen Mittels gerettet. Wenige Taae darauf starb seine
erste Gemahlin Elisabeth Henrietie von Hessen eines plößlichen Toves. Später
genoß auf einem Ball hei der Stiefmutter ver Prinz Ludwig eine besonders
schöne Orange, welche ihm die Herzogin von Holstein-Sonderburg , eine
nahe Verwandte der Kurfürstin, reichte, und starb nach den heftigsten Schmerzen
am andern Morgen. Diese Krankheits - und Todesfälle wurden der Kurfürstin
Schuld aegeben und sie that Nichts, sich von dem Verdachte zu reinigen,
vielleicht, weil sie die Verläumdung großmüthig verachtete.
Ihr Gemahl starb den 29. April 1688.
Kurfürst Friedrich Il. behanvelte seine Stiefmutter bis zu ihrem
Tode mit gebührender Achtung, wiewohl or noch bei Lebzeiten des Vaters
um ihretwillen zwei Mal Berlin verlassen hatte. Tr war bereits mit
Sophie Tharlotte, Prinzessin von Hannover, einer höchst liebenswürdigen
und geistvollen Fürstin, zum zweiten Male verheirathet.. Beive Gatten paßten
nicht ganz wohl zu einander. Der Kurfürst war ernst und ceremoniss, seine
Gemahlin beiter und unbefangen. Er, durch Schuld einer Kinderwärterin,
verwachsen, sie schön und anmuthig. Dennoch fehlte es vem Fürsten an
hohen und edlen Eigenschaften nicht, die ihn feiner Gemahlin achtungswürdig
machten, und so haben Beide immer auf einem freundschaftlichen