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Kurfürst Friedrich Wilhelm ist zwei Mal verheirathet gewesen. Seine erste
treffliche Gemahlin war die Prinzessin Louise Henriette von Oranien; sie hat
viel für die Verbesserung der Sitten am brandenburgischen Hofe gethan, mehrere
fromme Lieder gedichtet, deren einige, wie: „Jesus, meine Zuversicht 2c.
und „T< will von meiner Missethat mich zu vem Herrn bekehren 2c.“, noch
in unsern Gesangbüchern sich finden, und ihren Gemahl mit Rath und
That unterstüt, s9 daß er nach ihrem Tode oft vor ihrem Bilde gestanden
und gesagt haben soll: „O, Louise, wie sehr vermisse ih Dich !“
Die zweite Gemahlin kann werkthätiger genannt werden, als die erste,
da sie sich einer kräftigern Gesundheit erfreute. Louise Henriette war leider
eine kränkliche Dame, die sich „von den Lüften" dieser Erde hinwegsehnte.
Die von vem Kurfürsten neu gebauten Stadttheile, wie die vurch den
Krieg leer gewordenen Häuser, wurden in den besseren Zeiten, die er herbeiführte,
bald bevölkert; außerordentlich aber nahm die Einwohnerzahl durch
die Flüchtlinge zu, welche um ihrer Teligion willen, nach Aufhebung des
Cdicts von Nantes, 1685 aus Frankreich auswandern mußten und bei uns
willkommen geheißen wurden. Im letvten “Iegierungsjahre des großen Kurfürsten
hatten Berlin und Kölln 17,000 Einwohner, darunter 5000 Franzosen,
* 2 meist in der neuen Dorotheenstadt wohnten. Im Ganzen waren
13,009 Flüchtlinge in vie brandenburgischen Staaten eingewandert. Unter
ven in Berlin Aufgenommenen befanden sich beinahe 300 Weber und Manufacturisten
in Seide und Wolle, 114 Kaufleute, 28 Gärtner, 43 Perrückenmacher,
29 Steinschleifer und Graveure, 32 Goldarbeiter, 5 Uhrmacher, 32
Gastwirthe, Conditoren und Pastetenbäker, 57 Schneider und Schuhmacher,
19 Hutmacher, 11 Apotheker und 5 Handschuhmacher. Von ihnen lernten
die Berliner die feineren Gewerbe kennen. Sämmitliche französische Eingewanderte
bildeten eine eigene Kolonie, erhielten viele Vorrechte und ihre
Nachkommen haben bis heute <igene Perwaltung *hres Gemeindevermögens,
ihrer kirchlichen und Armen-Angelegenheiten. Sie haben bedeutend auf die
Sitten der höheren und mittleren Stände Berlins eingewirkt und noch zu
Friedrich des Großen Zeiten nannte 'n Fremder Verlin eine französische
Stadt. Bei ver Aufnahme der Colonijten hatte offenbar des Kurfürsten
Anhänglichkeit an sein calvinisches Bekenntniß mitgewirkt; er war jedoch ein
toleranter Mann und wünschte aufs Innigyte die Eintracht zwischen der reformirten
und ver lutherischen Kirche herzustellen; aber ein Religionsgespräch
der Geistlichen beider Neligionsparteien in Berlin, das schon in den Jahren
1662- und 1663 gehalten wurde, führte zu keinem günstigen Nesultat. Der
fromme Paul Gerhard erklärte, man könne mit den Neformirten wohl
in allgemein menschlichen Dingen Freundschaft, aber keine <ristliche Brüvderschaft
halten. Die Schmähungen der lutherischen Prediger gegen die Reformirten
dauerten seit Johann Sigismund lebhaft fort. Friedrich Wilhelm
wollte Frieden und verlangte. von den lutherischen Geistlichen die Unterschrift
eines Reverses, daß sie sich aller unchristlichen Calumnieen gegen vie Refor-