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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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Kirchen in unsern Mauern zum Himmel 'empor gestiegen sein, als in den 
lezten Negierungsjahren Georg Wilhelms. 
Dieser war ein frommer Herr, ver fortwährend Buß- und Fasttage 
anordnete, um den Zorn des Himmels abzuwenden, und das größte Aergerniß 
an den Lustbarkeiten nahm, in welche unsere Bürger aus Verzweiflung sich 
stürzten, wenn eben der Feind nicht in den Mauern war. Er hatte bald 
nach seines Vaters Tode die Musiker und Schauspieler, an deren Künsten 
jener Vergnügen fand, abgedankt, aber die Bürger seiner Hauptstädte be- 
lustigten sich no) an den Possen der Gaukler und in den Schulen wurden 
wie früher zu Zeiten Schauspiele vorgestellt. Darüber führt der Kurfürst 
vie bittersten Klagen und macht dem Magistrat die schwersten Vorwürfe, 
daß er so unheiligen Zeitvertreib billige. Er hält demselben in einer langen 
Strafprediat vor, daß solch unheiliges Werk nur schwerere Strafen Gottes, 
als bereits das Land heimgesucht, herbeiziehen müßte; daß aber auch durch 
ven dabei zur Schau gestellten Prunk der Appetit der „Soldaten nach Beute 
immer wieder neu gereizt werden müsse. Er fordert Rathmänner und Volk 
ernstlich auf, Buße zu thun, und ihr Leben zu bessern, damit nicht gar Land 
und Welt unterginge, wie sich denn allbereits schre>liche Wunderzeichen, als 
ein fliegender Drache und andere bedrohliche Erscheinungen am Himmel ge- 
zeigt hätten, die wohl den jüngsten Tag verkündigen könnten. 
Der kam nun zwar noch nicht, sondern vielmehr mit dem Nachfolger 
Georg Wilhelms, als letzterer am 11. December 1640 zu Königsberg ge- 
storben war, ein Lolv und Retter für die Mark in dem Großen Kurfürsten 
Friedrich Wilhelm, der jedoc< in den ersten acht Jahren seiner Regie- 
rung für **e Linderung der Noth seiner Unterthanen nicht viel thun konnte, 
sondern noch die höchsten Anstrengungen von ihnen fordern mußte, um der 
verschiedenen Feinde Herr zu werden. Schon im Todesjahre seines Vaters 
hatten sich die Magisträte von Berlin und Kölln mit einer gar rührenden 
Vorstellung an ihn um Abhülfe der schwersten Bedrängnisse gewandt, die 
namentlich aus den unbilligen Forderungen der Officiere der Söldnerschaaren 
entstanden. Bekannt sei es, sagen sie, wie sehr das Land durch Freund und 
Feind entnervt und zur Wüste geworden sei und voch müßten so viel Offi- 
ciere unterhalten werden, die herrlich lebten, ohne ihrer Mannschaft den be- 
dungenen Sold zukommen zu lassen, welchen sie in großen Summen bezögen 
und in ihre eignen Taschen steten. Die Zügellosigkeit der kurfürstlichen 
Reiter, die allemal die Stadt verließen, wenn der Feind käme, wäre so groß, 
daß kein Vferd, keine Kuh, kein Ochse, kein Mensch vor denselben sicher 
sei und daher der Acker in den meisten Gegenden unbestellt bleiben müßte. 
Geschäfte und Nahrung hörten auf und doch würde die Kriegskontribution 
mit Härte beigetrieben. Diese müßte von solchen aufgebracht werden, denen 
Häuser, Gärten und Felder genommen wären, um sie den unersättlichen 
Hauptleuten zu geben. Berlin habe 1638 und 1639 beinahe 13,000 Ihlr. 
für den kurfürstlichen Hofhalt aufbringen müssen. Die Schweden hätten
	        
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