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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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Tode sahe man bald ein, daß die Schweden nicht Freunde unseres Landes 
waren. 
Verlin ist im 30jährigen Kriege entsetzlich heimgesucht worden, wenn 
auch noc< nicht gerade das schlimmste Loos von allen Städten es getroffen 
hat. Nicht nur die Feinde haben Stadt und Land ausgesaugt, sondern auch 
die Söldnerschaaren, welche man anwarb, sie zu vertheidigen. Wenn man 
nicht Sold für sie hatte, erlaubte man ihnen zu betteln, und wo man ihnen 
nicht gutwillig gab, da stahlen, raubten und plünderten sie. Man nannte 
diese Söldner Garden oder Gardenbrüver, wobei man freilich nicht an unsere 
heutigen edlen Schaaren denken darf. Ihr Dienst reichte jedoc< nicht aus, 
und die Bürger wurden angehalten, sich selbst zu vertheidigen. Jeder mußte 
in seinem Hause eine Sturmbaube, einen Harnisch und ein langes Rohr 
haben. Die Thore hatten ste selbst zu bewahren. Als aber im Jahre 1627 
die Obrigkeit aufforderte, daß 180 Berliner. die Besaßung in Brandenburg 
verstärken sollten, rottete sich das Volk zusammen und es kam zum offenen 
Aufstande. Also no< Zwietracht in der bedrängten Stadt selbst. Im fol- 
genden Jahre besetzten Wallensteinische Truppen dieselbe und das Regiment 
Torquato - Conti erpreßte eine Contribution von 140,000 Thlr. ohne die 
Lebensmittel. 
Als später Gustav Adolph herannahte, verließ Wallenstein das Land, 
nicht ohne mitzunehmen, was möglich war. Er soll aus unserm Kurfürsten- 
thum 20 Millionen Goldgulden erpreßt haben. Dennoch wollte Georg Wil- 
helm ' aus den oben angegebenen Gründen dem Könige von Schweden die 
Hand nicht sogleich zum Bunde reichen. Dieser aber erschien im Mai 1631 
vor seinem siegreichen Heere in Berlin und nun mußte ihm der Kurfürst in 
einem Gespräch , das in der Heide bei Köpni> gehalten wurde, die Ueber- 
gabe der Festungen Küstrin nnd Spandau versprechen; würde aber, als 
Magdeburg vurc< Tilly erobert war, dieses Zugeständniß wieder zurück- 
genommen haben, wenn der König ihn seine Uebermacht nicht hätte fühlen 
lassen. Leider fiel der evangelische Held schon am Ende des folgenden Jahres 
und nun wurde das Bündniß mit Schweden für Brandenburg unheilvoll, 
denn 1633 durchzogen die Wallensteinischen Truppen als Feinde das Land, 
hatten schon Köpnick eingenommen und lagen vor Verlin, es zum zweiten 
Mal zu brandschaßen, als der sächsische Feldmarschall von Arnim sie noch 
glücklich vertrieb. Nun verband sich 1635 der Kurfürst mit dem Kaiser 
und dadurch hatte man' die Schweden zu Feinden, die im folgenden Jahre 
Verlin und Kölln besezteu und beide Städte durch die äußersten Erpressungen 
fast zur Verzweiflung brachten. Dazu kam in den Jahren 1637 und 1638 
die Pest und am 20. August 1639 ein neuer Ueberfall der Schweden, welchen 
das Leßte an baarer Habe, so wie an Gold, Silber und Tuchvorräthen hin- 
gegeben werden mußte, wenn man Brand und Plünderung vermeiden wollte. 
So mögen wohl nie mehr Seufzer und Wehklagen aus den Häusern und
	        
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