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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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Einwohner der Mark, wie Wir wohl unterrichtet sind, ein gut Genüge von 
ihm haben.“ 
Er hatte ven Städten Berlin und Kölln ihre Rechte und Privilegien 
auch vor der Erbhuldigung im Jahre 1415 bestätigt, und verlangte für 
seine Berson das Oeffnungsrec<ht, die Befugniß, zu jeder Zeit mit bewaff- 
netem Kriegsvolk in die Stadt einreiten zu dürfen, ohne zuvor die Erlaubniß 
ver Bürger einzuholen. Dies Recht- bewilligten ihm jene nicht und er fügte 
sich darein, ohne ihnen seine Liebe zu entziehen, was daraus hervorgeht, 
vaß er, wenn er in ver Mark anwesend und nicht in seinem fränkischen 
Fürstenthum beschäftigt war, gern im Schlosse zu Berlin wohnte, welches 
in der Klosterstraße, an der Stelle des heutigen Lagerhauses lag und das 
hohe Haus genannt wurde. 
Ihm folgte im Jahre 1440 sein Sohn Friedrich Il., von der Ge- 
schichte der Eiserne genannt, ver diesen Namen alsbald in seinem Verfahren 
gegen Verlin und Kölln rechtfertigte. Gleich nach der Huldigung verlangte 
er das Einzugsrecht, und zwar mit mehr Glück als sein Vorfahr, denn ver 
Rath, der in jener Zeit ein fast aristokratisches Ansehn gewonnen hatte, war 
mit den Bürgern uneins geworden. Als man auf die Forderung des Kur- 
fürsten mit der Antwort zögerte, erschien dieser mit einem Zuge von 600 Be- 
waffneten vor vem Spandauer Thore, fand es heimlich geöffnet, und konnte 
nun der Stadt Gesetze vorschreiben. Der Magistrat brachte die Schlüssel, 
wurde aufgelöst, vie Innungen mußten neue Bürgermeister und Rathmänner 
wählen , und so sollte es von Jahr zu Jahr geschehen, die Gewählten aber 
vom Kurfürsten bestätigt werden. Cr trennte die Verwaltung der Städte 
Berlin und Kölln wieder, befahl, für jede ein besonderes Rathhaus zu er- 
richten und verlangte für sich selbst einen Plaz an der Spree in Kölln, um 
sich eine Burg darauf zu erbauen, zu welcher er im Jahre 1443 den Grund- 
stein legte. 
Aber die Bürger verdroß das eigenmächtige Verfahren ihres Fürsten, 
sie zeigten sich widerspenstig; er verließ die Stadt und begab sich nach Spandau, 
um das entstandene wüste Treiben in Berlin und Kölln nicht mit anzusehn. 
Der Aufstand ging so weit, daß die Bürger einen Anhänger ves Kurfürsten, 
Namens Beutin, aus der Stadt verbannten, den Hofrichter Haake ge- 
fangen sezten, die von dem Regenten wegen des beabsichtigten Schloßbaues 
abgebrochene Stadtmauer durch einen Blo>zaun ergänzten und sich außerdem 
gegen ihren Herrn in den heftigsten Schmähungen ergossen. Die Magistrate 
von Verlin und Kölln vereinigten sich wieder und bezogen troßig ihr ge- 
meinsames Rathhaus an der Langen Brücke. Da versammelte Friedrich ein 
Schiedsgericht von geistlichen und weltlichen Herren, sowie von Abgeordneten 
ver Städte Brandenburg, Prenzlau und Frankfurt zu Spandau und lud 
vie Bürger der aufrührerischen Städte vor dasselbe. Sie kamen nicht; als 
aber der Kurfürst einen zweiten Tag ansetzte und sie inne wurden, daß er Ge- 
walt brauchen würde, auch deutlich merkten, daß sie von den genannten Städten,
	        
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