Path:
Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

-=“ 200 
In diesen traurigen Zeiten, wo Verlin und Kölln sich von ihren Fürsten 
wie Stiefkinder behandelt sahen, suchten sie sich, so gut ste konnten, selbst zu 
helfen, wußten sich auch von dem falschen, wie von den ächten Markgrafen 
wichtige Privilezien zu verschaffen. Aber was halfen ihnen diese, da ste um 
Freiheit und Habe fortwährend mit zahlreichen Feinden zu kämpfen hatten. 
Die Herzoge von Mecklenburg und Pommern, sowie die Polen, fielen häufig 
in das Land ein, und zerstörten Städte und Dörfer. Die armen, aus ihren 
Wohnungen vertriebenen Bürger und Bauern mußten umkommen oder griffen 
in der Noth zu den schlimmsten Mitteln der Selbsthülfe, indem sich die 
Verwegensten unter ihnen zu Näuberbanden zusammen schaarten, die unter 
vem Namen der Stellmeiser lange Zeit während dieser Periode eine Geißel 
ver Mark waren. 
Daher schlossen Kölln und Berlin Bündnisse mit den märkischen Städten, 
ja sie traten selbst in den Hansabund ein, und besoldeten mit den Verbün- 
veten gemeinschaftlich Reisige, die ihre Kaufmannszüge dennoc< nicht immer 
vor räuberischen Anfällen schüßen konnten, denn auch der schloßgesessene Adel 
erlaubte sich ohne Scheu Räubereien und Plünderungen und die benachbarten 
Ritter von Quizow, von Rochow und Andere waren ein Schrecken der 
Verliner Kaufleute. Noc<h wenige Jahre vor dem Eintritt der Hohenzollern 
in die Mark, mit welchen erst für den bürgerlichen Wohlstand eine bessere 
Zeit begann, führte Dietrich von Quitzow den Berlinern das Vieh von der 
Weide vor dem Spandauer Thore hinweg. Das geschah am Tage von 
Mariä Geburt im Jahre 1410. 
Unsere Vürger waren zu jener Zeit zwar wehrhaft und wußten die 
Waffen zu gebrauchen; eine Schaar derselben, geführt von einem Bürger- 
meister und zwei Rathmännern eilte vem Räuber nach. Bei der Tegeler Mühle 
aber kam es zu einem Gefecht, vas für die Berliner unglücklich genug aus- 
fiel. Sie mußten außer ihren Heerden dem Quißow sechszehn Gefangene, 
darunter den Rathmann Wins, überlassen und erhielten dieselben nur auf 
Verwendung der Stadt Frankfurt a. d. D. zurück. 
Noch anderes Unglück hatte die verbundenen Städte unter dem ersten 
bairischen Fürsten betroffen. Sie sind mehr als 10 Jahr im Bann und 
Interdikt gewesen, weil in einem Volksaufruhr der Propst Nikolaus von 
Bernau im Jahre 1325 bei der Marienkirche erschlagen und verbrannt worden 
war, und ihre Bürger waren doch sonst fromm, stifteten Altäre und Seelen- 
messen und traten zu wohlthätigen Verbrüderungen zusammen , wie es denn 
seit dem ersten bairischen Markgrafen einen Kalandsorden oder Elendsgilde 
in Berlin gegeben hat. 
Dabei aber gaben sie sim auch ver Schwelgerei und Ueppigkeit hin, vie 
alsbalb hervortraten, wenn die Zeiten nicht allzu schwer waren. Im Jahre 1335 
glaubte sich ver Magistrat genöthigt, ver Prachtliebe und Genußsucht Einhalt 
thun zu müssen und verordnete, daß keine Frau noch Jungfrau an Arm- 
spangen oder anderem Geschmeide mehr tragen solle, als eine halbe Mark
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.