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Geschichte

Full text: Heimathskunde von Berlin und Umgegend / Merget, August

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der Fremden ist. Die Namen: Fischerstraße, Fischerbrüke, Fischmarkt sprechen 
für die alte Tradition, denn die Oertlichkeit, welche sie bezeichnen, gehörte 
zu den erst bebauten von Kölln, wovon auch das dreifach übereinanderlie- 
gende Nflaster, das man in der Fischerstraße gefunden, Zeugniß geben mag, 
wiewohl unsere guten Vorfahren bequem waren und Steine genug hatten, 
um bald ein Pflaster über das andere zu legen, wenn das erste schadhaft 
geworden war. Von Berlin ist gleichfalls der älteste Stadttheil derjenige, 
welcher diesseits ves Mühlendamms zunächst an den Molkenmarkt grenzt. 
Die Mühlen für die Stadt haben in frühester Zeit oberhalb Stralau's im 
Flusse gelegen. Da hat auch westlich von Treptow ein Thurm gestanden, 
und heißt auch noc< heute der Ort, wo seine Fundamente lagen: der Burg- 
wall. Ein anderer solcher Thurm, welcher unserer Stadt zu einer entfernten 
Schußwehr gedient zu haben scheint, lag auf dem Wedding, der Grundbau 
war noch ganz deutlich in diesem Jahrhundert zu sehen. Endlich soll ein 
dritter Thurm dieser Art in der Nähe der ehemaligen Thiergarten-Mühlen 
sich befunden haben, also Thürme im Westen, Süden und Osten der ent- 
stehenden Städte; von Treptow, in der Nichtung des Landwehrgrabens aber, 
bis zu dessen Mündung in die Spree, lag eine große Waldung, vie Myrika 
genannt, welche der Askanische Markgraf, Otto 1. im Jahre 1261 der 
Stadt Kölln schenkte und zu ver auch der Thiergarten gehörte. 
Im Jahre 1134 erhielt der Askanier Albrecht der Bär vom Kaiser 
Lothar die Nordmark und bekriegte seitdem die Wenden, eroberte auch Bran- 
denburg und besiegte den Wendenfürsten Jakzo, der in Köpni> seinen Sit 
hatte. Als dieser einst auf der Flucht vom rechten Ufer ver Havel, wo jetzt 
das Dorf Pichelsdorf liegt, nac dem jenseitigen Ufer mit seinem Pferde 
hinübergesc<wommen war, hat er dort, so heißt es, seinen Schild und Horn 
niedergelegt, weshalb der Ort no< heute Schildhorn heißt, und nun das 
Gelübde erfüllt, das er vem Christengotte gethan, sich zu ihm zu bekennen, 
wenn er ihm glücklich über den Fluß hülfe. 
Verlin unter askanischen, bairischen und böhmen- luxemburgischen Fürzten. 
Bis in vie Gegend von Berlin hat aber Albrecht ver Bär seine Siege 
nicht aus"edehnt, erst sein dritter Nachfolger vermuthlich hat sic) zum Herrn 
der Stadt gemacht. Die minderjährigen Markgrafen Johann und Otto 111. 
haben den beiden Ortschaften Berlin und Kölln um's Jahr 1220 deutsches 
Stadtrecht ertheilt, diese müssen aber ven Rang von Städten schon gehabt 
und von dem Ort ihres Ursprungs sich ziemlich weit, wenn auch noch nicht 
in zusammenhängenden Häuserreihen ausgedehnt haben. Zur gedachten Zeit 
waren vorhanden: von Berlin ein Theil der Poststraße, die Spandauerstraße 
mit Unterbrechungen, die Stralauerstraße, die Jüdenstraße bis zum großen 
Jüdenhof, die Klosterstraße bis zum kleinen Jüdenhof; von Kölln die Fischer- 
straße, die alte Roßstraße, die Scharrenstraße, ein Theil der Brüderstraße
	        
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