Path:
Förderung durch Reich, Staat und Gemeinde

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

6* 
83 
Es ist gewiss nicht zuviel gesagt, wenn ich im 
Gegensatz zu dem Verhalten der Stadt Berlin die 
Stellungnahme der Gemeinde Treptow als eine durch 
weg der Ausstellung unfreundliche bezeichne. Die Ge 
meinde Treptow hatte durch ihren Gemeindevorsteher 
Herrn Hoffmann, der zugleich Amtsvorsteher von 
Treptow ist, während des Kampfes Witzleben-Treptow 
die Zusage gegeben, dass die Chaussee, welche den 
Park von Treptow durchschneidet, während der Dauer 
der Ausstellung gesperrt werden würde, ohne dass 
irgend welche weitere 
Bedingung gestellt 
oder ein Entgelt da 
für gefordert werden 
sollte. Die Sperrung 
der Chaussee war die 
unerlässliche Vorbe 
dingung für die gleich 
zeitige Benutzung der 
rechts und links von 
der Chaussee bele- 
genen Parkteile, da 
anderenfalls der Ver 
kehr innerhalb des 
Ausstellungsgebietes 
ausserordentlich 
schwierig, wenn nicht 
gar unmöglich ge 
wesen wäre. Je näher 
man der Eröffnung 
der Ausstellung kam, 
desto mehr zeigte sich 
bei der Gemeinde 
Treptow die Neigung, 
Gegenleistungen für 
die gemachte Zusage 
zu fordern. Der 
Amts Vorsteher von 
Treptow zeigte sich 
als ein anderer, als 
der Gemeindevor 
steher von Treptow, 
weigerte sich, die 
Chaussee mangels einer ausreichenden anderweiten 
Fahrstrasse zu sperren, und beanspruchte von der Aus 
stellungsleitung eine erhebliche Beisteuer zur Pflasterung 
der den Park im Süden begrenzenden Köpenicker Land 
strasse und der zwischen Park und Vergnügungspark 
belegenen Parkallee. Der Arbeitsausschuss musste sich 
nach langen und unangenehmen Verhandlungen dazu 
bequemen, den Betrag von 50000 Mk. herzugeben. 
Die dem Amtsvorsteher von Treptow unterstellte 
freiwillige Feuerwehr von Treptow hatte anfänglich neben 
der Berliner Feuerwehr die Ueberwachung eines Teiles 
der Ausstellungsterrains übernommen; die für die 
Mannschaft angesetzten Beträge waren aber so hoch, 
dass auf Veranlassung des Polizeipräsidiums von Berlin, 
welches fürchtete, die Mannschaften der Berliner Feuer 
wehr würden ihrerseits gleich hohe Forderungen stellen, 
jenes Verhältnis gelöst werden musste. 
Es soll anerkannt werden, dass Treptow, an sich 
eine arme Gemeinde, mancherlei Kosten aufzuwenden 
gehabt hat, wie sich aus der erheblichen Steigerung 
der Steuern und der anlässlich der Ausstellungs- An 
forderungen aufgenommenen Anleihe ergiebt. Die Ge 
meinde Treptow hat 
eine Anzahl von 
Strassen (den Loh 
mühlenweg, die 
Bouchestrasse, den 
Puderweg, den Sack 
führerdamm), die in 
der Richtung nach 
Rixdorf gehen, aber 
auch die Möglichkeit 
geben, gewisse Teile 
von Berlin bequemer 
zu erreichen, ferner 
die Köpenicker Land 
strasse und die Park 
allee gepflastert, aber 
es waren dies doch 
durchweg Aufwen 
dungen, die der Ge 
meinde dauernd ver 
blieben und nicht ins 
Gewicht fallen gegen 
über den Vorteilen, 
die der Gemeinde und 
einer grossen Anzahl 
ihrer Bewohner durch 
die Veranstaltung der 
Ausstellung in Trep 
tow zugeführt worden 
sind. Unbestritten 
hat eine Anzahl 
Treptower Gastwirt 
schaften während der 
Ausstellungszeit gute Geschäfte gemacht. Die in Treptow 
belegene elektrotechnische Fabrik von Gebrüder Naglo 
hatte Gelegenheit, elektrische Energie sowohl für Be 
leuchtungszwecke als für den Betrieb der in der Aus 
stellung selbst errichteten elektrischen Rundbahn in 
grossem Umfange abzugeben. Auch sonst hatte eine 
Reihe von wohlhabenden Mitgliedern der Gemeinde, 
insbesondere die bei den notwendig gewordenen Boden 
pachtungen beteiligten Grundbesitzer, erhebliche Vor 
teile von der Ausstellung. 
Uebrigens muss anerkannt werden, dass die Eta 
blissements jenseits des Parkes an der Treptower Chaussee, 
I 
Südliches Seitenportal und Wandelhalle des 
Ilaupt-Ausstellungsgebäudes.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.