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Förderung durch Reich, Staat und Gemeinde

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Umfang und seine ausserordentlich geschickte An 
ordnung bemerkenswerten Bauwerkes, verursachte 
ansehnliche Kosten. Der Landtag bewilligte auf An 
trag der Regierung sowohl hierfür, als für die durch 
die Ausstellung notwendig gewordenen Umbauten 
der Bahnhöfe der Berliner Stadt- und Ringbahn zwei 
Millionen Mark. 
Uebrigens kann alles dies nicht als Förderung der 
Ausstellung in Rechnung gestellt werden: im wohlver 
standenen eigenen Interesse der Staatsbahnen wurden 
sowohl die Fahrpreise ermässigt, als die eben genannten 
Einrichtungen getroffen. Wenn sich auch die Eisenbahn 
verwaltung immer noch trotz der anderweit vorliegenden 
Erfahrungen im allgemeinen der Erkenntnis verschliesst, 
dass die Herabsetzung der viel zu hohen Fahrpreise 
und die Verbesserung der vielfach dem Bedürfnis nicht 
mehr entsprechenden Eisenbahneinrichtungen den Ver 
kehr und damit die Einnahmen steigern würden, so lag 
doch in unserem Falle die Sache offenbar so, dass die 
preussische Staatsbahnverwaltung die nötigen Vorkeh 
rungen treffen musste, um dem sich naturgemäss ent 
wickelnden Ausstellungsverkehr einigermassen gerecht zu 
werden und daraus selbst Nutzen zu ziehen. Das Interesse 
des Verkehrs und der grössten Verkehrs 
anstalt fiel hier einmal ganz unverkennbar 
zusammen. Dass bei dieser Sachlage, na 
mentlich hinsichtlich der Fahrpreisermässi- 
gungen, noch erheblich mehr hätte ge 
schehen können, darf an dieser Stelle 
offen ausgesprochen werden. 
Der Minister des Innern genehmigte 
in anerkennenswerter Weise für die Aus 
stellung eine Lotterie, wie sie in diesem 
Umfange in einem ähnlichen Falle wohl 
niemals zuvor bewilligt worden war. Nicht 
weniger als 8 Serien zu je 500000 Losen 
durften ausgegeben werden, und die Lotterie 
bedingungen waren so gestellt, dass ein 
ansehnlicher Gewinn aus dieser Veranstaltung 
zu erhoffen war. Leider konnte von der 
weitgehenden Erlaubnis kein ausgiebiger 
Gebrauch gemacht werden. Es wurden im 
ganzen nur drei Serien verkauft — aus 
Gründen, deren Darlegung einer anderen 
Stelle Vorbehalten bleiben soll, die aber 
keinesfalls den Minister des Innern treffen. 
Im Gegenteil muss anerkannt werden, dass 
der Herr Minister fortgesetzt die Fristen 
für die Ausgabe weiterer Serien verlängert 
hat. Ob eine zur teilweisen Deckung des 
Defizits der Ausstellung beantragte Geld 
lotterie (die vorher besprochene Lotterie 
war eine Sachenlotterie) von zuständiger 
Stelle bewilligt werden wird, ist in diesem 
Augenblick noch nicht bekannt. 
Das Ministerium für Handel und Gewerbe 
bekundete seine Sympathien für die Ausstellung zu 
nächst dadurch, dass auf Ansuchen des Arbeits 
ausschusses der Herr Handelsminister selbst, Excellenz 
von Berlepsch, das Ehrenpräsidium über die Ausstellung 
übernahm. Des weiteren stellte es für die Aussteller 
eine Anzahl von Staatsmedaillen, und zwar zunächst nur 
silberne und bronzene, in Aussicht, indem es sich vor 
behielt, auch noch goldene Staatsmedaillen für besonders 
gute Leistungen zu gewähren. Dies war sicherlich für 
viele ein Ansporn, nicht nur auszustellen und in den 
Wettbewerb zu treten, sondern auch das möglichst 
Beste in dem betreffenden Fache für die Ausstellung 
anzufertigen. Die Zahl der in Aussicht gestellten Me 
daillen erwies sich gegenüber etwa 4000 Ausstellern 
sehr bald als zu gering. Das Preisgericht trat mit dem 
Arbeitsausschuss deshalb in Verbindung, und dieser 
erreichte unter thätiger Mitwirkung des Herrn von 
Berlepsch, der mittlerweile aus dem Amte des Handels 
ministers ausgeschieden war, aber das Ehrenpräsidium 
beibehalten hatte, dass der neue Handelsminister, Herr 
Brefeld, eine unerwartet grosse Zahl, nämlich 20 goldene, 
80 silberne und 300 bronzene Medaillen bewilligte.
	        
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