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Beiwerk der Ausstellung

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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werber beteiligt werden. Auch von den Beteiligten hat 
nur die Firma Adlon & Dressei ein grosses Geschäft 
gemacht. Diese Firma erwarb mit bedeutenden Opfern 
und unter ganz erheblicher Beteiligung an der Zeichnung 
des Garantiefonds eine Art Monopol für den Ausschank 
auf der Gewerbe-Ausstellung mit Ausschluss der Sonder 
ausstellungen und des Vergnügungsparks. Den übrigen 
Interessenten (Brauereien und Restaurateuren) blieb es 
überlassen, sich mit den Herren Adlon & Dressei be 
treffs Ueberlassung einzelner Lokalitäten zu Wirtschafts 
zwecken zu einigen. Die Firma Adlon & Dressei be 
schäftigte auf der Ausstellung im ganzen nahezu 
800 Personen, von denen allein für den Dienst im 
Hauptrestaurant etwa 550 beansprucht wurden, während 
sich die übrigen auf die Restaurants der Fischerei 
ausstellung, der Fischkosthalle, des Pilsener Bräustübels 
und des Alpenpanoramas verteilten. Entscheidend für 
den wirtschaftlichen Erfolg der über den Ausstellungs 
park zerstreuten Restaurants war in erster Linie die 
Wahl des Platzes. In dieser Beziehung war das Haupt 
restaurant vor allen übrigen bevorzugt. Allerdings 
bedingte die vorteilhafte Lage des Hauptrestaurants an 
dem oberen Ende des »Neuen Seees« im Centrum des 
Ausstellungsparks die Erbauung eines Riesengebäudes, 
von Dimensionen, welche wenigstens einigermassen dieses 
Bauwerk als eine Art Gegenstück zu dem den unteren Teil 
des »NeuenSees« beherrschenden Hauptindustriegebäude 
erscheinen Hessen. Die Gesamtbaukosten des Haupt 
restaurants betrugen mehr als 250000 Mark; das Inventar 
desselben repräsentierte weitere 200000 Mark. Während 
die Saalräume fast ausschliesslich bei grösseren Festlich 
keiten von zahlreichen, während der Ausstellungsdauer 
dort tagenden Korporationen und Vereinen, insbesondere 
auch von der Ausstellungsleitung in Anspruch genommen 
wurden, dienten die ein weites Halbrund über der 
Seespitze bildenden zweistöckigen Terrassen der Be 
wirtung des Ausstellungspublikums. Nur auf der oberen 
Terrasse herrschte Weinzwang; an besonders günstigen 
Tagen, beispielsweise an dem Nachmittage des Li- 
Hung-Tschang-Banketts, wurde ausnahmsweise für das 
Betreten der Oberterrasse ein Eintrittsgeld von 3 Mark er 
hoben, welches indes bei der Ausgleichung der Zeche 
den Gästen voll angerechnet wurde. Die Tagesein 
nahmen im Hauptrestaurant sollen nicht selten 35 000 M. 
und darüber betragen haben. 
Um von der Leistungsfähigkeit der Küche des 
Hauptrestaurants einen Begriff zu haben, muss man sich 
vergegenwärtigen, dass an verschiedenen dort veran 
stalteten Festessen 1200 bis 1300 Personen teilnahmen. 
Etwa 50 Küchenchefs, Köche, Kochfrauen und Küchen 
jungen, nicht zu gedenken der untergeordneten Hilfs 
mannschaft, waren an solchen Tagen in Thätigkeit, an 
denen es galt, nicht nur die Bankettteilnehmer, sondern 
gleichzeitig auch die Terrassengäste zu befriedigen, 
welche, wenn auch nicht festlich, immerhin aber gut 
speisen wollten. Dass bei einem Vorrat von 20 000 
Stühlen zeitweise im Hauptrestaurant Sitzgelegenheit 
nicht zu finden war, kennzeichnet den Umfang und die 
Schwierigkeit des unter der Leitung des Hoteldirektors 
Gustav Abler musterhaft arbeiterenden Wirtschafts 
betriebes. In den Wirtschaftsräumen hatten dort Fach 
leute und Interessenten Gelegenheit, die Kühlanlage, 
die nach einem neuen, dem Fabrikanten Leo Bahr, 
Schöneberg, geschützten System angelegt waren, 
zu besichtigen. Sie bestanden aus drei gesonderten 
Abteilungen, einer für Fleisch, einer zweiten für Geflügel, 
Milch und Butter, und einer dritten für Bier. Das 
Bahrsche System beruht auf Herbeiführung ununter 
brochenen Lüftens, behufs Abkühlung, Austrocknung 
und Reinigung der eingeschlossenen Luftmenge. 
Es wäre keine leichte Aufgabe, alle die verschiedenen 
in Hallen, Sälen, Schlössern, Tempeln, Grotten, Zelten 
und Klausen untergebrachten Restaurants, Cafes, Kon 
ditoreien u. s. w. der Ausstellung, ein jedes in seiner 
Eigenart, zu kennzeichnen. Wie stufenreich die Skala 
von der »Volksernährung« bis zum Hauptrestau 
rant sein musste, ergiebt sich aus der Verschieden 
artigkeit der Ansprüche, welche das Ausstellungs 
publikum je nach dem Masse der Zahlungsfähigkeit stellen 
durfte. Im allgemeinen kann anerkannt werden, dass 
überall da, wo ein Aufschlag gegenüber den in Berlin 
ortsüblichen Preisen stattfand, dieser Preisaufschlag 
durch Lage, künstlerischen Schmuck der Räume und 
andere Umstände gerechtfertigt war. 
Obgleich, wie oben angedeutet wurde, der gesamte 
Restaurationsbetrieb der Ausstellung zunächst in eine 
Hand gelegt war, hatte sich doch eine stattliche Menge 
von Unterpächtern auf den von Adlon & Dressei frei 
gegebenen Teilen des Ausstellungsparks niedergelassen. 
Besonders zahlreich waren teils grössere, teils kleinere 
Etablissements auf der freien Fläche vor dem Alpen 
panorama errichtet. Die »Osteria« und dieser gegen 
über die Klause der Firma Kloss & Förster flankierten 
zunächst die »Alpenwiese«. »Siechens Nürnberger 
Bierhaus«, »Habels Restaurant«, das »Riesen 
zelt« der Radeberger Exportbrauerei, Waczeks 
Cafe, Aschingersche Stehbierhallen und der von 
den Direktoren der » Continental - Bodega - Com 
pany« Rathjens und Wolf errichtete Pavillon bildeten 
das eigentliche sogenannte »Nasse Viereck«. Als 
Rast diente unweit des Chemiegebäudes der Aus 
schank der Berliner Victoria-Brauerei, ebenso 
neben der Gartenbauausstellung der Ausschank des 
Tucherbräu, ferner hinter der Maschinenhalle der 
Ausschank der Brauerei Oswald Berliner, endlich 
am Karpfenteiche der Ausschank des Münchener 
Bürgerbräu, das »Pilsener Bräustübl «, die »Spree 
waldschänke« der Brauerei zum Patzenhofer. 
In der Nähe der Marineschauspiele lag das sehr 
einfach gehaltene Zelt der »Berliner Weissbier-
	        
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