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Vorgeschichte und Vorbereitung der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Kunstkommission zwar abgelehnt, hingegen ist aut' Be 
fürwortung seitens des Stadtverordneten Baurat Kyll 
mann beschlossen worden, 15 000 Mk. zum Ankauf 
kunstgewerblicher Arbeiten auf der Ausstellung zu ver 
wenden. 
Mit den Bestellungen bei den Gewerbetreibenden 
ungesäumt vorzugehen, wurde der Ausstellungsleitung 
dadurch ermöglicht, dass ein aus der Bank für 
Handel und Industrie, der Berliner Handels 
gesellschaft und der Deutschen Genossenschafts 
bank von Soergel, 
Parrisius & Co. be 
stehendes Konsortium 
einen grossen Teil 
der Lose bereits im 
Januar 1895 über 
nahm. Der Verein 
für deutsches 
Kunstgewerbe 
machte sich um die 
zweckmässige Aus 
wahl der zur Ausfüh 
rung der Verlosungs 
gegenstände heranzu 
ziehenden Gewerbe 
treibenden und der 
Gewinne selbst in ho 
hem Masse verdient, 
wenn auch der hierfür 
ursprünglich aufge 
stellte Plan infolge 
technischer Schwierig 
keiten nicht ganz 
durchgeführt werden 
konnte. Kein Zweifel, 
dass unserem Kunst 
gewerbe eine tiefge 
hende Anregung zu 
teil wurde. 
Kunstgewerblich e 
Gesichtspunkte waren 
auch massgebend für 
die Vorkehrungen bezüglich der Ausstattung der 
Ausstellungsräume, eine Frage, die im Januar tbat- 
kräftig in die Hand genommen wurde. Im Gegen 
sätze zu früheren Ausstellungen, bei denen oft ein 
buntes Durcheinander herrschte und manche Geschmack 
losigkeit mit unterlief, wurde die planmässige und ein 
heitliche Ausstattung in den einzelnen Gruppen durch 
die gemeinsame Beschaffung der Schränke, Spiegel 
glasscheiben u. s. w. seitens der Gruppenvorstände unter 
entscheidender Mitwirkung der Gruppenarchitekten be 
schlossen. Auf diesem Wege war es möglich, sowohl 
die Erfüllung der Anforderungen des guten Geschmacks 
zu sichern, als den Einzelausstellern die Anschaffungs 
kosten erheblich zu verbilligen. Gleichwohl fehlte es 
nicht an Widerspruch gegen das gemeinsame Vorgehen 
in der Ausstattungsfrage, wie denn in solchen Fällen 
regelmässig die Erfahrung gemacht wird, dass die Ein 
ordnung in dem Gesamtinteresse der Beteiligten ent 
sprechende Organisationen bei einzelnen Eigenbrödlern 
nur mit den grössten Schwierigkeiten durchzusetzen ist. 
Während in dieser Frage das Gesamtinteresse der 
Ausstellung und das der einzelnen Aussteller offenbar 
im wesentlichen zusammenfällt, trat ein ebenso unver 
kennbarer Interessen 
gegensatz dadurch 
hervor, dass viele Aus 
steller den Wunsch 
verlautbarten, die vor 
zuführenden Erzeug 
nisse nicht nur durch 
die Veranschaulichung 
ihrer Vorzüge zu Be 
stellungen empfehlen, 
sondern auch auf der 
Stelle verkaufen 
zu dürfen. Dem ge 
genüber musste die 
Ausstellungsleitung 
an dem schon hervor 
gehobenen Grundsatz 
festhalten, alles zu ver 
meiden, was der Aus 
stellung mehr oder 
weniger das Gepräge 
eines Jahrmarkts oder 
einer Messe geben 
könnte. DasVerkaufs- 
verbot wurde von 
einem Teil der Aus 
steller als Schädigung 
empfunden und zum 
Gegenstand öffent 
licher Angriffe gegen 
die Ausstellungslei 
tung gemacht. Die 
Neigung dieser Kreise, eine günstige Verkaufsgelegen 
heit nicht unbenutzt und einen grossen Absatz in der 
Ausstellung selbst als gewichtige Anerkennung gelten 
zu lassen, war durchaus begreiflich. Gleichwohl konnte 
der Arbeitsausschuss von dem Standpunkt nicht ab 
gehen, dass die Ausstellung vor allen Dingen ein 
reines, durch Nebenzwecke nicht getrübtes Bild von 
der Leistungsfähigkeit der heimischen Industrie zu 
geben habe, und dass das Preisgericht die allein zu 
ständige Instanz für die Zuerkennung von Lob und 
Anerkennung sein müsse. Die Richtigkeit dieser Auf 
fassung wurde allmählich von allen Beteiligten anerkannt. 
Uebrigens führte die Entscheidung des Arbeitsausschusses 
Treppenaufgang im Fr ei hause.
	        
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