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Gruppe XXI. Fahr- und Reitsport. - Wassersport. - Radfahrsport. - Schiess- und Jagdsport

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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scheidend für die Verschiebung der Verhältnisse zu 
Gunsten unserer vaterländischen Industrie ist wohl in 
erster Linie der Preisunterschied. Auch in Russland 
wird der Jäger ebensogut wie anderwärts dem deutschen 
Gewehr den Vorzug geben, wenn es bei gleicher Güte 
um mindestens ein Drittel billiger ist als das englische. 
Recht lehrreich war das Vereinigungs verfahren 
für mehrläufige Jagdgewehre zur Veranschaulichung 
gebracht, das bekanntlich der Firma patentiert ist und 
bei dem so vorteilhaft bekannten Kruppschen Special- 
Gewehrlaufstahl zur Verwendung gelangt. Durch dieses 
Vereinigungsverfahren wird das bedenkliche heisse 
Löten umgangen, und der Laufstahl bleibt so, wie er 
die Schmiede verlassen hat; die Rohre werden auf die 
Laufvereinigung mit dem massiven Verschlusshaken 
aufgedreht und bedürfen dann nur noch des Auflötens 
der oberen und unteren Laufschienen, einer Manipulation, 
die mit Hilfe eines Gasrohres mit feinen Flämmchen 
bewerkstelligt wird. Dadurch aber, dass das Lauf 
material beim Löten nicht einem hohen Hitzegrad 
ausgesetzt wird, erleidet dasselbe keine Beeinträchtigung 
seiner Widerstandsfähigkeit und gewährt eine bessere 
Sicherheit den hohen Gasdrücken gegenüber, wie diese 
namentlich von verschiedenen Nitropulvern erzeugt 
werden. Den schlagendsten Beweis für die hohe Wider 
standsfähigkeit des Kruppschen Special-Gewehrlaufstahls 
liefern die ausgestellten Rohre, die nur auf den Patent 
schuh aufgeschraubt sind, ohne sonst irgend eine andere 
Verbindung aufzuweisen, und deren Laufwandstärke 
vor dem Patronenlager, also an derjenigen Stelle, wo 
der Gasdruck in der Regel die höchste Kurve erreicht, 
auf einen ganz minimalen Durchmesser abgedreht ist 
und dennoch selbst in dieser Verfassung die amtliche 
Beschussprobe ausgehalten hat. Die aufgeschlagenen 
Stempel der königlichen Beschussanstalt in Suhl zeigen, 
dass diese Beschussprobe genau im Rahmen der ge 
setzlichen Bestimmung ausgeführt wurde. 
Schräder, Robert, Göttingen, hatte eine Reihe von 
interessanten Neuerungen zur Ausstellung gebracht. 
So z. B. Scheibenbüchsen mit Drehblockverschluss und 
Verriegelung des Blocks, Birschbüchsen mit demselben 
Verschluss, Präzisionspistolen, Bockbüchsflinten, Selbst- 
spanner-Schrotgewehre und Drillinge. 
Naturgemäss reihte sich als zweite Klasse der Aus 
steller in der Jagdgruppe an die Gewehrfabrikanten 
die Gruppe der Pulver-, Schrot- und Patronenfabriken. 
Georg von Giesches Erben in Breslau, 
hatten den von ihnen fabrizierten Jagdschrot in sieb 
zehn verschiedenen Körnergrössen ausgestellt, und zwar 
ihren Patent-(Weich-)Schrot von F/2 bis 5 1 jz mm, von 
Nummer zu Nummer um je x /4 mm im Durchmesser 
ansteigend, ihren Hartschrot im Durchmesser von 
2 bis 4 3 A 111111 unc * ausserdem Posten von 6 und 6^2 mm 
Durchmesser. Daneben brachte diese alte, weltberühmte 
P'irma dem Beschauer die Schrotfabrikation in ihren 
einzelnen Herstellungszwischenstufen zur Veranschau 
lichung, und zwar war hierfür die Schrotstärke von 
3 x /2 mm gewählt. 
Wir sahen da, durch Glasglocken geschützt, zu 
nächst den für diese Schrotstärke als Weichschrot be 
stimmten gegossenen rohen Schrot, dann diesen Schrot 
ausgesiebt, d. h. durch Aussieben in drei Grössen — 
sowohl von 3^2 mm aufsteigend, als von 3 1 /* mm nach 
unten absteigend — sortiert, und hierauf wieder die 
richtige Stärke von 3^2 mm in fehlerhafte und in 
handelsfähige Ware durch Sortieren getrennt; dann 
folgte der ausgesiebte Schrot von 3 1 /2 mm in poliertem 
Zustande. In zwei besonderen Glasglocken wurden uns 
die bei der Fabrikation von Weichschrot durch zu 
hohen Arsengehalt und beim Hartschrot durch einen 
zu hohen Antimongehalt entstehenden Missgestaltungen 
zur Veranschaulichung gebracht. Des weiteren fanden 
wir auf demselben Tisch unter einer Glasscheibe auf 
einer in Centimeter geteilten Messingplatte, und zwar 
zum Zweck der Kontrolle der Gleichmässigkeit der 
Körnung in Reihen nebeneinander geordnet, je hundert 
Körner der ausgestellten siebzehn Grössen Weichschrot, 
so dass das Längenmass jeder einzelnen Körnerreihe 
durch hundert geteilt den Durchmesser des einzelnen 
Kornes erkennen liess. 
Die Patronenhülsenfabrik Walbinger, Meuschel 
& Co., Bischweiler im Eisass, hatten eine Auswahl 
ihrer Fabrikate — Patronenhülsen für Jagdzwecke, 
Gewehrpfropfen, Revolver- und Flobert-Munition, ge 
presste Zimmerstutzen-Kugeln in genau runder Form 
von 3 bis 10 mm — ausgestellt. Die einzelnen Artikel 
bewiesen, dass die P'irma bestrebt ist, möglichst tadel 
lose Arbeit zu liefern. Thatsächlich sind ihre Jagd 
patronenhülsen schon seit Jahren den besten englischen 
Erzeugnissen ebenbürtig, und ihre Specialhülsen über 
treffen sogar die meisten ausländischen Fabrikate. Be 
sondere Erwähnung verdienen die von der Firma herge 
stellten »extra gasdichten« Hülsen, die sich namentlich 
durch ihre zuverlässige, gleichmässige Zündung, genaues 
Kaliber und dünnen, festen und elastischen Karton aus 
zeichnen. 
Verschiedene Specialmarken sind der Firma bereits 
auf Ausstellungen prämiiert worden, z. B. »Lerche«, 
»Diana«, »G. J. Bischweiler« etc. Bei ihren gasdichten 
Hülsen findet der der Firma patentierte Zündapparat 
Verwendung, der das lästige Ausströmen der Gase 
nach hinten wirksam verhindert, was bei Gewehren 
mit Auswerfer und bei hahnlosen Gewehren von grosser 
Bedeutung ist. Bekanntlich leidet der Mechanismus 
sehr stark durch zurückschlagende Gase. Aber auch 
in die Pistonlöcher dringen die Gase leicht ein und 
richten dort Unheil an, indem sie den Piston in seiner 
Schlagkraft hemmen. Besonders gut eignet sich dieser 
Ziindapparat für rauchschwache Pulver, und wohl aus 
diesem Grunde verwenden fast alle deutschen Pulver
	        
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