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Vorgeschichte und Vorbereitung der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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wenn alle Beteiligten die Mahnung beherzigt hätten. 
Das Ehrenpräsidium übernahm der Minister für Handel 
und Gewerbe Freiherr von Berlepsch. 
Andererseits erhoben sich mit dem Fortschreiten 
der Vorbereitungsarbeiten auch neue Schwierigkeiten, 
wie sie bei allen grossen Werken dieser Art unver 
meidlich sind, und zwar sowohl bezüglich der Aus 
stellungsinteressenten selbst, wie von seiten Aussen- 
stehender. Es war nicht möglich, angesichts der be 
stehenden Konkurrenzverhältnisse und verschiedenartigen 
Interessen die Beteiligung aller derjenigen Industriellen, 
Gewerbetreibenden und sonst in Betracht kommenden 
Kreise herbeizuführen, deren Mitwirkung wünschens 
wert erschien. 
So war es bereits mit nicht geringen Schwierigkeiten 
verknüpft gewesen, im Dezember 1893 i m Verbände 
der Berliner Metallindustriellen eine Organisation 
der Gruppe XIII, Metallindustrie, herbeizuführen. Die 
Herren Ernst Behrens, Kommerzienrat Henneberg, Paul 
Heckmann, Feigts (Richard Schwarzkopff), Ingenieur 
Herzberg, Carl Flohr sprachen sich gegen, die Herren 
Direktor Blum, J. Hirschhorn, Direktor Kohlert, Krätke 
(J. C. Spinn & Sohn), Stadtrat Gebauer und Brandholt 
für die Ausstellung aus; eine Abstimmung fand nicht 
statt, und es blieb auch später dabei, dass ein erheblicher 
Teil unserer grossen Eisen- und Maschinenindustrie sich 
der Ausstellung fernhielt. 
Auch das Verhalten des Verbandes der Elektro- 
techniker Deutschlands war durch entschieden aus 
stellungsfeindliche Agitationen beeinflusst. Diese Ver 
einigung verhandelte über ihre Beteiligung an der Berliner 
Gewerbe-Ausstellung auf dem Verbandstage zu Köln im 
November 1894 und versandte dann über die gepflogenen 
Beratungen folgende sehr eigenartige Mitteilung an die 
Blätter: »Weder der Vorstand, noch irgend ein Mitglied 
des Verbandes hat in der Kölner Versammlung für die 
Berliner Ausstellung 1896 Sympathien zu erkennen ge 
geben. Um jedoch dieser Ausstellung, falls sie wirklich 
zustande kommen sollte, die Möglichkeit der heute für 
jede grössere Ausstellung unentbehrlichen elektrischen 
Beleuchtung und Kraftübertragung nicht von vornherein 
abzuschneiden, sowie um die deutsche Elektrotechnik 
vor einem Beteiligungszwange durch den Wettbewerb 
einzelner Firmen zu schützen, ist der nachstehend un 
verkürzt wiedergegebene Beschluss gefasst worden: 
»Die Mitglieder des Verbandes beteiligen sich an der 
Berliner Ausstellung nur unter folgenden Bedingungen: 
Die Beteiligung erfolgt durch den Verband. Derselbe 
fasst zunächst die Kraftübertragung, sowie die Lieferung 
von Licht und Kraft für die gesamte Ausstellung gegen 
Entlohnung und eine Beteiligung an den Tageseinnahmen 
ins Auge. Er gewährt sämtlichen Verbandsmitgliedern 
nach Massgabe ihrer Anmeldungen Teilnahme an der 
Ausführung und bildet zu diesem Zwecke ein Syndikat, 
dessen Leitung der Verband übernimmt.« Massgebend 
für diese in sich widerspruchsvolle Stellungnahme waren 
die ungünstigen Erfahrungen, welche die Elektriker auf 
der Elektrischen Ausstellung zu Frankfurt a./M. 1892 
gemacht hatten. Auf dem Kölner Verbandstage suchte 
Direktor Peters (Berlin), der schon oben S. 33 als eifriger 
Gegner der Berliner Gewerbe-Ausstellung genannt wurde, 
dahin zu wirken, dass die »Stellungnahme des Verbandes 
dem Vorstande und Ausschüsse« in dem Sinne über 
lassen werde, dass die deutschen Elektriker der Aus 
stellung im wesentlichen überhaupt fernblieben. Die 
Sache der Ausstellung vertrat in Köln Geheimrat Gold 
berger, der immerhin die Ablehnung des Peters’schen 
Antrages mit grosser Mehrheit erzielte. Die Syndikats 
bildung seitens des Verbandes führte zur Anmeldung 
einer verhältnismässig nicht erheblichen Zahl von Teil 
nehmern, in deren Namen dann das Syndikat mit der 
Ausstellungsleitung verhandelte und Verträge abschloss; 
auch hierbei traten wieder eine Reihe von Syndikats 
mitgliedern zurück, und das Gesamtergebnis entsprach 
keineswegs dem Bilde, das man sich vorher von dem 
elektrotechnischen Teil der Ausstellung gemacht hatte. 
Eine Zeitlang schien eine ähnliche Gefahr bezüglich 
eines Berliner Hauptgewerbes, der Damenmäntel- 
Konfektion, zu bestehen, für die es in der That sehr 
schwer ist, auszustellen: die Ausstellung fand im Sommer 
statt, zu einer Zeit, wo die Sommersachen schon ver 
sandt sind, also für die grossen Käufer von auswärts kein 
Interesse mehr haben — das Publikum im allgemeinen 
dagegen interessiert sich im Sommer noch nicht für 
Wintersachen. Glücklicherweise gelang es, wenigstens 
eine teilweise Vertretung des Geschäftszweiges herbei 
zuführen; mehreren der angesehensten unter den hier 
in Frage kommenden Firmen kann der Vorwurf nicht 
erspart bleiben, dass sie nicht trotz der angedeuteten 
Schwierigkeit, der Stellung ihrer Branche auf dem Welt 
märkte Rechnung tragend, auf der Ausstellung erschienen 
sind. Das gleiche gilt von einer Reihe anderer Ge 
schäftszweige, wo mehrfach das schlechte Beispiel 
einzelner grösseren Geschäftshäuser ansteckend wirkte, 
indem sich bei anfänglich zur Beteiligung entschlossenen 
Industriellen dann die Auffassung geltend machte, wenn 
die Konkurrenten A und B nicht ausstellten, könne 
man selbst auch wegbleiben und die Kosten sparen. Es 
trat hier ein bedauerlicher Mangel an Gemeinsinn, an 
Hingabe gegenüber dem grossen Ganzen hervor, wo 
durch der Gesamteindruck des Ausstellungswerks in 
bedauerlicher Weise beeinträchtigt, der Erfolg der opfer 
willigen Arbeit der Ausstellungsorgane herabgedrückt 
und der Nutzen der Ausstellung für den Gewerbefleiss 
Berlins und Deutschlands vermindert wurde. In letzterer 
Richtung darf nicht übersehen werden, dass die Leistungs 
fähigkeit unserer Industrie gerade in den betreffenden 
Arbeitsgebieten weltbekannt ist. 
Besonders unerfreulich musste es wirken, dass ein 
Konsortium von Finanzmännern mit der Absicht hervor
	        
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