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Gruppe XX. Fischerei

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

Schleppnetzfischerei, vielleicht auch durch das Badeleben 
auf den beiden wichtigsten Inseln in ihrer Entwicklung 
zum Stillstand gebracht. Denn dass die Fische ihren 
Standort gewechselt haben sollten, ist nicht anzunehmen. 
Und doch bieten auch heute noch die Wanderungen der 
Fische im Meere etwas höchst Rätselhaftes. So erscheint 
seit einer Reihe von Jahren zur Winterszeit, wenn die 
übrige Fischerei ruht, eine gewaltige Zahl von Heringen, 
begleitet von Sprotten, in der Elbmündung und den an 
grenzenden Gebieten. Der Fang ist so bedeutend, 9 
dass die meisten Fische als Dünger verwandt werden 
und nur zum kleineren Teile gesalzen, geräuchert oder 
ristisch für die Ostsee ist der geringe Salzgehalt und das 
fast völlige Fehlen von Ebbe und Flut und der dadurch 
bedingten Strömungen. Zahlreiche erratische Gesteine 
bedecken viele Teile des Ostseebodens und sind einer 
Schleppnetzfischerei hinderlich. Nur die Treibnetz- und 
Angelfischerei führt die Fahrzeuge bisher weiter von 
der Küste fort und besonders der Lachsfang 11 ist es 
gewesen, welcher einen erheblichen Aufschwung der 
Ostseefischerei herbeigeführt hat, seitdem die Ostsee 
fischer von den an unsere Küsten kommenden Dänen 
und Schweden deren Fangmethoden und deren gedeckte, 
seetüchtige Kutter'*) kennen gelernt haben. Die Lachs- 
Die Fischerflotte auf der Spree. 
Rechts im Hintergrund der stählerne Heringslogger »Weser«, davor (reehts) der »schwedische« Hochseekutter von der Ostsee, gebaut in Memel. Links im 
Vordergrund das Zeesener Boot aus dem Swinemünder Bezirk, dahinter der Ewer und noch weiter zurück der Hochseefischkutter, beide von der Nordsee. Ganz im Vorder 
grund die Buttjolle von der Elbe. — Das Eckernfbrder Fischerboot und das Dielenboot von der Weser fehlen in der Abbildung. 
Da das Bild nach einer Photographie angefertigt zu sein scheint, wirkt es nicht besonders vorteilhaft. 
mariniert oder sonstwie zubereitet auf den Tisch des 
Menschen kommen. Als Fanggerät benutzen die Fischer 
den Heringshamen, ein Mittelding zwischen dem Hamen 
und der Kurre, indem er, wie diese, geschleppt wird. 
Ein anderer Wanderfisch und Meeresbesucher ist 
der Lachs und doch wird er nur verhältnismässig 
selten im Meere selbst erbeutet. Auch die Fluss 
mündungen der Nordsee sucht er nur ziemlich spärlich 
auf. 10 
Viel bedeutender ist der Lachsfang in der Ost 
see und die Besprechung dieses Meeres sei hier ein 
geschoben, da dem Habitus nach die Ostseefischerei 
noch die meiste Aehnlichkeit mit der Küstenfischerei 
der Nordsee hat. Auch geht sie nur in wenigen 
Punkten über eine Küstenfischerei hinaus. Charakte- 
treibnetze haben eine Länge von 36—50 m bei etwa 
6 m Tiefe, und 40—100 solcher Netze werden zu 
sammengefügt und über Nacht ausgeworfen. Der 
Lachs fängt sich mit dem Kopf in den Maschen. 
Auch mit Angeln wird ihm noch in bedeutender Aus 
dehnung nachgestellt, wenn auch hier die klugen See 
hunde oft bedeutenden Schaden anrichten, indem sie 
von den längere Zeit ausliegenden Angeln die ge 
fangenen Fische bis auf die Köpfe abfressen. Aber 
auch in grösserer Küstennähe wird dem Lachs noch 
mit Stellnetzen und Zuggarnen nachgestellt. 
Die Hochseekutter gehen aber mit Treibnetzen 
auch noch auf den Fang des Herings aus und werden 
*) Siehe die Abbildung.
	        
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