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Beiwerk der Ausstellung

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Die Entwicklung des befruchteten Eies, welche 
unter Umständen und bis zu einem gewissen Ent 
wicklungsstadium des Wassers nicht bedarf, lässt sich 
bei niedriger, wenige Grade über dem Gefrierpunkt 
liegender Temperatur verlangsamen und wochen-, ja 
monatelang verzögern wie das Direktor Haack-Hüningen 
in seinem Eisbrutschrank zeigte. Da die Brutperiode 
unter natürlichen Verhältnissen gegen Mitte März zu 
Ende zu gehen pflegt, so blieb nur dieser Weg, um 
den Besuchern bis tief in den Sommer hinein dem 
Ei entschlüpfende Larven unserer forellenartigen 
Fische, sowie heranwachsende Larven und junge 
Fischchen verschiedener Altersstadien gleichzeitig vor 
zuführen. 
In der zweiten Sommerhälfte traten für die dann 
nicht mehr zu beschaffenden Eier unserer Salmoniden 
Carpione - Eier aus dem Gardasee, welche ebenfalls 
Direktor Haack besorgte, ein. Dieser kleine, im Gar 
dasee heimische Lachs hat sich, abweichend von seinen 
im Winter oder zeitigen Frühjahr laichenden Art 
verwandten, unter der Eigenart der ihm für Entwicklung 
und Leben gebotenen Verhältnisse eigentümlicherweise 
gewöhnt, im Sommer, im Juli, zu laichen. Das kam 
uns zu statten. So konnten wir bis in den August 
hinein die Entwicklung der Salmonideneier und ihre 
Entwicklungsprodukte nebeneinander zeigen. 
Das Brutgeschäft von Lachs-, Bachforellen-, Regen 
bogenforellen- und Bachsaiblings-Eiern (später Car- 
pione-Eiern) erfolgte (Haack) in sechs (2 X 3) bezw. drei 
(Arens) sogenannten californischen Bruttrögen, die mit 
durchsichtigen Glasscheiben bedeckt waren, so dass der 
Beschauer die Vorgänge bei dem Ausbrüten und 
das Gebahren der jungen Tierchen beobachten konnte*). 
Zu je dreien treppenartig nebeneinander aufgestellt, 
bildeten diese beiden kleinen Brutanstalten einen ständig 
von Schaulustigen belagerten Anziehungspunkt. In 
anderen Bruttrögen je etwas abweichender Konstruktion 
— und so ziemlich jede Brutanstalt hat, wie die lange 
Reihe der verschiedenen Brutapparate lehrte, ihren 
eigenen, in Kleinigkeiten abweichenden Trog— wuchsen 
die jungen Tierchen heran, um später in kleine Aquarien 
übergeführt zu werden. 
Das Aufziehen der Jungbrut, das Auswählen der 
geeigneten richtigen Nahrung ist ein mühselig Geschäft, 
was nicht jedem gelingt. Dass einzelne es vorzüglich 
verstehen, bewies die bei Eröffnung der Ausstellung 
bereits zu wahrhaften Riesen herangewachsene Salmo- 
niden-Brut von Jaffe-Sandfort, welcher neben unserer 
altheimischen und den bereits eingebürgerten amerika 
nischen Forellenarten sehr kräftige Brut des in Form 
befruchteter Eier direkt bezogenen californischen 
Lachses (Salmo Quinnat) zeigte, und jene der Fisch 
zuchtanstalt Osede, während Arens uns neben der kleinen 
*) Vergl. das Bildchen auf Seite 792. 
Brutanstalt seinen Apparat, mit Hilfe dessen er der 
Brut ständig lebende, mit dem Käscher gefangene 
Nahrung zuführt, gesandt hatte. 
Auch die Brut zahnloser Lachse (Coregonen) war 
anwesend, prächtige junge Schnäpel (Bienenbüttel) und 
wohl zum ersten Male in Berlin, junge Blaufelchen 
aus dem Bodensee (Haack). Beide hielten sich über 
raschend gut, und einzelne der Tierchen erfreuen sich 
noch (Dezember 1897) in der Müggelseestation in 
bester Gesundheit ihres Lebens. 
Auch die Brut unserer heimischen Wildfische 
fehlte nicht; Zander- (Hübner) und Hechtbrut und 
verschiedentlich auch die Brut anderer Sommerlaicher, 
durch die Müggelseestation beschafft, zog vorüber 
gehend, aber nur für kurze Dauer im Bruthause ein. 
Ferner fanden wir im Bruthause Aalbrut aus dem 
Arno und daraus herangezogene Aale verschiedenen 
Alters (Haack-Hüningen), und in fünf Altersstufen junge 
Krebse (Micha). Auch eine Krebswochenstube (Brüssow- 
Schwerin), eine Holzwanne mit Thonröhren unter 
fliessendem Wasser, war vertreten. In solche Thon 
röhren sollen die Krebse sich gern zurückziehen. 
Ehe ich von dem Bruthause scheide, dieser so recht 
eigentlich die künstliche Fischzucht in ihrem Wesen 
und Wirken veranschaulichenden Stelle, will ich noch 
der Geräte, Apparate und Werkzeuge gedenken, welche, 
ihr zu dienen, ersonnen wurden. Neben der Fisch 
zuchtanstalt Berneuchen (von dem Borne), welche ihre 
altbewährten Brutapparate, das Muster aller anderen, Brut 
gläser, Wasserfiltrierapparate, Fang- und Transportgeräte 
fürBrut, Netze etc. in Originalen, Modellen und Zeichnungen 
darbot, sahen wir die in Kleinigkeiten abweichenden 
Bruttröge einer grossen Zahl deutscher Brutanstalten, 
welche Prof. Frenzei zusammengebracht hatte, Eier- 
und Brutzähler, Eierzangen, Fleischmühlen (Dill-Heidel 
berg) und anderes notwendige und nützliche Gerät. 
Ein reichhaltiges, trefflich gearbeitetes Sortiment ver 
schiedener Apparate und Geräte sandten uns A. Glauss- 
Königsberg, sowie Warmbrunn, Quilitz & Co.-Berlin, 
einen Reisekasten mit dem erforderlichen Apparat für 
die Arbeiten am Bach bei der Befruchtung der Eier, 
der Messung, zum Zweck einer Zählung etc., passend und 
praktisch zusammengestellt, der bayerische Landes 
fischerei-Verein; auch die Müggelseestation hatte aus 
ihren Beständen manches Ergänzende hergegeben. 
Die Ausstellung der lebenden Fische können wir 
in ihrer Gesamtheit wohl als eine glänzende bezeichnen. 
Noch niemals waren auf einer Ausstellung, wenn auch 
nicht immer gleichzeitig, die deutschen Süsswasserfische 
mit verschwindenden Ausnahmen lebend so vollständig 
vertreten. 
Das dankenswerte Entgegenkommen der hervor 
ragendsten deutschen Fischzuchtanstalten, einer Reihe 
deutscher Teichwirte, des bayerischen Landesfischerei- 
Vereins und last not least unserer Berliner Fischhändler
	        
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