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Gruppe XIX. Unterricht und Erziehung

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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wendige Oeffnen der Oberfenster zu erleichtern, 
namentlich auch diese in grösserer oder geringerer 
Weite festzustellen. Diesen örtlichen Mitteln der Luft 
zuführung gegenüber wurden centrale Anlagen in be 
sonderen luftführenden Kanälen und Oeffnungen, deren 
Zweck in den Namen Frischluftkanal und Abluftkanal 
bezeichnet ist, vorgeführt. Weite der Kanäle, Grösse 
der Wechsel- und Drosselklappen wurden nach Mass- 
gabe der zu lüftenden Räume und der etwa der Lüftung 
aus der supponierten Schülerzahl erwachsenden Aufgabe 
ausgeführt oder zum mindesten markiert. Von 
Anlagen für Pulsionslüftung war Abstand genommen, 
weil dieselben erfahrungsgemäss zu teuer werden und 
kaum in Anwendung kommen, so vorteilhaft sie an sich 
auch sind. 
Zur Reinhaltung der Luft in den Schulzimmern ist 
es nun aber eine der ersten Forderungen, dass Ueber- 
kleider, Schirme u. s. w. während des Unterrichts aut 
dem Korridor oder in einem besonderen Raume auf 
bewahrt werden. Aus diesem Grunde wurde ein Korridor 
mit den notwendigsten Ausstattungsgegenständen, näm 
lich mit praktischen eisernen Schirmständern und 
geschmackvollen Kleiderregalen vorgesehen. 
Ein integrierender Teil der Schulgesundheitspflege 
ist die Fürsorge für zweckmässige Beleuchtung der 
Schulzimmer. Es kann nach den statistischen Ergeb 
nissen der Untersuchungen über die Kurzsichtigkeit der 
Schulkinder kaum mehr einem Zweifel unterliegen, dass 
schlechte Beleuchtung, es sei dies nun die Tages- oder 
die Abendbeleuchtung, mit Teil hat an jenem immer 
hin nicht unbedenklichen Uebelstande. Daher wurde 
auf die Vorführung derjenigen Erfindungen, welche die 
Schaffung bester Zimmerbeleuchtung zum Ziele haben, 
besonderes Gewicht gelegt. Die Einrichtungen, welche 
in Betracht kamen, beziehen sich ebensowohl auf die 
geeignete Zuführung des Tageslichtes, wie auf die Her 
stellung zweckentsprechender künstlicher Beleuchtung. 
Mit Rücksicht auf ersteres waren bezüglich der 
Anlage, Grösse und Gestalt der Fenster architektonische 
Einflüsse ungünstiger Art zur Geltung gekommen, die 
dadurch gegeben waren, dass, wie oben schon erwähnt, 
die Schulzimmer in dem auch für andere Ausstellungs- 
zwecke hergerichteten Gebäude untergebracht waren. 
Zur Fernhaltung des direkten Sonnenlichtes von den 
Arbeitsplätzen der Schüler waren helle Stoffvorhänge 
angebracht, die als Nachbildungen der im Kaiser und 
Kaiserin Friedrich-Kinder-Krankenhause verwendeten 
Vorhänge sich nicht nur von oben nach unten, sowie 
umgekehrt ziehen lassen, sondern auch so eingerichtet 
sind, dass sich einzelne Teile der Fensterfläche bedecken 
lassen. 
In Hinsicht auf die künstliche Beleuchtung, die 
sich für Oberklassen, in Zeichensälen und in Fort 
bildungsschulen als notwendig ergiebt, sind die neuesten 
und bis jetzt am meisten bewährten Einrichtungen im 
Wettbewerb vorgeführt worden, nämlich Gasgliihlicht, 
Seitenlichtreflektoren für elektrisches Licht System 
Hrabowski (Allg. Elektricitäts-Ges., Berlin) und Lamellen- 
Reflektoren für Gas und elektrisches Licht (Elster, Neue 
Königstr. 67, Berlin). 
Neben dem bei geeigneter Verwendung in gesund 
heitlicher Beziehung vollkommensten elektrischen Lichte 
entspricht das Gasglühlicht der hygienischen Anforde 
rung, ein gleichmässig strahlendes, ruhiges, helles 
Licht mit möglichst geringer Luftverderbnis zu bieten, 
mit in erster Reihe. Das elektrische Licht wurde unter 
Verwendung von Hrabowskis Seitenlichtreflektor 
vorgeführt. Letzterer besteht aus zwei schräg an der 
Wand und excentrisch zueinander angebrachten Reflek 
toren, von denen der grössere mit reinweissem Stoff 
überzogen ist, während der kleinere, in dessen Mitte 
sich der Leuchtpunkt der Lampe befindet, aus trans 
parenten Glasscheiben besteht. Die Hälfte des vom 
Leuchtpunkt ausgestrahlten Lichtes gelangt nach ein 
maliger Reflexion vom Hauptreflektor in das Zimmer; 
die andere Hälfte, die auf den Transparentreflektor 
fällt, wird von diesem teils durchgelassen, teils auf den 
Hauptreflektor geworfen, wodurch es gleichfalls auf die 
zu beleuchtenden Objekte gelangt. Der Verlust an 
Licht ist nur ein geringer. Die auf diese Weise ge 
wonnene Beleuchtung blendet nicht, weil die Flamme 
für das Auge verdeckt ist, fällt schräg auf die Arbeits 
fläche, hat ausreichende Helligkeit und lässt sich in ihrer 
Stärke mässigen. Elsters Seitenlicht-Lamellen 
reflektor, in seiner Konstruktion auf gleichem Prinzip 
wie der von Hrabowski beruhend, hat anstelle des be 
schriebenen Reflektors ein System von Glasplatten, 
Lamellen, durch welche die Flamme verdeckt und ein 
für das Auge angenehmes diffuses Licht erzeugt wird. 
Die Oberlicht-Reflektoren derselben P'irma, zwar 
auch für elektrisches Licht verwendbar, in unserer Aus 
stellung aber für Gas eingerichtet, haben ein Gas 
leitungsrohr, das sich je nach der Grösse der Lampe 
in 3 bis 8 Spitzen teilt und ebenso viele Brenner trägt. 
Ueber den Flammen befindet sich ein grosser kreis 
förmiger Reflektor. Der zweite Reflektor unter der 
Flamme besteht aus Glaslamellen, die in Kegelform 
zusammengestellt sind, so dass das Licht ebenfalls nur 
als diffuses zum Schüler gelangen kann. 
Während alle bisher erwähnten Ausstellungsobjekte 
nur mehr von allgemeiner hygienischer Bedeutung sind, 
treten die eigentlichen Einrichtungsgegenstände der 
Schulklasse, obenan die Schulbänke, zu dem Schüler 
in direkte Beziehung. Seit Jahren ist die Konstruktion 
einer geeigneten, allen hygienischen und gleichzeitig 
pädagogischen Anforderungen entsprechenden Schul 
bank ein Gegenstand des Versuches für Aerzte, Schul 
männer und Techniker. Es soll von vornherein her 
vorgehoben werden, dass die Objekte unserer Aus 
stellung auf diesem Gebiete dem vorgesteckten Ziele
	        
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