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Gruppe XIX. Unterricht und Erziehung

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Die Vorzüge des Linoleums als Fussbodenbe- 
kleidung sind hinlänglich bekannt. Es nützt sich bei 
genügender Pflege sehr wenig ab, ist wegen seiner Glätte 
leicht zu reinigen, kann fast als fugenfrei gelten und 
bietet endlich sowohl in thermischer als auch akustischer 
Hinsicht gute Eigenschaften. Bei dem Verlegen wird 
auf Schutz gegen die Einwirkung von Bodenfeuchtigkeit 
zu achten sein, am besten wohl durch Unterlagen von 
Asphalt- oder Asphaltlackschichten, wie dies thatsächlich 
in unseren Räumen zur Ausführung gekommen ist. 
Wenden wir uns den Decken unserer Schulräume 
zu, so waren von diesen 2 Arten vorgeführt: eine Holz 
decke (Edmund Schramm - Charlottenburg) und eine 
Betondecke (Aktiengesellschaft für Monierbau-Berlin). 
Die erstere, eine durch nach unten hervortretende 
Balken gegliederte Holzdecke, ist von sehr gefälligem 
Aussehen, fast zu schön für ein Schulzimmer; sie wird 
aber, weil sie nicht ebenflächig ist, sich nur schwierig 
von anhaftendem Staube reinigen lassen. Eine in der 
Decke angelegte Lüftungseinrichtung, kleine Abzugs 
löcher mit verschliessbaren Klappen, ist mehr gut ge 
meint, als wirkungsvoll. Für die Lüftung von Schul 
räumen ist dieselbe jedenfalls nicht ausreichend, kann 
indes als Hilfsmittel zur Lüftung mit herangezogen 
werden. — Die Betondecke, die Koenen’sche Rippen 
decke, nach dem System des Regierungsbaumeisters 
a. D. Koenen, besteht aus eisernen I -Trägern, die in 
einem Abstande von 25 cm liegen und zwischen denen 
sich kleine Rippengewölbe aus Beton befinden. Das 
Ganze ist von einer Betonschicht bedeckt, die am 
Scheitel der Rippengewölbe nur eine Dicke von 
10—12 cm hat, trotzdem aber von grosser Tragfähig 
keit ist. Infolge der geringen Deckenstärke und des 
Luftraumes der Hohlkehlen des Rippengewölbes ver- 
grössert sich der Luftraum des Zimmers. Diesem Vor 
teil steht aber als Nachteil die erschwerte Reinigung 
der kleinen Gewölbe gegenüber, weshalb es sich em 
pfehlen würde, die Decke ebenflächig zu gestalten. 
Nützlich ist in jedem Falle, dass sie keinerlei Hohl 
räume besitzt, und so die Ansammlung von Staub und 
Infektionskeimen in der Decke ausgeschlossen ist. Die 
Diele kommt unmittelbar auf eine vollkommen solide 
Masse zu liegen. 
Die Ausführung der Wandflächen lag ausserhalb 
der Einwirkung der Gruppe, auch sie hätte sonst wohl 
Gegenstand hygienischer Ueberlegungen sein können. 
So blieb nur die Ausführung der Wandbekleidung be 
ziehungsweise des Anstriches Objekt der Ausstellung. 
Das hygienische Postulat ist, dass der Anstrich der 
Decken und Wände möglichst fest, glatt und sowohl 
mit Wasser als auch mit desinfizierenden Flüssigkeiten 
abwaschbar sein soll. Es wurden verschiedene Arten vor 
geführt, von denen einzelne sich schon bewährt haben, 
andere erst die Probe bestehen sollen. Verwendung 
haben gefunden zunächst Emaillefarben, sodann Lack 
dauerfarbe und Astrafarbe (Campe, Nieder-Schönhausen 
bei Berlin). Die erstgenannten Anstriche bilden glatte, 
hart und fest werdende Schichten, die nicht kleben 
und nicht reissen, porzellanartig sind und angeblich 
das Abwaschen mit Seife, Sublimat und schwacher 
Karbollösung vertragen. Die neue Astrafarbe ist matt, 
abwaschbar, trocknet schnell und wird auf vorge 
richtetem Grunde steinhart. Die Dauerhaftigkeit und 
Härte der Wandbekleidung ist gegenüber der Gefahr 
der Zerstörung der ersteren durch die Schuljugend be 
sonders wichtig für die unteren Partieen der Zimmer- 
wäude. Mehr und mehr ist man von Holzwänden, die 
sonst üblich waren, zurückgekommen und benutzt jetzt 
gern festwerdenden Cementputz und ähnliches Material. 
Ein solches neu sich einführendes ist das im Zeichen 
saal verwendete Heliolith (Adolph Möller, Altona). 
Dasselbe ist eine patentierte Mörtelmischung, die nur 
in dünner Schicht mittelst kleiner glatter Stahlkellen 
aufgetragen und geglättet wird, beim Trocknen einen 
schönen Glanz erhält und alsbald einen harten, mit 
Wasser oder Desinfektionsmitteln abwaschbaren, weissen 
oder farbigen Wandputz liefert. — Dies das Wesent 
liche unserer Vorführungen, soweit der Schulhausbau 
in den Bereich derselben kommen konnte. 
Von den eigentlichen Einrichtungen der Schul 
zimmer fesseln in erster Reihe die Heizungsvor 
richtungen unsere Aufmerksamkeit. Dieselben konnten 
natürlich bei einer während des Sommers stattfindenden 
Ausstellung nicht im Betriebe vorgeführt werden: doch 
erschien es zweckmässig, die wichtigsten' Systeme der 
Heizung durch Aufstellung von Oefen u. s. w. zur An 
schauung zu bringen. Bekanntlich unterscheidet man 
zwischen Centralheizanlagen und Lokalheizung der 
Einzelräume. Beide Systeme haben gewisse Vorzüge 
und beide kamen in der Ausstellung zur Vorführung, 
an Centralanlagen Dampfheizung und Warmwasser 
heizung, an Lokalheizeinrichtungen die neuesten Kon 
struktionen inDauerbrandöfen mit Lüftungseinrichtungen. 
Während in Centralanlagen zumeist nur schon Bewährtes 
von den Firmen Rietschel & Henneberg, Berlin, und 
David Grove, Berlin, zur Vorführung kam, wurden in 
Lokalheizungen mehrfach noch neue, eben erst sich ein 
führende Apparate zur Ausstellung gebracht. Wir er 
wähnen von denselben das Gasheizungssystem Haesecke 
(Titel & Wolde, Berlin), Keidel’s Patentofen für Dauer 
brand (Keidel & Co., Berlin W., Friedenau) und Cade’s 
Patentkaminofen (Keyling & Thomas, Berlin). 
Bei der Dampfheizung ist der in Rohrleitungen 
von einer Centralanlage (Kessel am besten mit Nieder 
druck) zugeführte Dampf der Träger der Wärme und 
wird in den als Heizkörper ausgestalteten, in den Schul 
zimmern aufgestellten Registern zur Abgabe derselben 
an die umgebende und vorbeistreichende Luft gezwungen. 
Bei der Centralanlage als Warmwasserheizung 
wird das von der Centrale gelieferte heisse Wasser,
	        
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