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Gruppe XVIII. Gesundheitspflege und Wohlfahrts-Einrichtungen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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chirurgisch eingerichteten Verbandstätten mit perma 
nentem ärztlichen Tag- und Nachtdienst, und sind 
mit kleinen Krankenanstalten, welche je etwa 30 Betten 
enthalten, verbunden. Einzelne Stationen besitzen 
eigene Stallungen und Remisen mit Krankenwagen 
und Gespannen; das Anschirren der Pferde geschieht 
in gleicher Weise wie bei der Berliner Feuerwehr — 
mit Genehmigung des Herrn Branddirektors Giers- 
berg wurden die ersten Geschirre in einem Depot 
der Berliner Feuerwehr angefertigt. Unmittelbar nach 
der Meldung eines Unfalls kann der Krankenwagen, 
der mit Schienen, Verbandzeug, den notwendigen 
Instrumenten und Erfrischungsmitteln ausgerüstet ist, 
und in dem ein Arzt und ein Heilgehülfe Platz nehmen, 
sich nach der Unfallstelle begeben; so traf beispiels 
weise der Rettungswagen der Station I in der Wilhelm 
strasse schon 12 Minuten nach dem Alarm in der 
Brüderstrasse ein. Ein Teil der Wagen, welche in 
Equipagenform gehalten und auch äusserlich elegant 
ausgestattet sind, ist nach einem neuen System des 
Herrn Direktors Merke gebaut und derart konstruiert, 
dass der Transport von Patienten auch auf schlechtem 
Strassenpflaster in überraschend ruhiger, geräuschloser 
und deshalb in der für den Kranken denkbar scho- 
nendsten Weise ausgeführt werden kann. Diese Ver 
besserung besteht, abgesehen davon, dass der Wagen 
selbst mit guter Federung versehen ist, im wesentlichen 
darin, dass die in dem Wagen befindliche Tragbahre 
in Federn hängt und seitliche Stösse durch Puffer 
aufgefangen wurden. 
Ausser den solchermassen ausgestatteten Hauptsta 
tionen sind sodann noch eine ganze Anzahl von Nebensta 
tionen in der Stadt vorhanden, Verbandstätten mit eben 
falls permanentem ärztlichen Dienst, mit medizinischen 
und chirurgischen Einrichtungen und mit dem nötigen 
Hilfspersonal, die sich nur dadurch von den Hauptstationen 
unterscheiden, dass keine stationären Kliniken mit ihnen 
verbunden sind. Doch besitzen die Nebenstationen auch 
einfachere Transportmittel, wie Räderbahren und Hand 
tragen. Auch hat das Kuratorium eine Vereinbarung mit 
den unter dem Protektorat Ihrer Majestät der regie 
renden Kaiserin stehenden Sanitätswachen herbeige 
führt, die Nachts Hilfe gewähren und zum Teil mit 
den Nebenstationen der Unfallstationen verbunden sind. 
Das ganze Unternehmen untersteht einem Kura 
torium, gebildet aus den Vertretern der beteiligten 
Berufsgenossenschaften und einem ärztlichen Mitgliede, 
welches durch die dirigierenden Aerzte der Unfall 
stationen aus der Mitte der berufsgenossenschaftlicheu 
Vertrauensärzte gewählt wird. 
Als Mitglieder des Kuratoriums sind thätig die 
Herren: PI. Beck (Fuhrwerks-Berufsgenossenschaft), 
C. Hellriegel (Papierverarbeitungs - Berufsgenossen 
schafts), Direktor Rob. Hoffmann (Berufsgenossen 
schaft der chemischen Industrie), Sanitätsrat Dr. Heyder 
(Vertrauensarzt der Brauerei- und Mälzerei-Berufs 
genossenschaft), G. Kielblock (Berufsgenossenschaft 
der Schornsteinfegermeister des deutschen Reiches), 
Direktor B. Knoblauch (Brauerei- und Mälzerei-Berufs 
genossenschaft), Dr. phil. Moll (Speditions-, Speicherei- 
und Kellerei-Berufsgenossenschaft), Salomon Mosse 
(Bekleidungsindustrie - Berufsgenossenschaft), Direktor 
Max Schlesinger (Brauerei- und Mälzerei-Berufs 
genossenschaft), Ferdinand Vogts (Norddeutsche 
Holz-Berufsgenossenschaft). Den Vorsitz führt Herr 
Direktor Knoblauch, als Kurator fungiert Herr Direk 
tor Max Schlesinger. 
Ist so, wie gesagt, das Unternehmen von Hause 
aus ein internes der Berufsgenossenschaften, so hat es 
sich doch in der kurzen Zeit seines Bestehens zu einem 
P'aktor von allgemeiner Bedeutung für das gesundheit 
liche Leben Berlins herausgebildet. Denn die Unfall 
stationen haben sich schliesslich nicht nur für Unfälle, 
sondern auch für Erkrankungen jeder Art zur Ver 
fügung gestellt. Sie haben damit die Schwierigkeit 
beseitigt, in denjenigen Tagesstunden, in welchen die 
Aerzte unterwegs und nicht in ihrer Behausung anzu 
treffen sind, schnelle ärztliche Hilfe zu finden; und sie 
werden besonders gern bei Erkrankungen in Anspruch 
genommen, die einen schnellen Transport des Kranken 
sei es in seine Wohnung, sei es in ein Krankenhaus, 
erheischen. Doch ist auch Vorsorge getroffen, dass 
in den mit den Unfallstationen verbundenen stationären 
Kliniken Krankheitsfälle, welche dazu geeignet sind, 
bis zur völligen Wiederherstellung in Behandlung ver 
bleiben können. 
Monate 
insgesamt 
I Unfälle 
plötzliche 
Erkrank 
ungen 
in den .ausserhalb 
| der 
Stationen j Stationen 
behandelt 
1895. 
April . . . 
801 
690 
111 
733 
68 
Mai . . . 
1034 
897 
137 
954 
So 
Juni . . . 
1119 
994 
125 
1 024 
95 
Juli . . . 
1232 
1058 
174 
1131 
IOI 
August . 
1234 
1077 
157 
1135 
99 
September . 
1330 
1159 
171 
1 124 
206 
Oktober . 
1254 
1168 
S6 
1175 
79 
November 
1266 
1089 
177 
1 129 
137 
Dezember 
1 120 
1 024 
96 
1 019 
IOI 
1896. 
Januar 
1 122 
1046 
76 
1028 
94 
Februar . 
1133 
1 012 
I 21 
1052 
81 
März . 
1205 
1132 
73 
1134 
7i 
April . . 
1244 
1093 
151 
1143 
IOI 
Mai . . . 
1366 
1191 
175 
1 251 
115 
Juni . . . 
00 
CO 
119s 
186 
1226 
158 
Juli . . . 
1 SS3 
132s 
228 
1459 
94 
Sa.: 
19 397 
i7 153 
2 244 
17 717 
1 680 
Entsprechend ihrer Bedeutung sind die Unfall 
stationen denn auch von dem hilfesuchenden Publikum 
reichlich in Anspruch genommen worden. Nur die
	        
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